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Lernen in der Oberstufe : Das Zentralabitur ist nicht alles

Ob die Aufgaben nun aus dem Pool kommen oder nicht: Die Abi-Prüfungen sind immer etwas besonders. Bild: dpa

Für den Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz stellen einheitliche Abi-Aufgaben den „Endzustand“ einer notwendigen Entwicklung dar. Aber was halten eigentlich die Schüler davon?

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          Mit ihrer Forderung hat die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) einmal mehr eine Debatte über das föderale Bildungssystem angefacht: „Wir brauchen in Deutschland innerhalb von fünf bis zehn Jahren ein zentrales Abitur“.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Reaktionen ließen nicht lang auf sich warten: Eisenmanns Parteifreundin und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte, die Vorstellungen gingen „in die richtige Richtung“, und auch FDP-Chef Christian Lindner konnte sich für die Idee begeistern.

          Das wiederum nahm CSU-Generalsekretär Markus Blume zum Anlass, auf nicht besonders subtile Art den hohen Stellenwert des bayrischen Abiturs zu betonen. Dass Lindner ein Zentralabitur fordere, sei verständlich, schließlich habe er selbst ja NRW-Abitur. Mit der CSU sei ein Zentralabitur jedenfalls nicht zu machen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich dagegen 80 Prozent der Befragten für deutschlandweit einheitliche Abiturprüfungen aus.

          Der Blick aufs aktuelle System zeigt: Zumindest einen gemeinsamen Aufgabenpool gibt es schon. Dessen Benutzung ist allerdings freiwillig, und was die Prüfungen selbst angeht, existiert ein bunter Flickenteppich. Es beginnt schon bei der Anzahl der geforderten Prüfungen und endet längst nicht bei der Liste der erlaubten Hilfsmittel. Auch die Aufgabenstellungen sind je nach Bundesland bisweilen grundverschieden.

          Unschöne Folgen für angehende Studenten

          Letztlich machen die Abiturprüfungen ohnehin nur gut ein Drittel der Abschlussnote aus, der Rest ergibt sich aus den Leistungen in der Oberstufe – und wie viele Kurse daraus fürs Abiturzeugnis angerechnet werden, ist ebenfalls nicht einheitlich geregelt. Für angehende Studenten ergibt sich daraus vor allem ein Problem: Am Ende entscheidet oft der Notenschnitt, ob man einen begehrten Studienplatz erhält, und niemand fragt, wie kompliziert nun das Abi in Bayern oder Berlin war.

          Das hat unschöne Folgen für die Bewerber: „Wir haben in Ländern mit hohem Niveau oft schlechtere Durchschnittsnoten“, sagt der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt. Diese Schieflage werde durch regionale Besonderheiten wie das Einbringen zusätzlicher Qualifikationen oder das Streichen von schlechten Ergebnissen noch verstärkt.

          Ein Zentralabitur stellt für Alt nur einen „Endzustand“ dar. „Zunächst müssen sich die Länder zusammenraufen und die vielen Sonderregelungen kritisch auf den Prüfstand stellen“, sagt Alt. Dass bei der Uni-Bewerbung vermehrt Eignungstests, wie etwa beim Medizinstudium, eingeführt werden könnten, hält er aufgrund der schieren Anzahl der Bewerber für kaum organisierbar. „Die Abiturnote wird in den meisten Fächern das wesentliche Kriterium bleiben“, so Alt.

          „Wir müssen die Rahmenlehrpläne anpassen“

          Usamah Hammoud, der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, in der 13 der 16 Landesschülervertretungen organisiert sind, hat damit kein Problem. Von einheitlichen Abituraufgaben hält er dagegen gar nichts. Schon der Ansatz sei grundsätzlich falsch. „Das Ziel muss vielmehr sein, gleichwertige Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt Hammoud.

          So sei es nicht vertretbar, dass derzeit etwa im Englischabitur manche Schüler ein zweisprachiges Wörterbuch benutzen dürften, wohingegen anderswo nur ein einsprachiges erlaubt sei. Dringlicher ist für ihn aber, nicht bloß über die Abiturprüfungen zu diskutieren: „Wir müssen die Rahmenlehrpläne und die gesamte Umgebung in der Oberstufe anpassen“, fordert Hammoud. Auch das dürfte aber einige Jahre dauern.

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