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Studium : Die beste Zeit in meinem Leben

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„Das war ein tolles Gefühl“
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Die beste Zeit in meinem Leben : Die beste Zeit in meinem Leben

„Recht auf geistige Verwahrlosung“

Möglichkeiten ohne Ende: Jede Uni bietet die Infrastruktur für ein reges Sozialleben. Es gibt gemütliche Cafés zum Abhängen, Gremien für politisches En­gagement, Karrierenetzwerke, Sportgruppen, Debattierclubs und vieles mehr.
Vor allem ist die Uni aber ein Ort, an dem man viel lernen kann – nicht indem man klausurrelevanten Stoff paukt, sondern Fragen entwickelt, die einen nicht mehr loslassen; die dazu führen, dass man bei der Suche nach Antworten die Grenzen einer Fachdisziplin überschreitet. Stephan A. Jansen, Gründer und Präsident der privaten Zeppelin University, spricht in diesem Zusammenhang vom „Recht auf geistige Verwahrlosung“. Anstatt nur das Pflichtprogramm zu erfüllen, sollten Studenten ihrer Leidenschaft im Selbststudium nachgehen, Texte lesen, die kein Curriculum vorsieht, und ruhig einmal übermäßig viel Energie in ein Projekt stecken, das vielleicht keine Credit Points, aber dafür neue Erkenntnisse einbringt. Erst dann werde die Universität zu einem Hort intellektueller Auseinandersetzung.
Für Moritz Höhne war in dieser Hinsicht die Bachelorarbeit einer der Höhepunkte des Studiums. Er hätte es sich leicht machen und ein Thema beackern können, über das schon viel geforscht wurde. Stattdessen untersuchte er, wie Batman-Comics die Gesellschaft rekonstruieren und reflektieren. „Eine große Herausforderung war das“, sagt Moritz. „Die eigen­ständige analytische Arbeit über mehrere Monate hinweg hat mich manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht. Aber als ich dann abgegeben hatte, war ich sehr stolz.“
Auch das macht das Studium aus: sich verzetteln, an Grenzen stoßen, Krisen durchstehen. Von solchen Erfahrungen zehrt man ein Leben lang, ebenso wie von einem Aufenthalt im Ausland. Welche Auswirkungen Letzterer auf die Persönlichkeit hat, ist eine Frage, der Julia Weiß gerade auf den Grund geht. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Dia­gnostik der Uni Jena hat für ihre Dissertation im Rahmen der Längsschnittstudie „PEDES – Personality Development of Sojourners“ mehr als 1000 Studenten befragt. Etwa die Hälfte davon verbrachte während der Untersuchungsphase mehrere Monate im Ausland. Noch sind die Ergebnisse nicht vollständig ausgewertet, aber es zeichnet sich die Tendenz ab, dass der zeitlich begrenzte Auslandsaufenthalt insofern die Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst, als Ängste abgebaut und Kompetenzen im zwischen­menschlichen Kontakt gesteigert werden. Zudem sieht es so aus, dass die Auslandserfahrung stärkere Veränderungen der sozialen Beziehungen der Studenten zur Folge hat. „Das persön­liche Netzwerk fluktuiert stärker. Vermutlich ist, wer sich einmal in fremder Umgebung fern der Heimat zurecht­gefunden hat, in sozialer Hinsicht experimentierfreudiger und knüpft zahlreichere Kontakte mit neuen interessanten Menschen.“ Dass sich der Horizont durch den Auslandsaufenthalt erweitert, kann Moritz Höhne aus eigener Anschauung bestätigen. Er verbrachte zwei Semester in Kanada und wohnte dort mit einem Chinesen und einem Pakistaner zusammen. „Wir haben nächtelang über unsere Lebensweisen und Anschauungen gesprochen. Seitdem habe ich beispielsweise ein viel differenzierteres Bild vom Islam“, sagt er. Bis heute hält er Kontakt zu beiden Exmitbewohnern.
Christian Rudolph, Absolvent des Masters in Corporate Management and Economics an der Zeppelin University in Friedrichshafen, war während des Studiums ebenfalls im Ausland – für ein Praktikum bei der Unternehmensberatung Ernst & Young in Singapur. „Seitdem weiß ich, dass ich Asien sehr reizvoll finde, ein Großunternehmen aber einfach nicht das Richtige für mich ist.“
Genau dafür ist die Uni-Zeit da: für Entdeckungs­reisen jedweder Art. Die können ins Ausland, in einen interessanten Nebenjob oder in einen anderen Fach­bereich führen. Was liegt mir? Das gilt es herauszufinden. Christian gehört zu jenen, die die Antwort schon vor dem Studium zu kennen glaubten. „Ich strebte eine Beraterkarriere an. Viel Geld verdienen und in der Welt herumkommen, das waren meine Ziele.“ Also absolvierte er einen BWL-Bachelor in den Niederlanden und meldete sich danach für den Management-Master in Friedrichshafen an. Da kam dann aber alles anders: „Ich traf auf spannende Leute mit einem völlig anderen Hintergrund. Ich beschäftigte mich interdisziplinär mit gesellschaftlichen Fragen und fand so das Thema, für das ich bis heute brenne: Nachhaltigkeit.“ Gemeinsam mit einem Kommilitonen baut Christian gerade eine Organisation für Entsorgungsinnovationen in Berlin auf. Geld und Status sind ihm nicht mehr so wichtig.
Und noch etwas hat er im Studium herausgefunden: Während er früher leidenschaftlicher Fußballer war, hat er in der Uni einfach mal Rugby ausprobiert. „Unmittelbarer kann Mannschaftsport nicht sein“, sagt er begeistert. „Auf eigene Faust durchdribbeln geht nicht. Da kommt man nur im Team nach vorne.“

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