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Neue Wege in der Pharmabranche : Computergestützte Forschung

  • -Aktualisiert am

Flexibilität und kulturelle Offenheit

Neben IT-Kenntnissen spielen auch Fremdsprachen eine zunehmend wichtige Rolle: Unternehmen in der Pharmabranche arbeiten viel internationaler als noch vor einigen Jahren. Aus strategischen Gründen kooperieren viele Firmen mit Partnern im Ausland. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an Absolventen. Englischkenntnisse waren zwar schon immer wichtig, allerdings müssen sie heute ein anderes Niveau haben als früher. Bei der Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen müssen junge Wissenschaftler kommunikations- und präsentationssicher sein. Die Merck-Gruppe hat beispielsweise eine strategische Allianz mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer Corporation zur gemeinsamen Produktentwicklung und -vermarktung gebildet. Neben Sprachkompetenz müssten Bewerber ein hohes Maß an Flexibilität und kultureller Offenheit mitbringen, sagt Peer-Elger Schotmann, Verantwortlicher für Recruiting bei Merck. Internationale Erfahrung ist deshalb wichtiger denn je. Merck erwartet von seinen Nachwuchskräften Auslandserfahrung, gerade von den Absolventen, die sich für die internationalen Trainee-Programme interessieren.

Ähnlich sieht es bei Fresenius Kabi in Bad Homburg aus. Auch dieses Pharmaunternehmen ist weltweit tätig: In der Infusionstherapie und in der künstlichen Ernährung ist Fresenius Kabi Marktführer in Europa. Und in den USA zählt der Konzern zu den führenden Herstellern intravenös verabreichter generischer Arzneimittel. „Internationale Zusammenarbeit gehört bei uns mittlerweile zum Alltagsgeschäft“, bestätigt Ulrike Plesse, Personalverantwortliche von Fresenius Kabi in Deutschland. Deshalb ist auch Auslandserfahrung durch Studiensemester oder Praktika in einem anderen Land von Vorteil. Eine weitere Fremdsprache neben Englisch ist bei den meisten Unternehmen in der Pharmabranche zwar wünschenswert, bei einer Bewerbung aber nicht ausschlaggebend.

Bedeutung von Kooperationen wächst weiter

Außerdem erwarten Arbeitgeber heute, dass Mitarbeiter in wechselnden Teams zusammenarbeiten können. Denn: Die größten Fortschritte entstehen laut Experten in den sogenannten Grenzbereichen. Also dort, wo Wissenschaftler auf die Zuarbeit von Experten aus anderen naturwissenschaftlichen Gebieten angewiesen sind. „Früher arbeiteten Wissenschaftler vorwiegend mit Experten aus ihrem eigenen Forschungsgebiet zusammen“, sagt Siegfried Throm, Geschäftsführer im Bereich Forschung im Verband forschender Pharmaunternehmen (VFA). „Heute ist das anders.“ Ein junger Biologe müsse beispielsweise mit Medizinern oder Ingenieuren zusammenarbeiten können. „Ergebnisse hängen heute nicht mehr nur von den eigenen Forschungsbereichen ab“, sagt Throm.

Kommunikation und Teamfähigkeit seien für Pharmaunternehmen deshalb wichtiger denn je, bestätigt auch Personaler Mathias Herda von Bayer Vital. Bewerber müssen bereit sein, mit Experten anderer Fachrichtungen intensiv zusammenzuarbeiten. „Nachwuchskräfte sollten dafür verstärkt vernetzt sein, um das Kerngeschäft mitsamt dessen Wertschöpfungsprozessen grundlegend weiterzuentwickeln“, sagt Herda. „Damit das möglich ist, müssen Bewerber eine ausgeprägte emotionale Intelligenz mitbringen.“

Für Studenten ist es von Vorteil, schon während des Studiums ein berufliches Netzwerk aufzubauen. Seriöse Profile bei Linkedin oder Xing können dabei helfen. Aber auch Jobmessen und branchenbezogene Events und Infoveranstaltungen helfen schon früh dabei, gut in der Branche vernetzt zu sein. Auch Sophia Schade hat sich schon während ihres Studiums bei Karriereportalen im Internet registriert und erste Kontakte in die Pharmabranche geknüpft. Virtuelle Kontakte sind für ihren Beruf ebenso wichtig wie virtuelle Patienten.

Wachstumsbranche Pharmazie

Mit einem Umsatz von 38,9 Milliarden Euro im Jahr 2015 und rund 114.000 Mitarbeitern ist die Pharmaindustrie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in Deutschland. Die Arzneimittelhersteller sind über ganz Deutschland verteilt. Es gibt jedoch vor allem wirtschafts- und forschungsstarke Standorte in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, aber auch in Berlin und Niedersachsen. Die Beschäftigtenzahl steigt seit dem Jahr 2010 stetig. Der Beschäftigtenanteil in Forschung und Entwicklung liegt mit 20 Prozent über dem Durchschnitt der Spitzentechnologiesektoren. Im Jahr 2015 investierten Pharmahersteller in Deutschland 11,9 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Damit liegen Pharmahersteller auf Platz zwei aller Branchen. Etwa jeder sechste Pharmamitarbeiter forschte oder entwickelte neue Präparate – was rund 18.800 Personen entspricht. Im Durchschnitt benötigt ein Medikament von der Entwicklung bis zur Zulassung für den deutschen Arzneimittelmarkt 13,5 Jahre.

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