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Corona-Krise im Medizinstudium : „Die Studierenden brauchen endlich Planungssicherheit“

Medizinstudenten sind von der Corona-Krise auf besondere Weise betroffen. Bild: dpa

Noch immer bangen Hunderte Medizinstudenten, ob sie in zwei Wochen ihr zweites Staatsexamen ablegen können. Auch eine neue Verordnung von Jens Spahn hat keine Einheitlichkeit geschaffen. Interview mit einem Studentenvertreter.

          5 Min.

          Herr Gavrysh, gestern ist die „Verordnung zur Abweichung von der Approbationsordnung für Ärzte bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ von Jens Spahn unterzeichnet worden. Die Bundesvertretung für Medizinstudierende in Deutschland (bvmd) kritisiert diese Verordnung, die Einfluss auf den Zeitplan der Staatsexamina nimmt, scharf. Was sind Ihre Hauptkritikpunkte?

          Uwe Ebbinghaus
          Redakteur im Feuilleton.

          Martin Jonathan Gavrysh: Zunächst erkennen wir an, dass bei dieser Verordnung die Stimme der Medizinstudenten zumindest gehört und einige Vorschläge berücksichtigt wurden. Leider wurde auf unsere Hauptkritik nicht eingegangen. Man muss sich grundsätzlich vergegenwärtigen: Nachdem Medizinstudierende fünf Jahre lang ihre Ausbildung absolviert haben, schreiben sie das zweite Staatsexamen (M2), eine Prüfung mit 320 Fragen, aufgeteilt auf drei Tage, an denen man jeweils vier Stunden Zeit hat. Dafür bereiten sich die Studierenden in der Regel über drei Monate lang vor, man spricht hier vom „100-Tage-Lernplan“. Mit einem Abstand von etwa einem Monat gehen sie dann in das Praktische Jahr (PJ). Anschließend folgt das dritte Staatsexamen (M3), eine mündliche praktische Prüfung am Krankenbett. In diesem praktischen Jahr sind die Studierenden vollständig in die Stationsabläufe eingebunden.

          Nun zu unserer Kritik: Wir als Studierende denken, dass es vor allem wichtig ist, eine bundeseinheitliche und rechtssichere Lösung für das M2 zu finden. Planungssicherheit ist für die mehr als 4600 Studierenden ein großes Anliegen. Die aktuelle Verordnung sieht außerdem vor, das sogenannte „Hammerexamen“ wieder einzuführen, das aus guten Gründen abgeschafft wurde. Hammerexamen heißt: Die Studierenden gehen, statt das M2 abzulegen, direkt ins Praktische Jahr. Anschließend sollen sie dann sowohl die M2-Prüfung ablegen als auch, danach, das M3. Doch nicht einmal diese Vorgabe soll nach der Verordnung bundeseinheitlich umgesetzt werden. Einzelne Bundesländer können sich entscheiden, das M2 trotzdem durchzuführen, und einige Bundesländer wie Hamburg oder Thüringen haben das ja auch schon getan. Es bleibt bei den Studierenden eine große Planungsunsicherheit, nicht nur wegen der Prüfungsvorbereitungen, sondern auch bei der Planung des Praktischen Jahres.

          Wann würde das M2 normalerweise stattfinden?

          Schon in zwei Wochen – ab dem 15.04.2020.

          Das heißt, Studierende müssen auf jeden Fall in ihrem Lernplan bleiben, weil ihre Hochschule das zweite Staatsexamen eventuell nicht verschiebt?

          Martin Jonathan Gavrysh
          Martin Jonathan Gavrysh : Bild: privat

          Ja, und das ist das Gemeine. Die Länder entscheiden in Abstimmung mit den Landesprüfungsämtern, ob sie es für vertretbar halten, das M2 durchzuführen. Grundsätzlich wünschen sich viele Studierenden jetzt zu schreiben, sind aber auch schon seit mehreren Wochen mit einer großen Ungewissheit konfrontiert. Wir sind auch nur Menschen. In der ohnehin schon belastenden Situation – viele Studierende vor dem M2 sind Mitte zwanzig und haben zum Teil schon Kinder – wird noch mehr Druck und Belastung aufgebaut.

          Und wenn sich ein Bundesland für die Verschiebung des zweiten Examens auf die Zeit nach dem Praktischen Jahr entscheidet, müssten sich die Studenten den Stoff abermals aneignen.

          Genau, und da viele Fakultäten den Studierenden ermöglichen wollen, diese sogenannten 100-Tage-Lernpläne ohne andere Veranstaltungen durchzuführen, würde das Praktische Jahr gekürzt.

          Die einheitliche Regelung, die sie fordern, kann angesichts der neuen Verordnung und weil Baden-Württemberg das M2 verschoben hat, aber eigentlich nur noch in einer Verschiebung bestehen, oder?

          Wir hatten im Vorfeld vorgeschlagen, das M2 entweder durchzuführen oder aber ausfallen zu lassen und dafür kumulierte Studienleistungen, beispielsweise aus dem klinischen Abschnitt zugrunde zu legen, als Äquivalent zum M2 analog zu dem M1 in vielen Modellstudiengängen zum Beispiel in Berlin und Hamburg.

          Gab es im Medizinstudium der letzten Jahrzehnte eine vergleichbare Lösung?

          Nein, es gab in den letzten Jahrzehnten aber auch keine Pandemie wie die mit Covid-19 und keine vergleichbar prekäre Versorgungssituation. Es hatten sich übrigens auch schon einige Fakultäten dafür ausgesprochen, dass die kumulierte Studienleistung als Äquivalent zum M2 bei ihnen denkbar und möglich ist.

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