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Das Jahr 2021 : Ab zum Betriebsarzt

Auch Betriebe bekamen 2021 Impfzentren: Wartezimmer bei Porsche Bild: dpa

2021 war das Jahr des Impfens – auch in den Unternehmen. Sie spielen im Kampf gegen Corona eine zentrale Rolle. Die Dimensionen sind zum Teil gewaltig.

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          Im Unternehmen erreiche er Menschen, die privat eher selten zum Hausarzt gingen, sagt Christoph Oberlinner. Meist Männer, zwischen 30 und 60 Jahre alt, die sich sonst um Vorsorgeuntersuchungen drückten. Wenn der Arbeitgeber aber zur „arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung“ bitte, seien auch sie dabei. Der Arbeitgeber, das ist im Fall des Arbeitsmediziners Oberlinner BASF. Seit 2004 steht der 47 Jahre alte Pfälzer in Diensten des Chemiekonzerns. Als Chief Medical Officer führt er ein Team von 150 Leuten, darunter 24 Ärztinnen und Ärzte. Damit verfüge BASF über einen der größten arbeitsmedizinischen Dienste in der deutschen Industrie – und ist damit ein Symbol für die Rolle der Betriebsärzte in der Pandemie.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Etwa 2,5 Millionen Impfdosen haben diese laut Robert-Koch-Institut bislang verabreicht. Und weil viele von ihnen auch als Kassenärzte arbeiten, sind es vermutlich noch mehr. Ihre Rolle wird beim Boostern, der dritten Impfung, sicher nicht unbedeutender werden, wie der Verband der Betriebs- und Werksärzte (VDBW) vermutet. Auch hier stünden die Kolleginnen und Kollegen bereit. Dass die Nachfrage hoch sein werde, sei absehbar, zumal viele Impfzentren geschlossen und Hausärzte überlastet seien. Warum also nicht ausnutzen, dass die rund 12 000 Betriebsärzte einen direkten Zugang zu 45 Millionen Beschäftigten haben? Was die Priorisierung betrifft, werden sich die Betriebsärzte an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) halten.

          In Ludwigshafen, auf dem größten zusammenhängenden Chemieareal der Welt, kümmert sich Oberlinners Team um fast 40 000 Beschäftigte. Hinzu kommen rund 8000 Angestellte von Fremdfirmen. „Kontraktoren“, wie sie genannt werden, die ebenfalls auf dem Gelände arbeiten. Auch sie werden bei Bedarf akut von BASF versorgt. Der größte Chemiekonzern der Welt hat die Gesundheit seiner Angestellten schon lange im Blick. Seit mehr als 150 Jahren beschäftigt das Unternehmen Betriebsärzte. Heute sorgen der Fachkräftemangel und die immer älter werdende Belegschaft dafür, dass sich der Konzern schon aus Eigennutz um seine Beschäftigten kümmert. Die Verteilungsspielräume in der gut verdienenden Industrie sind nach wie vor da, die Standards entsprechend hoch.

          Ein sechsstöckiges Gebäude für einen zweistelligen Millionenbetrag

          Vor fünf Jahren hat BASF in der Nähe des Werks das „LuMit“ eröffnet – ein „Mitarbeiterzentrum für Work-Life-Management“. Dort finden die Beschäftigten nicht nur eine Kindertagesstätte und Fitnessräume. Wer will, bekommt auch Beratung: zur Pflege der Angehörigen, zu Suchtfragen, Ehekrisen, finanziellen Schwierigkeiten. Im nächsten Jahr soll der Rohbau für das neue Medical Center des Konzerns stehen. Das sechsgeschossige Gebäude samt Rettungswache lässt sich BASF einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten. Das neue Behandlungszentrum soll das in die Jahre gekommene alte Ambulanzgebäude ersetzen.

          Schon vor Ausbruch von Corona hatte der medizinische Dienst gut zu tun. Zur arbeitsmedizinischen Vorsorge kommt laut Oberlinner eine rund um die Uhr besetzte Akutversorgung, dazu ein eigener Rettungsdienst und das weite Feld der Gesundheitsförderungen. Wenn die Fa­briken voll sind, in Vor-Corona-Zeiten also, stünden jährlich etwa 33 000 Akutversorgungen an. „Von Wespenstichen und Kopfschmerzen bis zu ernsten Unfällen.“ Wie jeder Arzt seien auch die Betriebsärzte zur Verschwiegenheit verpflichtet. Das Vertrauen sei deshalb groß. „Der medizinische Dienst gehört schließlich schon lange zur Unternehmenskultur.“

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