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Reform des Medizinstudiums : Das Tückische an diesem Plan

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Fächerübergreifende Lehre braucht Fächer, sonst ist es einfach nur übergriffige Lehre. Und übergriffig werden hier in der Tat die Medizindidaktiker, die, ihren Fächern selbst meist entfremdet, nun munter die Fächer, vor allen aber sich selbst integrieren: in Kommissionen, Dekanaten, in allerlei Pfründen und im wohldotierten Dauerevaluations- und Restrukturierungsgeschäft, das der Masterplan einfordert.

Ausdünnung und Aufblähung

Wo Medizindidaktiker walten, sind Kompetenznebelkerzen nicht weit. Früher war Fachwissen gefragt, heute geht es um „Kompetenzen als kontextabhängige Leistungsdispositionen“. Weswegen übrigens auch die Lernzielkataloge „degranuliert“ werden sollen, also gröber gekörnt, mit anderen Worten: das Fachwissen ausgedünnt. Dieser Aufgabe sind die Medizindidaktiker sicher gewachsen, ganz sicherheitshalber sollen sie in der Kommission, die die Entstrüppung bewerkstelligen soll, zusammen mit den Vertretern der Politik auch die Mehrheit haben.

Schlanke Wissensbestände, fettere Betreuungsrelationen. Denn der fächerübergriffig zu organisierende Kleingruppenunterricht möglichst nah am Patienten, also an dessen Krankenbett in Gegenwart der vertikal sich integriert habenden Fachvertreter, ist personalaufwendig. Gar nicht zu reden von den organisatorischen, infrastrukturellen, räumlichen Anforderungen solcher Unterrichtsformen, gar nicht zu reden von der Begeisterung der Patienten für derlei Innovationen.

Neu auch: zwölf Wochen Wissenschaft, am Stück, zum „Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit“. Für alle. Aber „nicht zwingend ein eigenständiger Forschungsbeitrag“. Wie beruhigend, kaum einer der Profis packt so etwas alle drei Monate, so viele Themen gibt es gar nicht. Und so viele Laborräume erst recht nicht. Also wird „verfasst“, das heißt Papier beschrieben, und zwar zu Standardthemen, was sich per „cr&p“ („copy, rephrase & paste“) leicht aus den Datenbanken der vergangenen Semester hervorzaubern lässt. Aber irgendwer wird die massenhaft verfassten hypothetiko-deduktionistischen und evidenzpredigenden Gesinnungsaufsätze dennoch lesen, benoten (und dafür bezahlt werden) müssen.

Macht etwas Vernünftiges!

Die Sache wird also teuer. Die obenerwähnten Millionen errechnen sich aus allerlei Angaben, die sich in den Fußnoten der Empfehlungen der Expertenkommission verstecken, wobei die 873 Millionen als Transformationskosten ausgewiesen sind, denn man wird nicht nur neue Curricula, sondern auch neue Häuser bauen müssen. Das ist viel Geld und doch ein Judaslohn. Denn wir sollen unsere Seele verkaufen: unsere Fächer, unser Fachwissen, unsere Theorien, unsere grundgesetzlich verbürgte Lehrfreiheit, die sich der Approbationsordnung beugen soll. Und – trotz des vielen Geldes – es würde kein einziger Medizinstudienplatz neu geschaffen.

Das Beste an manchen Reformen ist der Finanzierungsvorbehalt, unter dem auch diese steht. Und so finden wir uns in einer ganz ungewohnten Allianz mir den Finanzministern der Länder, indem wir sagen: Erspart euch diese Millionen, erspart uns diese dreißig Silberlinge! Nicht dafür! Das heißt: wir nähmen sie schon gerne. Aber um etwas anderes, Vernünftigeres damit zu machen.

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