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Deutsche und amerikanische Unis : Wenn Studenten sich beschweren

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Deutsche Studenten beschweren sich selten

Gelegentliche Einladungen der Eltern auf den Campus vermitteln ihnen das Gefühl, Teil der Universität zu sein. In Notre Dame sprechen wir ohne Scheu von der Notre-Dame-Familie, und damit meinen wir die Hochschullehrer, das Personal, die Studenten, die Eltern und die Ehemaligen. Dank ihrer Besuche verstehen Eltern besser, was das Studium an einem College und das Leben außerhalb des Seminarraums beinhaltet. An solchen Wochenenden hören die Eltern der Universitätsverwaltung zu, wenn sie erzählt, was sie sich unter der Ausbildung ihrer Studenten vorstellt; sie erfahren, welche Hilfestellungen das „Career Center“ den Studenten bietet; sie lauschen unterhaltsamen Vorträgen beliebter Professoren; sie lernen die Kommilitonen ihrer Söhne und Töchter kennen, deren Eltern und häufig auch die Professoren ihrer Kinder. Für mich war es immer wieder aufschlussreich, die Eltern meiner engagiertesten Studenten kennenzulernen - so wie ich mich auch noch daran erinnere, meinen Professoren am Williams College und in Princeton meine Eltern vorgestellt zu haben.

All das stärkt das Gefühl, dass die Studenten wichtig sind und dass das College eine Gemeinschaft bildet. Einer der beliebtesten Studienführer wird von Studenten gemacht: „The Insider’s Guide to the Colleges“. Bedenkt man, dass Studenten aktiv an der Qualität ihrer Ausbildung interessiert sind, dann erstaunt das nicht. An einigen Universitäten geben die Studenten ihr eigenes Handbuch zu den Kursen heraus. Das Opfer, das mit der Zahlung der Studiengebühren verbunden ist, lässt auch das Interesse an der Qualität der Ausbildung ansteigen. Ich kann mich an ein Seminar in Tübingen vor mehr als dreißig Jahren erinnern, das für mich zu den schwächsten gehörte, die ich auf beiden Seiten des Atlantiks erlebt hatte. Ich war schockiert darüber, dass die Studenten sich weder beim Lehrer noch bei der Verwaltung über diese Zeit- und Mittelverschwendung beschwerten.

An einer amerikanischen Universität, an der Studenten für ihre Ausbildung bezahlen, wäre die Reaktion eine völlig andere. Vermutlich war ich der einzige Student, der den Professor aufsuchte und Bedenken äußerte. Nachdem die Universität Notre Dame substantielle Reformen an einer ihrer internationalen Niederlassungen für ein Auslandsstudium durchgeführt hatte, waren die Studenten überrascht, welch unerwartet hohe akademische Anforderungen da an sie gestellt wurden. Sie legten ihr Geld zusammen, damit einer von ihnen zurückfliegen konnte, um sich darüber zu beklagen. In diesem Fall blieb die Universitätsleitung hart, aber der Vorfall veranschaulicht das Engagement und die Ernsthaftigkeit, mit der Studenten ihr Studium betreiben, und ihre Bereitschaft, es kritisch zu begleiten. Dass Studenten, die Studiengebühren zahlen, eine stärkere innere Motivation haben und auch mitreden wollen, damit die Universität als Ganze besser wird, liegt auf der Hand.

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