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Deutschlands bester Online-Prof : Sendung mit der Mouse

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Was ist der Unterschied zwischen den Youtube-Videos und den MOOCs?
Die Youtube-Videos erklären eine kleine mathematische Einheit wie das Rechnen mit Vektoren oder die quadratische Ungleichung. Sie sind eine Verstehenshilfe, aber es gibt keine Prüfung darüber. Die MOOCs nehmen sich ein größeres Thema wie künstliche Intelligenz vor und sind vergleichbar mit Vorlesungen oder Seminaren, die man mit einer Prüfung abschließt.

Der Online-Kurs über künstliche Intelligenz, von dem Sie sprechen, wurde von Sebastian Thrun angeboten, Stanford-Professor und Gründer der Online-Universität Udacity. Wird so ein Abschluss – nach bestandener Prüfung – überall anerkannt?
Gerade zu diesem Kurs, dem ersten großen Stanford-Kurs, gab es an der Universität Freiburg unter Aufsicht Abschlussprüfungen. Die wurden auch an anderen Universitäten in Europa angerechnet. Aber noch mal hat es das nicht gegeben, soweit ich weiß.

Die Prüfungen wurden im Hörsaal abgehalten, ganz old school?
In dem Fall ja. Coursera hat sich allerdings ein Verfahren ausgedacht, Prüfungen zu Hause zu überwachen, per Webcam. Obendrein werden die Tastaturanschläge analysiert: ob der Rhythmus der ist, den man auch sonst hat.

Weil was passieren könnte?
Jemand anders könnte tippen.

Und ich tue nur so, vor der Webcam, als würde ich tippen, während in Wirklichkeit jemand anders für mich tippt?
Genau.

Herr Loviscach, ist das ein maliziöses Lächeln, mit dem Sie das erzählen?
Ich kann das nicht so ernst nehmen. Ich glaube, dass man die klassischen Prüfungen so nicht nachmachen sollte.

Die Kurse kosten nichts, bisher zumindest. Udacity und Coursera formulieren als Ziel: demokratische Bildung. Was sagen Sie dazu?
Ich halte diese Hoffnung für gewagt.

Warum?
Weil ich einen schnellen Internetzugang brauche; das ist schon schwierig in Afrika. Ich brauche einen halbwegs aktuellen Computer. Ich brauche die Zeit, mir das anzugucken. Ich brauche das Interesse. Ich muss Englisch können. Wenn ich irgendwo in Afrika in einem Dorf sitze und die Ernte einzubringen ist, dann werde ich nicht auf Coursera Altgriechisch lernen. Es gibt zwei Vorzeigekinder, ein Mädchen aus Pakistan und einen Jungen aus Indien, die der Öffentlichkeit immer wieder vorgeführt werden. Das Mädchen wurde kürzlich in Davos auf dem Wirtschaftsgipfel interviewt nach dem Motto: Jetzt können schon 12- oder 14-Jährige diese Kurse machen; wir erziehen die Welt, toll. Aber ich habe immer nur diese beiden gesehen.

E-Learning bietet dennoch Vorteile. Worin bestehen diese?
Die Studierenden aus meiner Truppe hier an der Fachhochschule gucken sich auf Youtube an, was eine Ableitung ist oder ein Vektor. Sie können das Video einmal oder auch 20-mal durchlaufen lassen. Dabei füllen sie das Skript aus, das sie von mir erhalten, und wir haben eine gemeinsame Basis. In der Zeit, in der ich mit ihnen zusammen bin, kann ich mit ihnen arbeiten, anstatt ihnen zu erzählen, was ich schon 20-mal erzählt habe. Das ist effizient. Wir haben uns früher vor ein Lehrbuch geklemmt und uns den Kram selbst beigebracht. Wenn es zu meiner Zeit solche Videos gegeben hätte – ich wäre nicht mehr vom Internet weg zukriegen gewesen.

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