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IT-Sicherheitsexpertin Shulman : Putins Cyberkrieger haben vielleicht noch gar nicht angefangen

Eine Möglichkeit, um Hackern auf die Schliche zu kommen, ist Verkehrsanalyse. Hier leuchtet ein Netzwerk-Kabelstecker rot zu Kontrollzwecken. Bild: dpa

Haya Shulman erforscht in Frankfurt und Darmstadt, wie sich digitale Attacken verhindern lassen. Sie warnt davor, die Fähigkeiten russischer Hacker zu unterschätzen.

          3 Min.

          Russlands Fähigkeit zur modernen Kriegführung sei überschätzt worden – das ist in den ersten Wochen nach dem Überfall auf die Ukraine oft zu hören gewesen. Auch mit Blick auf Hackerangriffe stellte sich eine gewisse Erleichterung ein, weil es so schien, als erschöpften sich die Fähigkeiten von Putins Cyberkämpfern im Lahmlegen ukrainischer Regierungswebsites.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Haya Shulman hat diesen Optimismus von Anfang an nicht geteilt, wie sie sagt. Das Risiko, eine Bedrohung falsch zu bewerten, ergebe sich aus der Art, wie Hacker vorgingen, erklärt die Informatikerin. Ihre Angriffe planten sie oft lange Zeit im Voraus. Auf den anvisierten Rechnern werde Schadsoftware installiert, doch verzichteten die Täter mitunter darauf, sie sofort zu aktivieren. Bei Kontrollen seien solche Manipulationen schwer zu bemerken, weil sich die eingeschleusten Dateien als harmlose Programme tarnten. Erst wenn ihre Entwickler sie weckten, beginne das Zerstörungswerk. Es sei also denkbar, dass die Russen kritische Infrastruktur des Westens unbemerkt infiltriert hätten – und dass die Täter nur noch auf ein Signal des Kremls zum Losschlagen warteten.

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