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Online lernen : Warum die Präsenzlehre nicht verschwinden darf

  • -Aktualisiert am

An einen vollen Hörsaal ist momentan nicht zu denken. Bild: dpa

Im Seminar gelten andere Regeln als vor dem Monitor. Die digitale Lehre darf nicht zur Selbstverständlichkeit werden, denn das würde mittelfristig die offene Kommunikation und die akademische Freiheit gefährden. Ein Gastbeitrag.

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          In den letzten Jahren sorgten verschiedene Universitäten für Schlagzeilen, weil sie das Tragen von Gesichtsschleiern in Seminaren untersagten. Die „Mindestvoraussetzungen“ für „offene Kommunikation“ in der Lehre seien durch diese Kleidungsstücke nicht gewährleistet, so die bevorzugte Argumentation. Diese Einschätzung war und ist juristisch zwar umstritten, fand aber an Universitäten wie in der Öffentlichkeit viel Zustimmung.

          Angesichts der durch die Corona-Pandemie notwendig gewordenen Umstellung der universitären Lehre auf digitale Formate gewinnt die Debatte um die Vollverschleierung im Seminar und auf dem Campus indirekt neue Aktualität, denn nolens volens findet dieser Tage etwas statt, was als digitale Vollverschleierung begriffen werden kann: weitgehend fehlende gestische und mimische Resonanz auf die Äußerungen der Lehrenden sowie die latente Unsicherheit, ob hinter der Äußerung, die eben online getätigt wurde, überhaupt dasselbe Individuum steht, das sich unter diesem Namen in der letzten Woche geäußert hat – der Teilnehmername als Maske, als persona im ursprünglichen Sinne.

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