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Der Klassiker mit grünem Einband: Eine Brockhaus-Ausgabe aus dem Jahr 1953, gestapelt statt fein säuberlich im Regal aufgereiht Bild: Fotofinder

Digital statt gedruckt : Das zweite Leben des Brockhaus

Jahrzehnte lang war der dicke Wälzer das Nachschlagewerk schlechthin. Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute will Brockhaus bei Schülern und Lehrkräften punkten – komplett digital. Wie das funktionieren soll.

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          Alle Welt redet vom Internet, von grenzenlosen neuen Informationsmöglichkeiten. Die Brockhaus-Redakteure nutzen es auch zur Recherche, kompetent und kritisch . . .“ Wer das Glück hat, noch einen Brockhaus aus dem Jahr 2002 im Regal zu finden, der braucht bloß den schweren, ledergebundenen Deckel aufzuschlagen, um sich schlagartig jung (oder zumindest jünger) zu fühlen. Das Vorwort geht noch weiter, es ist primär ein Loblied auf die neunte Auflage des Lexikon-Klassikers mit all seinen Vorzügen. Doch womöglich schwante manch einem Autor damals schon Böses – aufgrund der schönen neuen Internetwelt.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Grundsätzlich sei bis 2005 die Euphorie groß gewesen, „die Marke und die Enzy­klopädie noch viele Jahre weitertragen zu können“, sagt zumindest Thomas Littschwager, der heute die Geschäfte bei Brockhaus leitet. Wenig später habe die Lage dann aber anders ausgesehen: Alle Welt redete nicht mehr nur vom Internet, sondern nutzte es auch zunehmend einfach selbst zum Nachschlagen. Wikipedia hatte gesiegt, und Brockhaus musste ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Die 21. Auflage von 2005 sollte die letzte sein, 200 Jahre nach Erscheinen der ersten. Die Marke Brockhaus ging erst an Bertelsmann und 2015 dann an das schwedische Unternehmen NE Nationalencyklopedin.

          Zielgruppe: Lehrer, Schüler, perspektivisch auch Studenten. NE vermarktet traditionell die schwedische Nationenzyklopädie – und auch davon nicht mehr allzu viele gedruckte Versionen. Das kleine Buchverlagsgeschäft existiere nicht zuletzt aufgrund einer gesetzlichen Vorgabe noch. Digitale Bildungsanbieter müssten demnach auch gedrucktes Lehrmaterial bieten. Dessen Bedeutung ist in Schweden geringer als in Deutschland, gelten die Skandinavier bekanntlich als digitale Musterschüler auch im Bildungsbereich. „Mittlerweile haben in Schweden mehr als 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu den NE-Services mit den Nachschlagewerken oder digitalen Lehrmaterialien“, sagt Littschwager. Gerade das Geschäft mit Lehrmaterialien wachse stark. Littschwagers Aufgabe besteht darin, mit Brockhaus dieses Segment auch in Deutschland nach vorne zu bringen.

          Vier Bundesländer haben Landeslizenz erworben

          „Im Prinzip bieten wir zwei Service-Pakete“, sagt er. Geprüfte Inhalte in Form eines Online-Nachschlagewerks plus Selbstlernkurs seien der eine Teil. „Der Fokus des anderen Bereichs liegt – wie in Schweden – auf digitalen Lehrmaterialien für Schulen.“ Die Bedingungen sind hierzulande durch das föderale Bildungssystem mit vielen verschiedenen Lehrplänen und dem digitalen Rückstand natürlich andere. Über Landeslizenzen mit Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern hätten derzeit fast 2,7 Millionen Schülerinnen und Schüler grundsätzlich Zugriff auf Brockhaus-Produkte, zählt er auf. Ob Schulen tatsächlich mit Brockhaus-Tests, Präsentationen, Arbeitsblättern oder dem Nachschlagewerk arbeiten, steht freilich auf einem anderen Blatt.

          „Das Geld und die Bereitschaft sind da, aber das deutsche Schulsystem funktioniert eben nur bedingt so, dass Inhalte zentral eingekauft werden und alle Schulen sie benutzen“, sagt Littschwager. „Letztlich möchte im Prinzip jede Schule gerne selbst darüber entscheiden, mit welchen Materialien unterrichtet wird.“ So kann es durchaus vorkommen, dass Lehrkräfte in einem Bundesland von der Brockhaus-Landeslizenz noch nie gehört haben. Als erster Schritt seien sie dennoch wichtig, sagt Littschwager. Entsprechend laufen Verhandlungen mit anderen Ländern.

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