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Finanzkapitalismus : Der Preis der Unschuld

  • -Aktualisiert am

Der Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf strebt in die Höhe Bild: Marc-Steffen Unger

Am Hamburger Institut für Sozialforschung untersucht man, wie die Finanzbranche ihre Profite rechtfertigt. Und wie sie sich von Schuld freikauft.

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          „Jump“ steht auf den Transparenten, die wütende Demonstranten in der New Yorker Wall Street emporrecken. Aus den Fenstern ihrer Bürotürme sollen sie springen, die Banker und Börsenmakler, Fondsmanager und Anlageberater. Hat ihre zügellose Gier doch eine globale Finanzkrise ausgelöst, die die Volkswirtschaften bedroht, wofür „die da unten“ nun auch noch mit ihren Steuern geradestehen müssen.

          Die Wellen der moralischen Empörung schlugen hoch, als die Lehman-Bank im September 2008 pleiteging und den Weltmarkt erzittern ließ. Kurzfristig breitete sich ein emotionaler Antikapitalismus aus, der in Organisationen wie „Occupy“ mündete. Doch anders als 1968 formierte sich keine langfristig wirksame Bewegung, die sich an Marx’ politischer Ökonomie oder anderen antikapitalistischen Vordenkern orientierte. Und das, obwohl die einstürzenden Finanzkonstrukte des Jahres 2008 doch den Kapitalismus in seiner abstraktesten und zugleich destruktivsten Gestalt zeigten und damit gut marxistisch gedacht sein wahres Gesicht enthüllten. Verglichen damit, hatte der korporativ eingebundene Industriekapitalismus der sechziger und siebziger Jahre eine vergleichsweise gemütliche Erscheinungsform.

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