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UN-Jugenddelegierte: Tagebuch (2) : Heimspiel und Auswärtserfahrungen in Stuttgart

  • -Aktualisiert am

Falko Mohrs und Emily May Büning Bild: Tim Mrzyglod

Auf dem Bundeskongress der Grünen Jugend werden den Jugenddelegierten vegane Speisen und kritische Fragen serviert: Welchen Sinn hat die ganze Sache eigentlich?

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          Stuttgart, Bundeskongress der Grünen Jugend: Wir wollen den Teilnehmern einen Workshop zu Jugend und Klimawandel anbieten, dem Thema des diesjährigen Weltjugendberichts. Zu den Grünen passen wir in diesem Fall nicht nur thematisch, sondern auch biographisch - hier hat Emily ihre politische Heimat, ich kann damit auf diese Weise gleichzeitig auch etwas mehr über meine UN-Jugenddelegierten-Partnerin lernen. Für Emily war es also ein Heimspiel, für mich dagegen begannen die Eigenarten der Veranstaltung schon bei der Anmeldung: veganes Essen, das ganze Wochenende über. Vertrauter war mir als Pfadfinder, dass die Teilnehmer Schlafsack, Isomatte und Essgeschirr selbst mitbringen sollten.

          Zwischen Poetry Slam und Spätschläfer-Turnhalle

          Diskutiert wurde dann schon am ersten Abend bis in tief die Nacht, das nenne ich Tagungsdisziplin. Nach der letzten Info-Runde stoße ich um Mitternacht zum Poetry-Slam, an das sich viele interessante Gespräche anschließen. Nach der Nacht in der „Spätschläfer-Turnhalle“ wartet das vegane Frühstück, dann geht das Programm weiter: Unser Workshop ist klein, die Gespräche sind dafür umso intensiver. Schon gleich nach der Vorstellung des UN-Jugenddelegiertenprogramms kommen kritische Fragen. „Was habt ihr Jugenddelegierten denn bis jetzt eigentlich erreicht?“ Und: „Was bringt es uns denn, etwas auf UN-Ebene zu regeln?“ Zum Glück haben wir Erklärungen und Beispiele im Gepäck. „Wenn etwas auf UN-Ebene von der Generalversammlung beschlossen wurde, können wir national unsere Regierung darauf festnageln, das auch um zusetzen“, antworte ich. Konkrete Beispiele? Auf Initiative einer Jugenddelegierten hin wurden HIV-Tests für Jugendliche in Botswana erleichtert, und der Einsatz mehrerer Jugenddelegierter hat in verschiedenen Entwicklungsländern zur Gründung neuer Jugendorganisationen geführt, die an politischen Prozessen beteiligt werden.

          Zum Klimawandel erwarten uns teils überraschende Vorstellungen. „Alle Menschen sollen in Städten leben, so werden die Wege kurz und es kann der öffentliche Verkehr genutzt werden“, heißt eine davon. „Aufgeklärt wurde genug, jetzt muss ordnungspolitisch gehandelt werden“ eine andere. Klar ist allen: Die Zeit zum Handeln gegen den Klimawandel wird knapp. Kofi Annan wiederholt in dem Trailer, den wir zum Anfang zeigen, immer wieder: „We are moving too slowly!“ Richtig, wenn wir die Welt retten wollen, müssen wir uns ranhalten. Und Deutschland soll ein Vorbild sein im ökologischen Umbau der Industrie, soll klima-solidarisch handeln, ehrgeizige Vereinbahrungen eingehen und einhalten. Die Vereinten Nationen sind dafür die richtige Plattform, das ist Konsens in unserem Workshop.

          Gemüse-Paste und Sojamilch

          Nachmittags diskutiert die Grüne Jugend leidenschaftlich über den Leitantrag „Gerechtigkeit leben!“. In der Hand halte ich eine 21 Seiten lange Übersicht der eingereichten Änderungsanträge, alle sind schriftlich formuliert und ordentlich zusammengestellt. Auf der Rückfahrt habe ich Zeit, mir alles noch mal in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen. Ich nehme aus Stuttgart viele Eindrücke mit zum Thema Klimawandel und von der politisch organisierten Jugend in Deutschland. Ich weiß jetzt zum Beispiel, dass die Grüne Jugend tatsächlich so viel über „Gender“ diskutiert, wie man oder frau vermutet. Die Gemüse-Pasten und die Sojamilch waren ein Wochenende lang übrigens wirklich lecker – aber zum Dauer-Veganer bin ich durch sie noch nicht geworden.

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