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Transkribieren im Studium : Tipps für die Tipperei

  • -Aktualisiert am

Tippen kann Studenten viel Zeit kosten. Bild: dpa

Ob in Psychologie, Soziologie oder Linguistik: Oft müssen Studenten Interviews wortwörtlich transkribieren. Viele nervt diese zeitaufwendige und eintönige Arbeit. Doch es gibt ein paar Kniffe.

          7 Min.

          Interviews werden nur von Journalisten geführt? Weit gefehlt! Auch Studenten in vielen Disziplinen wie Psychologie, Soziologie oder Linguistik müssen für ihre Forschung Experten oder Probanden befragen, um Daten für wissenschaftliche Analysen zu erheben. Qualitative empirische Forschung heißt das im Fachjargon; es geht dabei um die Erhebung nicht standardisierter und interpretierbarer Daten.

          Egal ob es sich dabei um Einzelgespräche handelt, um Gruppendiskussionen oder um Beobachtungen von Interaktionen, bei denen kommuniziert wird: das mündlich Gesagte muss danach verschriftlicht werden. Das dient auch dem Zweck, die Daten zu archivieren. Im Fachjargon nennt man die schriftliche Fixierung von gesprochenem Wort „Transkription“. Kein leichtes Unterfangen – und unglaublich viel Tipperei!

          Menschen reden unterschiedlich schnell und unterschiedlich viel. Im Schnitt sind es etwa 16.000 Wörter je Person und Tag. Geht man von einem durchschnittlichen Schlafpensum von acht Stunden aus, bleiben 16 Stunden, in denen ein Mensch folglich im Schnitt 1000 Wörter je Stunde redet. Natürlich ist das nur Statistik. In der Regel redet niemand ununterbrochen, wenn er wach ist. In Interviewsituationen allerdings schon – da kommen dann sogar schnell mehr als 1000 Wörter in der Stunde zustande.

          Wenn ein Räuspern notiert werden muss

          Wissenschaftliche Interviews, wie sie Studenten führen müssen, sind gänzlich anders als Interviews von Reportern: Während Radio- und Fernsehjournalisten das aufgezeichnete Interview einfach in Bild und Ton senden, müssen zwar auch Printjournalisten es verschriftlichen. Oft geben sie aber das Gesagte nicht wortwörtlich, sondern im Wortsinn wider. Denn gesprochene Sprache liest sich in Reinform meist nicht besonders flüssig. Auch Pausen im Gesprächsfluss, Räuspern, Versprecher oder der Verzögerungslaut „ähm“ sind für ein journalistisches Interview eher unerheblich bis störend.

          Weit mühsamer ist die Transkription zu akademischen Forschungszwecken. Denn hier genügt es nicht, den Wortlaut wiederzugeben: das gesprochene Wort muss eins zu eins verschriftlicht werden. Und selbst damit ist in vielen Disziplinen dem akademischen Anspruch noch nicht Genüge getan. In Psychologie oder Soziologie müssen oft auch visuelle Eindrücke festgehalten werden, beispielsweise Mimik und Gestik der Sprechenden oder auch sogenannte parasprachliche, also nichtsprachliche, Merkmale wie Lachen oder Räuspern. Und auch Gesprächspausen oder Wortabbrüche können für die Analyse von Bedeutung sein.

          In der Lingustik, also der Sprachwissenschaft, kann eine Abschrift naturgemäß noch umfangreicher werden. Denn sie verlangt mitunter auch Angaben zu Lautstärke, Tonhöhe, Sprachmelodie oder Tempo, also sogenannte kommunikativ-interaktionale Aspekte. So soll nicht nur fixiert werden, was gesagt wurde, sondern auch, wie. Und auch Umgangssprache und Dialekt müssen erfasst werden, oft sogar mit Hilfe des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA). So wird beispielsweise „gehn“ zu [ge:n]. Die Varianten eines wissenschaftlichen Transkripts sind also vielfältig, und wie es am Ende im Detail auszusehen hat, darüber muss sich jeder Studierende vorab ganz genau bei seinem Lehrstuhl informieren.

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