https://www.faz.net/-gyl-a3jws

Folgen von Corona : Neue Risiken für den Ingenieurberuf

Ingenieure wurden lange gesucht, jetzt steigt die Arbeitslosigkeit in der Branche. Bild: dpa

In den Ingenieurberufen wurde lange Nachwuchs gesucht. Doch Corona hat die krisenfeste Profession ins Wanken gebracht, weil typische Ingenieursbranchen unter Druck stehen.

          2 Min.

          Der Ingenieurberuf galt bislang als ziemlich krisenfest. Jahrelang war von Nachwuchsmangel die Rede, besonders mit Blick auf die demographische Entwicklung und eine gewisse Unlust der jungen Generation an technischen Fächern. Doch schon vor Corona hatte sich das Mangelproblem mehr oder weniger erledigt, unter anderem weil die Absolventenzahlen in den Ingenieurwissenschaften gewachsen waren.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Aktuell sieht es für sie mit Blick auf die Perspektiven auf einmal gar nicht mehr so rosig aus. Im Zuge der schwachen Konjunktur sei die Zahl der arbeitslosen Ingenieure schon 2019 gegenüber 2018 leicht gestiegen – um 3,6 Prozent, berichtet Claudia Suttner, die in der Statistikabteilung der Arbeitsagentur für das Thema zuständig ist. „Die Corona-Pandemie und die wirtschaftlichen Beschränkungen in der Folge setzen die Branchen, die mit der schwächelnden Konjunktur und zum Teil Strukturwandel zu kämpfen haben, noch einmal deutlich unter Druck.“

          Das seien aber „häufig auch die Branchen, in denen Ingenieure ihre Beschäftigung finden“. Entsprechend deutlich habe es das technische Ingenieurwesen coronabedingt getroffen: Die Arbeitslosigkeit hat von Juni 2019 auf Juni 2020 um 50 Prozent zugenommen, also um 6600 Personen, die Nachfrage ist um gut 40 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum, berichtet die Statistikerin.

          Einschnitte vor allem für Maschinenbauer und Elektroingenieure

          Sorgen bereitet das auch dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Ingo Rauhut, Geschäftsführer des Fachbeirats „Beruf und Arbeitsmarkt“ im VDI, bezeichnete die Corona-Pandemie gegenüber der F.A.Z. als „exogenen Schock“, von dem alle Ingenieurberufe und alle Regionen Deutschlands betroffen seien. Die Effekte bei Bauingenieuren fielen aufgrund der noch sehr hohen Bautätigkeit moderat aus. Ähnliches gelte für Informatik-Ingenieure aufgrund des aus der Corona-Krise resultierenden Digitalisierungsschubs. Maschinen- und Fahrzeugbauer sowie Elektroingenieure hätten dagegen Einschnitte erfahren, vor allem „durch den kapitalen Auftragsrückgang in der Industrie“.

          Eine Aussage zur Gehaltsentwicklung in der aktuellen Situation zu treffen, traut sich der VDI nicht zu. Die Analysen der Gehaltsvergleichs-Plattform Gehalt.de deuten allerdings darauf hin, dass 2020 sogar ein Anstieg der Ingenieurgehälter zu verzeichnen ist. Das Jahresbruttogehalt eines Ingenieurs beträgt demnach in diesem Jahr im Durchschnitt 67.156 Euro – nach 65.987 Euro im Vorjahr. Seit 2011 kennen die Ingenieurgehälter den Angaben von Gehalt.de zufolge nur einen Trend: aufwärts. Am besten verdienen Ingenieure regional betrachtet in Frankfurt, Stuttgart, München und Erlangen, wo die Bruttojahresgehälter im Schnitt zuletzt bei mehr als 90.000 Euro lagen.

          Der VDI sieht in der aktuellen Krise neben vielen negativen Facetten auch eine Chance: Der Strukturwandel beschleunige die digitale Transformation enorm, wovon der Berufsstand auch profitieren könne, sagte Rauhut. Dies biete Ingenieuren die Chance, „Zukunft aktiv mitzugestalten“. Die Arbeitsagentur konstatiert allerdings, dass sich die weitere Arbeitsmarktentwicklung nicht vorhersagen lasse. „Einerseits gibt es deutlich positive Signale“, sagte Claudia Suttner und nannte die zuletzt wieder steigende Nachfrage nach Arbeitskräften und rückläufige Kurzarbeiterzahlen. Andererseits blieben Risiken: „Wie entwickelt sich die Zahl der Infizierten oder die Weltkonjunktur? Und kommt im Herbst, nach Auslaufen der Sonderregelungen, eine Insolvenzwelle?“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, spricht mit Journalisten.

          CDU-Parteitag : Merz: „Verlegung hat mit Corona wenig zu tun“

          Die Vermutung, dass „andere Erwägungen“ hinter der Absage des Parteitags stecken, liegt für Friedrich Merz auf der Hand. Auf die Frage, ob er nicht selbst zum Establishment der CDU gehöre, gab er am Abend eine eindeutige Antwort.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.