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Demografie : Unternehmen auf dem Weg zur Überalterung

Ältere Arbeitnehmer: Noch sind sie vielerorts eine Seltenheit. Bild: dpa

Der demographische Wandel ist kein abstraktes Phänomen. Die Unternehmen spüren ihn schon heute - aber tun überraschend wenig dagegen.

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          Die deutsche Wirtschaft unterschätzt die Folgen des demographischen Wandels offenbar erheblich. Zwar spüren nach eigenem Bekunden schon zwei Drittel der Unternehmen die schleichende Überalterung in ihrer Belegschaft. Auch klagt mehr als die Hälfte der Unternehmen darüber, dass es ihnen an Fach- und Führungskräften mangelt. Trotzdem steuern bislang erst 33 Prozent dagegen und versuchen beispielsweise, mit einer attraktiven betrieblichen Altersvorsorge und flexiblen Arbeitszeitmodellen Mitarbeiter langfristig an sich zu binden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung Towers Watson unter den Personalverantwortlichen von 116 Unternehmen mit rund 700000 Mitarbeitern im deutschsprachigen Raum.

          Hoffen auf die Rente mit 67

          Trotz des wachsenden Leidensdrucks vertrauen nach Ansicht der Berater weiter viele Unternehmen darauf, dass die von der Politik eingeführte Rente mit 67 und eine forcierte Zuwanderung ihre Personalengpässe lösen wird. „Das wird die Lücke aber nicht schließen“, sagte Studienautor Reiner Schwinger am Donnerstag in Frankfurt. Wenn die gegenwärtige Altersstruktur der Gesellschaft erhalten werden solle, seien jedes Jahr 3,4 Millionen Zuwanderer erforderlich. Das sind mehr als zehnmal so viele wie aktuell. Schwinger rät den Unternehmen dazu, in Ländern mit einem hohen Angebot an qualifizierten Arbeitnehmern – etwa in Indonesien, Argentinien und Brasilien – aktiv nach Personal zu suchen. Dax-Konzerne seien tendenziell besser aufgestellt, von den Mittelständlern sei sich dagegen maximal 20 Prozent bewusst, wie sehr der demographische Wandel sie treffen wird.

          Die Unternehmen, die schon Maßnahmen schon geplant oder umgesetzt haben, beginnen in der Regel mit einer Analyse ihres Mitarbeiterbestands (81 Prozent). Auf Basis dieser Daten werden dann vor allem Talent-Management-Maßnahmen und Employer-Branding-Kampagnen (je 89 Prozent) durchgeführt. Das Thema Gesundheitsmanagement spielt dagegen eine nicht ganz so große Rolle; dies nannten nur 73 Prozent der Unternehmen.

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