https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/die-chinaforschung-muss-ihre-rolle-ueberdenken-17877701.html

Chinaforschung : Grenzenlos kompromissbereit?

  • -Aktualisiert am

Staatstragend: Die Huazhong University in Wuhan feiert das hundertjährige Bestehen der Kommunistischen Partei. Bild: dpa

Angesichts von Xis Repressionspolitik muss die Chinaforschung ihre Rolle überdenken. Die Ausblendung von Problemen und die Stigmatisierung kritischer Stimmen sind der falsche Weg. Replik auf Björn Alpermann und Gunter Schubert.

          7 Min.

          Vergangene Woche haben die Sinologieprofessoren Björn Alpermann und Gunter Schubert die in den letzten Jahren aufgeflammte Kritik an Selbstzensur und Appeasement innerhalb der deutschsprachigen Chinaforschung gegenüber der chinesischen Regierung als „Kreuzrittertum“ gebrandmarkt. Kritiker des konformistischen Kurses, darunter Autoren dieses Beitrags, wurden als „moralische Kreuzritter“ diffamiert und als Nestbeschmutzer stigmatisiert. Argumente wischen die Autoren mit der Behauptung vom Tisch, für einen steigenden Einfluss Chinas auf die deutsche Chinaforschung fehlten Belege.

          Das Gegenteil ist richtig: Im „International Journal of Human Rights“ kritisieren Andreas Fulda und David Missal auf empirischer Basis, dass „Chinaforschung an deutschen Universitäten hochgradig abhängig von ‚fragwürdigen‘ Finanzierungen [sei] und viele ihrer chinabezogenen Studienprogramme ohne finanzielle Unterstützung aus der Volksrepublik China nicht mehr angeboten werden“ könnten. Über Konfuzius-Institute und Universitätspartnerschaften flössen massive finanzielle Mittel von der chinesischen Seite an deutsche Kooperationspartner. Diese These stützt sich auf mehr als hundert Anfragen an öffentliche Stellen, die von Missal nach den Informationsfreiheitsgesetzen gestellt wurden und auf der Website unis.davidmissal.de eingesehen werden können. Dort ist dokumentiert, dass deutsche Universitäten ohne großen Aufwand jedes Jahr mehrere Millionen Euro aus China erhalten, pro Hochschule oftmals mehrere Hunderttausend Euro. Sowohl die Universität Würzburg als auch die Universität Tübingen, an der Alpermann und Schubert lehren, haben die Anfragen unbeantwortet gelassen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Langfristig kein gutes Geschäft: Gas aus einer russischen Gazprom-Pipeline

          Abhängigkeit von Putin : Der Mythos vom billigen russischen Gas

          Deutschland hat trotz der Pipeline-Importe in der Vergangenheit mehr für Erdgas bezahlt als viele andere Länder, zeigt eine neue Berechnung. Eine Rechtfertigung für die Abhängigkeit von Putin scheint damit zerstört.
          Frankfurt im Sommer. Städte ohne Pflanzen muten den Menschen starke Hitze zu.

          Hitzewelle : Städte des Grauens

          Städte ohne ausreichend Bepflanzung werden im Sommer unerträglich heiß. Angesichts der häufiger auftretenden Hitzewellen müssen sie dringend neu geplant werden. Was es braucht: mehr Grün und mehr Wasser.