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Denken wie bei Google : Von wegen Silicon Berlin!

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Deshalb habe er sich mit der Singularity University darauf geeinigt, in Berlin zunächst das kurze, zweitägige „Summit“Format als Business-Konferenz vor allem für Teilnehmer aus deutschen Konzernen und größeren Mittelständlern aufzuziehen. „Ich habe auch von Anfang an erklärt, dass die enorm hohen Preise für Trainings, wie sie in den Vereinigten Staaten verlangt werden, hier nicht durchzusetzen sind“, sagt Balzer. Der Unternehmer berichtet, er habe hohe Lizenzen und hohe Gebühren für Vertreter der Singularity University gezahlt, die zu den Vorträgen in Berlin anreisten. Zudem habe die Singularity University darauf bestanden, dass Kundenanfragen und die Planung von Trainings und Workshops über die Zentrale in Amerika laufen sollten. Balzer fühlte sich gegängelt, er zieht nun lieber ein eigenes Workshop-Format namens „Boma“ auf, das nach seinen Vorstellungen besser zum deutschen Markt passt – mit einem Team, zu dem auch frühere Mitarbeiter und Fakultätsmitglieder der Singularity University gehören. Die Kalifornier müssen nun einen neuen Partner für Veranstaltungen in Deutschland finden, bevor sie am deutschen Markt wieder starten können.

Die Konkurrenz um Workshops und Seminare ist groß

Ob allein die Zugkraft der Marke Silicon Valley genügt, um entsprechend zahlungskräftige Teilnehmer anzuziehen, wird sich zeigen. Denn die Konkurrenz ist inzwischen groß: Der Markt für Workshops, Konferenzen und Seminare zu Themen der Digitalisierung, neuen Managementmethoden und Zukunftstechnologien ist hart umkämpft. Öffentliche und private Hochschulen und Business Schools mischen mit, außerdem zahlreiche Konferenz- und Seminaranbieter.

„Man muss nicht ins Silicon Valley reisen, wenn man etwas über Künstliche Intelligenz lernen will, über Design Thinking oder über experimentelle Managementmethoden“, sagt etwa Thomas Schildhauer, Forschungsdirektor am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) sowie Direktor des Career College der Universität der Künste in Berlin. Er hat die Singularity University im Silicon Valley selbst besucht. „Natürlich ist das beeindruckend, allein schon die Umgebung auf diesem Nasa-Campus, die Nähe zum Google-Ökosystem und den Tech-Unternehmen vor Ort“, sagt Schildhauer. „Und der Ansatz, Wissen über starke, prominente Persönlichkeiten, erfolgreiche Unternehmer mit Charisma und Strahlkraft zu vermitteln, ist auch spannend. Aber was ich inhaltlich konkret gehört habe, war auch dort nicht allzu überraschend.“

In Deutschland gebe es viele Anbieter, die bei Bildungsangeboten rund um Zukunftstechnologien und neue Managementmethoden ebenfalls sehr schnell und innovativ seien und eng mit Technologie-Unternehmen zusammenarbeiten. Die Berliner Hochschulen und Forschungsinstitute zum Beispiel haben das HIIG, das Weizenbauminstitut und das „Einstein Center Digital Future“ gegründet, um die klügsten Köpfe der Forschung zu Digitalisierungsthemen zusammenzubringen. Deutsche Technologie-Unternehmen sponsern Summer Schools und Workshops für Start-ups und Studenten zu Themen der Digitalisierung. „Da gibt es vielleicht nicht die ganz großen internationalen Stars, aber viele spannende Kontakte zu Technologie-Unternehmen, die auch bei Zukunftstechnologien führend sind“, sagt Schildhauer. „Und viele Angebote sind für Start-ups und Studenten sogar kostenlos. Oder jedenfalls sehr viel günstiger als ein Singularity-Kurs.“

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