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Konzertveranstalter und Corona : „Das ist kein Neustart, das ist der Tod auf Raten“

Stephan Thanscheidt in der FKP-Zentrale am Hamburger Hafen Bild: Daniel Pilar

Stephan Thanscheidt ist Geschäftsführer von FKP Scorpio und verantwortlich für riesige Festivals wie das Hurricane. Die Pandemie stellt ihn vor neue Herausforderungen. Seine Branche ist in einer dramatischen Lage.

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          Dynamische Lage ist jetzt schon mein Unwort des Jahres“, sagt Stephan Thanscheidt am Telefon. Wie wohl jeden belastet ihn die Ungewissheit, die die Corona-Pandemie mit sich bringt. Als Ko-Chef von FKP Scorpio muss er allerdings auch noch ein Unternehmen durch die Krise führen, dessen Geschäftsmodell getroffen ist wie kaum ein anderes: FKP ist mit Tourneen von kleinen und großen Musikern einer der führenden Veranstalter in Deutschland – 2019 waren es mehr als 3000 Konzerte, auch von Superstars wie Ed Sheeran oder David Guetta – und gehört obendrein zu den größten Festival-Organisatoren Europas.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          350 Mitarbeiter in 11 Ländern arbeiten für die Gruppe, an der CTS Eventim die Mehrheit hält. Während sich der Gründer und Mit-Geschäftsführer Folkert Koopmans hauptsächlich um das Tourneegeschäft kümmert, ist der 43 Jahre alte Thanscheidt für die Festivals zuständig. In dieser Rolle sitzt er im Sommer normalerweise selten am Schreibtisch, sondern ist auf Hurricane, Southside und den diversen anderen Großveranstaltungen des Unternehmens unterwegs. Das verbindet ihn mit Zehntausenden Musikfans, nur dass er nicht zum bloßen Vergnügen vor Ort ist – mal abgesehen vom seit 2016 traditionellen Auftritt mit der Mitarbeiter-Band „Hurricane Swim Team“.

          „Wenn du Festivals inhaltlich gestalten willst, musst du sie auch erleben, sonst verlierst du den Bezug zur Marke und den Besuchern“, sagt Thanscheidt. Service, Komfort oder auch das Rahmenprogramm seien heute auf einem ganz anderen Level als noch vor fünf oder zehn Jahren. Da müsse man immer dranbleiben. Um jedes kleine Problem kümmert er sich als Geschäftsführer an den Wochenenden natürlich nicht: „Meine Aufgabe ist es eher, die Fäden zusammenzuhalten und immer den Überblick zu behalten.“

          „Wir als Branche haben uns bislang immer selbst geholfen“

          Dass sein Sommer dieses Jahr womöglich völlig anders aussehen würde, ahnte er schon im Frühjahr. Doch Gewissheit hatte er da noch nicht. „Natürlich haben wir Anfang April gedacht, das könnte eng werden mit den Festivals“, erinnert sich Thanscheidt, „aber wir haben daran weitergearbeitet, da wir ohne längerfristige Ansage der Behörden gar nicht in der Lage waren, abzusagen, ohne den Versicherungsschutz zu gefährden.“ Teilweise sei die Situation von März bis Mai recht chaotisch gewesen, auch für die verschiedenen Gewerke und die Fans. Manche Konzerte wurden erst in den Juli geschoben und wenige Wochen später in den Herbst.

          Ein riesiger Aufwand für das Booking-Team und teuer obendrein: Getane Arbeit fiel ein zweites oder drittes Mal an, ohne dass Geld reinkam, und nicht zuletzt wollen die verschobenen Konzerte wieder beworben werden. „Mittlerweile sind 90 bis 95 Prozent der Shows, die noch vor Weihnachten hätten stattfinden sollen, auf 2021 verlegt“, so Thanscheidt. Während FKP in Sachen Versicherungsabwicklung durch den sturmbedingten Abbruch des Southside-Festivals 2016 schon unfreiwillig Erfahrungen sammeln konnte, waren neben der schieren Masse an Dingen auch ganz neue Themen zu bewältigen – und das in elf Ländern.

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