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Geld-Gärtner : Karriere in der Finanzbranche

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Bild: Getty Images

Berater in Sachen Firmenfinanzen, im Fachjargon „Corporate Finance“ genannt, werden für Unternehmen immer wichtiger. Sie legen überschüssiges Bargeld an, jonglieren mit lang- und kurzfristigen Krediten, tarieren Soll und Haben aus, damit Rendite und Kapitalkosten im Optimum sind. Doch nicht nur der Bedarf wächst, sondern auch die Anforderungen. Vor allem Spitzenkonzerne wollen nur die Besten der Besten.

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          Gerrit Wiezoreck, der an der Maastricht University International Business studiert, ist leicht genervt. Auf dem „Finance Day“ seiner Alma Mater, der Arbeitgeber und Studenten zusammenführen soll, kann er sich vor Angeboten kaum retten. „Das ist wie mit den Leuten, die vor ihrer Disco mit Flyern werben“, sagt der 23-Jährige. Angehende Finanzexperten wie Wiezoreck sind gefragt: Laut „Staufenbiel JobTrends 2011“ meldet mehr als die Hälfte der deutschen Konzerne und Banken steigenden Personalbedarf, insbesondere suchen sie Wirtschaftswissenschaftler und Finanzfachleute, veranstalten deshalb Messen, besuchen die Universitäten und Business Schools, laden zu exklusiven Workshops, locken mit attraktiven Karrieren und hohen Einstiegsgehältern.

          Allein die Deutsche Bank stellt dieses Jahr weltweit 200 Absolventen speziell im Bereich Corporate Finance ein. Allerdings: Nur die Besten haben eine Chance auf vordere Arbeitsplätze. Corporate-Finance-Fachleute jonglieren mit Zinsen, verhandeln Kredit- und Leasingverträge, berechnen den Kapitalbedarf von Investitionen, stecken den finanziellen Rahmen von Übernahmen ab oder überprüfen Konzernzahlen. Sie arbeiten außer bei Banken auch in den Finanzmanagement-Abteilungen von Unternehmen oder in speziellen Beratungsunternehmen für Corporate Finance. Hier wird entschieden, in welche Projekte oder Geldanlagen auf welchen Märkten investiert wird. Und ob dazu etwa Schulden gemacht werden dürfen. Für diese Arbeit ist ein Master mit Schwerpunkt Finance beinahe Pflicht. Oft werden Absolventen privater Business Schools vorgezogen: Im Ranking der „Financial Times“, das vor allem bewertet, wie viel Ab­solventen bestimmter Hochschulen verdienen und wie schnell sie Karriere machen, finden sich unter den Top 30 überwiegend private oder teilweise private Business Schools. Christian Niederle, Partner beim Finanzberatungsunternehmen „Network Corporate Finance“ in Düsseldorf, kennt den Grund dafür: „Diese Schulen sind näher am Puls des Marktes.“

          Aber auch wenn angelsächsische Ausbildungsinstitutionen in den Rankings die Nase vorn haben, brauchten sich deutsche Business Schools nicht mehr zu ver­stecken, betont Thomas Friedenberger vom Staufenbiel Institut: „Die MBA-Studiengänge sind viel europäischer geworden.“ Auch mit guten universitären BWL-Ab­schlüss­en müsse man sich keine Sorgen machen: „Die Top Ten der staatlichen Hochschulen in Deutschland werden hier immer mithalten können.“

          Ob privat oder staatlich ausgebildet: Trocken hinter den Ohren sollten die Bewerber auf jeden Fall sein. „Die meisten Stellen im Finanzbereich werden an Bewerber mit Berufserfahrung vergeben“, sagt Kef van Helbergen, Bereichsleiter Personal beim Handelsriesen Metro-Group. Bankkonzern Ing-DiBa erwartet außer einem Master mit Schwerpunkt Finance auch einschlägige Erfahrungen in der Finanzdienstleistung, gerne im Ausland. Doch viel älter als 28 sollten die Interessenten dennoch nicht sein und selbstredend ein flüssiges Business-Englisch beherrschen. Dafür winken auf den drei bis vier Traineestellen im Jahr 50000-Euro-Einstiegsgehälter. Der Energiekonzern Eon fordert sehr gute Studienabschlüsse, erste Berufserfahrung in Großunternehmen, und das möglichst international.

          Aber auch die Persönlichkeit muss stimmen: „Bei Soft Skills erwarten wir Teamfähigkeit, Kommunika­tionsfähigkeit, Leistungswillen und Flexibilität“, sagt Anke Kirn, Recruiting-Chefin der Deutschen Bank. Deshalb wird auch Wert auf außeruniversitäres Enga­gement gelegt. Corporate-Finance-Berater Niederle empfiehlt daher, nicht unbedingt auf die Regelstudienzeit zu achten, sondern genug Zeit für praktische Erfahrungen einzuplanen. Auch der Mittelstand sucht dringend Leute für den Corporate-Finance-Bereich, kann sich jedoch auf Messen oder Recruiting-Events nur schwer gegen die großen Namen durchsetzen. Häufig wegen eines Missverständnisses über die finanziellen Ressourcen der Mittelständler, meint Karriereberater Friedenberger.
          Er fordert: „Das Märchen, dass mittelständische Unternehmen weniger zahlen, muss endlich ausgeräumt werden.“ Außerdem dürften schon Einsteiger dort in der Regel mehr entscheiden als etwa in einem Dax-Konzern. „Da muss man auch mal machen, statt nur zu diskutieren.“

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