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Studentenvertretungen : Stecken die Asten in der Krise?

Informationen über das Innenleben der Asten sind teilweise nicht leicht zu bekommen. Bild: Kien Hoang Le

Postengeschacher, intransparente Strukturen? Zwei Journalistinnen wollen in einer Online-Umfrage herausbekommen, wie es um die Demokratie in den Studentenvertretungen steht.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          „Geringe Wahlbeteiligung, undurchsichtige Finanzen, kaum Kontrollen: Studierendenvertretungen stecken in der Krise. Woran liegt das? Und wie kann es besser werden?“ Das fragen sich die Journalistinnen Miriam Lenz und Maria-Mercedes Hering in einem Projekt für die Rechercheplattform Correctiv. Sie wollen sich einen Gesamteindruck verschaffen über studentische Demokratie in Deutschland.

          In allen Bundesländern außer Bayern gibt es gesetzlich vorgesehene Verfasste Studierendenschaften mit eigenen demokratischen Organen und einem eigenen Haushalt. Meist jährlich wählen die Studenten einer Hochschule ein Studentenparlament oder einen Studentenrat. Allerdings ist die Beteiligung an diesen Wahlen gering. Einer der Spitzenreiter ist die Universität Göttingen mit etwa 26 Prozent, doch Wahlbeteiligungen im einstelligen Bereich kommen immer wieder vor.

          Die Arbeit für die Verfasste Studierendenschaft ist oft auf wenige Schultern verteilt: Für die Ämter im „Allgemeinen Studierendenausschuss“ (AStA), der „Regierung“ der Studierenden, finden sich häufig nur wenig Interessierte. Stellen bleiben bisweilen unbesetzt.

          Studenten zahlen Pflichtbeiträge

          Verfasste Studierendenschaften finanzieren sich zu einem großen Teil aus studentischen Pflichtbeiträgen. Immer wieder haben Landesrechnungshöfe den Präsidien der Hochschulen empfohlen, ihre Studenten bei der Budgetkontrolle zu unterstützen. Der Hessische Rechnungshof findet in seinem Jahresbericht von 2018 deutliche Worte: „Die Hochschulen beaufsichtigen die Studierendenschaften mangelhaft. Ohne ausreichende Aufsicht und Kontrolle besteht eine erhöhte Gefahr von unsachgemäßer oder gar missbräuchlicher Haushaltsführung.“

          Ein ehemaliger AStA-Finanzreferent der Technischen Hochschule Mittelhessen wurde im vergangenen Jahr schuldig gesprochen, weil er knapp 75.000 Euro aus den Mitteln der Studentenschaft veruntreut hatte. Zudem täuschte er noch eine Straftat vor, indem er einen Raubüberfall auf sich selbst inszenierte. Er wurde zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

          Wie häufig Veruntreuung durch studentische Vertreter tatsächlich stattfindet, ist unbekannt. Grund dafür ist neben fehlendem Interesse von Studenten auch die mangelhafte Transparenz ihrer Vertreter.

          Wunsch nach mehr Transparenz

          Lenz und Hering beschäftigen sich seit Jahren mit Hochschulpolitik in ihrer Berichterstattung. Gemeinsam mit einem Kollegen haben sie vor zwei Jahren Ämtergeschacher im AStA der Berliner Humboldt-Universität, der dort „ReferentInnenrat“ heißt, in einer studentischen Zeitschrift aufgedeckt. Ihr Artikel wurde preisgekrönt, im „Tagesspiegel“ nachgedruckt und beschäftigt bis heute das Abgeordnetenhaus. Nun haben die Journalistinnen ihre Recherchen ausgeweitet und im Internet einen „Crowdnewsroom“ eingerichtet, in dem Studenten bis Mitte Dezember von Erfahrungen mit studentischer Demokratie berichten können (https://tinyurl.com/yxkt2khd). Dabei geht es Lenz und Hering nicht darum, eine Chronik von Missständen zusammenzustellen, um Studentenvertreter zu kritisieren. Vielmehr wollen sie Demokratie an Hochschulen fördern und dazu beitragen, dass die Mitwirkungsrechte von Studenten gestärkt werden.

          Dafür braucht es auch eine größere Transparenz: „Wir wollen erreichen, dass Verfasste Studierendenschaften ihre Arbeit stärker offenlegen. Nur so ist demokratische Kontrolle möglich.“ In den vergangenen Wochen haben sie ihr Projekt bei Veranstaltungen in Hochschulen von Heidelberg bis Göttingen vorgestellt. Diese Diskussionsrunden wurden von Studentenmedien organisiert, die Lenz und Hering unterstützen und vernetzen wollen. Denn viele wünschen sich Unterstützung bei der Berichterstattung über Hochschulpolitik.

          Die Gründe dafür sind nach Ansicht der Journalistinnen vielfältig: Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen führe zu mehr Zeitdruck, das Studium möglichst in der Regelstudienzeit zu absolvieren, und einem häufigeren Wechsel von Engagierten in der Studentenpresse. Aufgebautes Wissen ginge dann rasch wieder verloren. Gleiches könnte für die gewählten Vertreter gelten. Das sollen die kommenden Wochen und die Umfrage zeigen. Die Ergebnisse wollen Lenz und Hering im kommenden Jahr bei Correctiv veröffentlichen. 

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