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Zauberer : Die große Illusion

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Bild: © fotolia.com

Ein paar hundert Menschen versuchen in Deutschland ihr berufliches Glück als Zauberer. Nur die besten finden nach harter Lehre ein gutes Auskommen.

          5 Min.

          David Copperfield steht auf der Liste der bestbezahlten Unterhaltungskünstler auf Rang 13. Er ist der Superstar unter den Zauberern mit einem Jahresumsatz von rund 100 Millionen Dollar. Auch für andere Zauberer in den Vereinigten Staaten sind Tagessätze von 5000 bis 10 000 Dollar für Vorführungen auf Messen keine Seltenheit.

          In Deutschland können Zauberer von diesen Gagen nur träumen. Noch immer haben sie das Image von Ulkvögeln. Doch die Zauberszene in Deutschland verfügt über ein gutes Netzwerk - es gibt einen Dachverband, Zauberkongresse, Meisterschaften und Zeitschriften - und ein paar hundert Zauberkünstler leben von ihren Tricks und Illusionen.

          Neun professionelle Zauberer haben sich zusammen mit zwei Semiprofis zusammengeschlossen und sind seit 1994 "Die Fertigen Finger". Seitdem haben einzelne Teammitglieder, die alle auch noch Einzelprojekte durchführen, sechs internationale Preise bei Weltmeisterschaften der Zauberkunst gewonnen, sie hatten Auftritte in Australien und Amerika, sind unter anderen in Las Vegas, dem Mekka der Zauberei, aufgetreten, hatten eine monatliche Kolumne in der weltweit auflagenstärksten Fachzeitschrift "Magic" und haben ein zumindest in Zauberkreisen vielbeachtetes Buch geschrieben.

          Der Kartentrick als Einstiegsdroge

          Der Münchener Zauberer Thomas Fraps ist der Organisator der Truppe. Das Erlebnis, das ihn zur Zauberei führte, war ein Kartentrick seines Vaters. „Ich dachte, mein Vater ist so cool wie Terence Hill.“ Es folgten der erste Zauberkasten und Bücher. Mit 17 Jahren bekam der heute 39 Jahre alte Zauberkünstler Kontakt zum Magischen Zirkel, dem 1912 gegründeten Dachverband der Zauberkünstler in Europa mit rund 2700 Mitgliedern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dessen alle drei Jahre stattfindenden Deutschen Meisterschaften sind ein Sprungbrett zum Profitum.

          Fraps besuchte den Ortszirkel in München, nahm an Seminaren und Kongressen teil und stieß so immer weiter in die Zauberszene vor, die, so sein Kollege Gaston alias Reinhold Florian, ein bisschen wie die Mafia ist. „Die sind erst einmal freundlich reserviert, dann zeigt man einen Trick, und es öffnet sich eine Tür. So geht es immer weiter, immer mehr Türen gehen auf.“

          Während seines Physik-Studiums hatte Fraps die ersten Auftritte als Zauberer. „Nach meinem Studium wollte ich nur ein Jahr zaubern, aber es hat sich bislang immer um ein Jahr verlängert.“ Die Arbeit als Zauberprofi beschreibt Fraps als Dienstleistungszauberei. In Deutschland gebe es einen Markt für Zauberer, gerade in den vergangenen zehn Jahren habe sich eine Theaterzauberszene mit zahlreichen Hinterhoftheatern, Kabaretts und Varietés in Deutschland entwickelt. Doch sei es notwendig, neben Theaterprojekten, die man als selbstfinanzierte Werbung verstehen müsse, auch für Firmenveranstaltungen gebucht zu werden, um ein Auskommen zu haben.

          Firmenfeiern, Geburtstage - des Zauberers Alltag

          Vorstellungen bei Firmen, aber auch Auftritte bei Geburtstagen - das ist der Zauberalltag. Ein Alltag, der harte Arbeit ist. Das, was auf der Bühne einfach aussehen soll, muss mühsam einstudiert werden. Bis zu drei Jahre braucht Fraps für einen Trick. Bei dem Fertigen Finger Nicolai Friedrich, der schon als kleiner Junge für Nachbarn zauberte, sein ganzes Taschengeld in Zaubertricks steckte und mit 23 Jahren die Fernsehrechte eines Tricks an David Copperfield verkaufte, können es bis zu fünf Jahre werden. Und das ist noch längst nicht alles. Um die Momente des Unvorstellbaren zu schaffen und die Welt auf den Kopf zu stellen, bedarf es weit mehr.

          Zwar gibt es keine Grundvoraussetzungen, um Zauberprofi zu werden. Ganz im Gegenteil: „Je nachdem, welche Voraussetzungen man hat, wird man ein solcher oder solcher Zauberer“, sagt der Jüngste der Fertigen Finger, Pit Hartling. Aber ein Zauberer muss Entertainer mit Präsenz, Humor und Körpergefühl sein. Er muss kommunizieren können, er muss wissen, wie er sich elegant bewegt, und er muss zumindest ein psychologisches Grundverständnis haben. Wissenschaft, Handwerk und Kunst kommen in der Zauberkunst zusammen.

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