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Weiterbildung für Pädagogen : Die Lehrer und die Politik

  • -Aktualisiert am

Souveräner vor der Klasse stehen

Hinzu kommen atmosphärische Spannungen. „Die ungleiche Behandlung der ab 2019 beginnenden Verbeamtung von jungen Lehrern in Sachsen entwickelt ein gewisses Frustpotential“, sagt Andreas Flemmig. Er ist Lehrer am beruflichen Schulzentrum für Technik in Dresden und hat an dem Projekt „Starke Lehrer – starke Schüler“ teilgenommen. Der 39-Jährige, der auch Kfz-Mechatroniker schult, hatte sich aus persönlichem Interesse für die Teilnahme entschieden. Er habe gelernt, souveräner vor der Klasse zu stehen, wenn verfassungsfeindliche Kommentare im Unterricht abgegeben würden, sagt er. Zudem erkenne er Codes und Kleidungsstücke, die eine solche Gesinnung zum Ausdruck bringen. „Dafür gibt es Regelungen in der Hausordnung der Schule. Dann muss der Schüler entweder eine Jacke drüberziehen oder es anderweitig unkenntlich machen“, sagt Flemmig, der seit mehr als zehn Jahren unterrichtet. Schule sei ein Ort der Toleranz, sagt er. Er wende sich mit diesen Maßnahmen nicht gegen den Schüler, sondern gegen die zur Schau getragene verfassungsfeindliche Gesinnung. Auch das Widerlegen von Falschaussagen, wie „Es kommt bald zu einer Übervölkerung“, mit denen Schüler im Unterricht auftrumpften, falle ihm seit der Teilnahme am Projekt viel leichter. Er wisse nun genau, in welchen Medien seriöse Daten zu finden sind.

Der sächsische „Werte“-Katalog sieht vor, dieses Modellprojekt flächendeckend an allen berufsbildenden Schulen und an anderen Schularten zu etablieren. Allerdings stellte Sebastian Fischer von der Universität Hannover in seiner externen Evaluation des Projektes fest: „Es wirkt für die einzelne Lehrkraft, aber nur bedingt im System.“ Die Handlungssicherheit der teilnehmenden Lehrer habe zugenommen, schreibt er. Ihre Funktion als Multiplikator in der Schule sei aber – teils an der ablehnenden Reaktion im Kollegium, teils am geringen Interesse der Schulleitung – gescheitert.

Dass Demokratie kippen kann, wenn sie nicht fest verankert ist, erstaunt Politikprofessor Oeftering aus Oldenburg nicht. In Niedersachsen habe man 60 Jahre nach Kriegsende gedacht, dass es etwa die Landeszentrale für politische Bildung nicht mehr brauche. Ende 2004 sei diese geschlossen und erst 2016 wiedereröffnet worden, sagt er. Der politischen Bildung komme häufig eine Feuerwehrfunktion zu: Immer wenn es brenne, solle sie einschreiten. Dabei sei politische Bildung ein langfristiger Prozess. In Niedersachsen würden zudem häufig fachfremde Lehrer Politik unterrichten. „Du liest doch auch den Spiegel, dann mach mal den Politikunterricht“, heiße es dann. Möglich seien zwar Fortbildungen und Quereinstiege, die könnten aber kein eigenständiges Studium ersetzen. Auch würden die Empfehlungen zur politischen Selbsterfahrung der Schüler durch Bildung von Schülervertretungen und Veranstaltungen mit externen politischen Bildungsträgern – etwa aus der Flüchtlingshilfe – nicht den Politikunterricht ersetzen.

Dieser fristet in Deutschland ohnehin ein mageres Dasein. Die Studie „17 Minuten Politik, 20 Sekunden Redezeit“ der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2017 zeigt anhand der Stundentafeln der Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen, dass die Schüler durchschnittlich zwanzig Sekunden Redezeit pro Woche haben, um ihre politischen Positionen vorzutragen und zu diskutieren. „Leider wird diese Unterrichtseinheit häufig noch als Klassenlehrerstunde zweckentfremdet und der nächste Wandertag besprochen“, klagt Mahir Gökbudak, Mitautor der Studie. „Seit dem Pisa-Schock werden vor allem harte Fächer wie Naturwissenschaften gefördert.“ Dabei sei auch eine politische Debattenkultur wichtig. Durch die verbreiteten Multiple-Choice-Antworten in Prüfungen entfalle zudem häufig der Zwang, dass Schüler Argumente formulieren müssten, sagt Gökbudak.

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