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Consulting : Beratung, die von innen kommt

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.-Tresckow

Dienstleister und Kaderschmiede zugleich: Interne Berater sind zu einer ernsthaften Konkurrenz für etablierte Consulting-Unternehmen geworden. Dabei bieten sie vor allem für Berufseinsteiger gute Perspektiven - und kürzere Arbeitszeiten.

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          Der Jargon ist derselbe: Man beschäftigt sich mit Strategie, Benchmarking, Restrukturierung, Prozeßoptimierung und Innovation. Auch die Anforderungen an Mitarbeiter sind gleich: internationale Erfahrung, möglichst ein MBA- oder Doktortitel, vielleicht noch zwei Jahre Berufspraxis in der Beratung oder Industrie.

          Dennoch unterscheiden sich die internen Unternehmensberatungen, wie sie sich viele große Konzerne wie die Lufthansa, die Deutsche Post oder Siemens leisten, von klassischen Unternehmensberatungen. Und sie machen diesen zunehmend das Leben schwer.

          Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts kam es zu einer großen Zahl von Neugründungen in den Konzernen. Siemens verfügt seit 1996 über ein Inhouse-Consulting, die Deutsche Post seit 1999. Bei der Lufthansa besteht die Beratungseinheit sogar schon seit 1988. Zu dieser Zeit legten die Strategieberatungen den Fokus ihrer Arbeit noch auf Analyse und Entwickeln von Konzepten - deren Umsetzung überließen sie ihren Kunden. Schließlich merkten diese, daß sie den Analyseteil auch selbst übernehmen konnten und gründeten interne Beratungseinheiten.

          Die Vorteile der internen Berater gegenüber den externen liegen auf der Hand. Zunächst einmal sind sie deutlich billiger - viele der internen Beratungen wurden schließlich überhaupt gegründet, um die hohen Tagessätze der Unternehmensberatungen zu sparen. Sie nehmen auch die bei Projekten gewonnenen Erfahrungen nicht mit in andere Unternehmen. Im Gegenteil. Projekterfolge in einem Geschäftsbereich können auch in anderen Einheiten desselben Unternehmens genutzt werden. Zudem, und das kann zugleich auch ein entscheidender Nachteil sein, kennen die internen Berater das eigene Unternehmen viel besser als ein Berater von BCG, Berger oder Booz Allen.

          Ernsthafte Konkurrenz

          „Wir kennen die Unternehmensstruktur, die Firmenkultur und auch die informellen Beziehungen in der Hierarchie besser als jemand von außen. Das erhöht die Effizienz unserer Beratung“, sagt Thorsten Roggenbuck, Projektleiter bei der Beratungsgesellschaft der Deutschen Post World Net, der DPWN Business Consulting. Nicht niedergeschriebene Spielregeln, nirgendwo dokumentierte Abstimmungswege - das alles kennt der Inhouse-Consultant, im Gegensatz zu seinem Kollegen in der Strategieberatung. Aber: „Gerade der Blick von außen ist ein wesentlicher Vorzug der externen Berater“, weist der Bonner Wirtschaftsprofessor Dietmar Fink von der Deutschen Gesellschaft für Managementforschung auf die Kehrseite dieser Medaille hin.

          Allein dafür, daß sie zum Konzern gehören, wird den Inhouse-Consultants nichts geschenkt. Die firmeneigenen Berater müssen sich immer häufiger beim Ringen um Beratungsprojekte gegen externe Konkurrenten durchsetzen, so etwa bei Siemens und der Deutschen Post. „Unsere Kunden im Konzern sind frei in der Wahl des Beraters, es gibt keinen Kontrahierungszwang“, sagt Roggenbuck von DPWN Business Consulting. „Da dieser Wettbewerb aber häufig über den Preis läuft, haben die internen Berater hier meist gute Karten“, ergänzt Branchenexperte Fink.

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