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Wirtschaft studieren : Ausgerechnet in Athen?

  • -Aktualisiert am

Treffpunkt Hochschule: Alexis Tsipras redet vor der Universität Athen nach seinem Wahlsieg. Bild: Polaris/laif

Die Schuldenkrise in Griechenland hat das Verhältnis zu Deutschland stark belastet. Gibt man sich als Austauschstudent also besser als Österreicher aus? Junge Deutsche berichten von ihren Erfahrungen.

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          So eine Begrüßung in der neuen Stadt, in einem fremden, sehr aufgewühlten Land könnte auch reservierter ausfallen. Aber Johanna Kreiser bekam so ziemlich das Charmanteste zu hören, was einer deutschen Studentin in Athen möglich scheint. Ein älterer Grieche, Mitfahrer in der Straßenbahn, habe sie kurz nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt nicht mit einer der klassischen Nettigkeiten begrüßt, erzählt sie, sondern mit dem größtmöglichen Lob - für eine Studentin der Wirtschaftswissenschaften wie sie. „Genauso jemanden brauchen wir“, habe er gesagt, kurz bevor Johanna Kreiser, Neuankömmling von der Universität Trier, an der „Athens University of Economics and Business“ ihre Arbeit aufnahm.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das von der Europäischen Union finanzierte Erasmus-Programm für den Austausch von Studenten machte es möglich. Wobei diese Konstellation die alltägliche Kennenlern- und Austausch-Routine sprengt: Denn wann kann man schon im finanziell ruinierten Krisenland Nummer eins studieren und gleichzeitig den vermeintlichen europäischen Bösewicht Nummer eins, den Hort der harten Hand, repräsentieren? Allzu viele sind es ja nicht, die ausgerechnet im ausgezehrten Griechenland einige Auslandssemester einlegen. Zumal in einer Zeit heftiger Debatten, wer denn nun die Hauptschuld trage an dem Desaster.

          Die Griechen selbst, die schlimme Troika, der unnachgiebige deutsche Finanzminister, wer auch immer. „Die Zahl der deutschen Studenten hier liegt bei 0,01 Prozent“, sagt Alexander Roggenkamp vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Er hat vom Informationszentrum des DAAD in Athen aus einen guten Überblick über die Lage im Land, und er kann sich gut daran erinnern, welche Verwerfungen im deutsch-griechischen Verhältnis möglich sind. Der schrille Ruf nach Enteignung deutschen Eigentums ertönte nicht nur in diesen Wochen, sondern schon vor einigen Jahren. Damals seien Leute ins Athener Goethe-Institut gekommen, wo auch der DAAD untergebracht ist, und hätten die Maßbänder angelegt - so, als stehe die Konfiszierung unmittelbar bevor. Dazu kam es auch damals nicht.

          Die klasssische Motivation: Beide Eltern sind Griechen

          Im Grunde kommen nur wenige Universitäten in Griechenland für deutsche Studenten in Frage, sagt Roggenkamp - vor allem die Nationale und Kapodistrias-Universität in Athen und die Aristoteles-Universität in Thessaloniki, die beiden größten Hochschulen des Landes mit ihren 70.000 bis 80.000 Studenten. Von der Universität Gießen wechselte zum Beispiel der Jura-Student Petros Dautidis via Erasmus nach Athen. Beide Eltern sind Griechen, womit er einer der klassischen Interessenten für dieses Ziel ist. Allerdings sind griechische Wurzeln nur ein Motiv unter vielen.

          Die meisten argumentieren wie Fabienne Bläß-Gottschalk, Jura-Studentin von der FU Berlin, die ihre Stimmungslage vor dem Abstecher nach Athen so zusammenfasst, dass sie als Blaupause für die meisten Griechenland-Studenten auf Zeit gelten kann: „Ich wollte wegen des Wetters in den Süden und gleichzeitig sehen, wie es in Griechenland wirklich ist.“ Sie blieb ein Semester, wurde in ihren Kursen - wie bei Erasmus üblich - in Englisch unterrichtet und sagt über ihre Professoren, was man oft von deutschen Studenten in Athen hört: Diese seien hochqualifiziert, viele hätten im Ausland, oft im englischsprachigen Raum, gelehrt oder geforscht.

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