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Weiterbildung für Pädagogen : Die Lehrer und die Politik

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Hohe Verunsicherung

In Hessen hingegen ist politische Bildung für alle Lehramtsstudenten jeder Schulart verpflichtender Teil ihrer Ausbildung und Prüfungsinhalt des ersten Staatsexamens. Die Universität Gießen etwa hält zwei Semestermodule in der grundwissenschaftlichen Lehramtsausbildung mit acht Semesterwochenstunden dafür vor. „Als Beamte und damit als Teil des Staates sind Lehrkräfte verpflichtet, unser politisches System zu kennen, es reflektiert zu haben und an zukünftige Generationen weiterzugeben“, sagt Alexandra Kurth, Modulverantwortliche am Institut für Politikwissenschaft. „In diesem Rahmen vermitteln wir Lehramtsstudierenden diesen Bildungs- und Erziehungsauftrag.“

Dass politische Bildung früher mal zum Grundwissen in den Bildungswissenschaften in Niedersachsen gehörte und durch die Bologna-Reform abgeschafft wurde, bedauert Dirk Lange, der Professor für Didaktik der Politischen Bildung an der Universität Hannover ist. Zugunsten praxisnaher Schlüsselkompetenzen habe man die demokratiewissenschaftlichen Inhalte aus der Ausbildung herausgenommen. Nach Inklusion und Integration müsse nun aber auch das demokratie-didaktische Handwerkszeug wieder ein Pflichtteil der Lehrerausbildung werden, sagt er. Dabei sei es wichtig, zukünftigen Lehrern den Grundsatz zu vermitteln, dass sie zwar nicht parteilich, aber unbedingt parteiisch im Hinblick auf die demokratischen Grundwerte und die Menschenrechte agieren sollten. Diese Unterscheidung helfe auch bei der Herausforderung, die die Meldeportale der AfD an die Lehrer stellen.

Die Verunsicherung, die das Freischalten dieser Portale bei Lehrern und Lehramtsstudenten hervorgerufen hat, zeigt, wie wichtig politische Bildung für Lehrer ist. Sie sollen nicht davor zurückschrecken, politische Themen im Unterricht aufzugreifen, kontrovers zu diskutieren und dabei Haltung zu zeigen. Um politische Bildung in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung aufzunehmen, hat Sachsen im Jahr 2017 das Konzept „W wie Werte“ entwickelt, das dreißig Maßnahmen vorsieht: Das obligatorische Modul „Demokratische Schulkultur“ etwa soll angehenden Lehrern aller Fächer Rüstzeug an die Hand geben. Im Konzept heißt es: „Die notwendigen Ressourcen dafür werden an den zuständigen Einrichtungen geschaffen.“ Laut sächsischem Kultusministerium sei man mit dem Wissenschaftsministerium in der Diskussion, wie die Umsetzung erfolgen soll. Die könnte kompliziert werden. Denn wegen 200 derzeit unbesetzten Stellen in Sachsen sind die Lehrer mit dem Thema politische Bildung – neben Digitalisierung, Inklusion und einem hohen Anteil an Seiteneinsteigern – schon jetzt stark gefordert.

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