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Titelhändler : 20.000 Euro für den Doktorhut

  • -Aktualisiert am

Gekauft? Bild: Rainer Wohlfahrt / F.A.Z.

Die Universität Hannover will Titelhändlern das Handwerk legen. Dafür bekommt sie Rückenwind von der Justiz - und wird zum Vorbild für andere Hochschulen.

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          Dass ein Juraprofessor ins Gefängnis gerät, um selbst eine Strafe abzusitzen, kommt selten vor. Ein Wirtschaftsrechtler der Universität Hannover muss jedoch dafür büßen, dass er von einem kommerziellen Titelhändler Geld für die Betreuung von Doktoranden nahm. Eine Sexaffäre mit einer Studentin, der er vorab Klausuraufgaben verraten haben soll, kam hinzu.

          Die halbseidene Akademikerschmiede in Bergisch Gladbach, deren Aufträge der Professor annahm, ist mittlerweile geschlossen; einer ihrer Geschäftsführer sitzt ebenfalls in Haft. Bundesweit sind Staatsanwälte noch immer mit Ermittlungen gegen Kunden jenes Beratungsinstituts und gegen willfährige Hochschullehrer beschäftigt. Die Uni Hannover hat derweil einige Doktortitel schon wieder einkassiert.

          „Anschein von Käuflichkeit und unlauteren Methoden“

          Kein Wunder, dass die Hochschule neue Fälle dieser Art unterbinden will. Schon vor ein paar Jahren hat sie in ihre Promotionsordnung hineingeschrieben: Wer gegen Geld die Dienste eines gewerblichen Beraters in Anspruch nimmt, bekommt keinen Doktorhut mehr verliehen. Dagegen geklagt haben mehrere Rechtsanwälte, die vor der Änderung der Vorschriften ihre Dissertation ausgerechnet bei jenem Lehrstuhlinhaber begonnen hatten, der jetzt in Haft sitzt. Rund 20.000 Euro waren ihnen die Dienste der Helfer aus Bergisch Gladbach wert.

          Doch der neue Kurs fand jetzt die Billigung des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg. „Dass die gewerblichen Promotionsvermittler in einer rechtlichen Grauzone agieren, ist seit langem bekannt“, urteilten sie und verwiesen auf den „Anschein von Käuflichkeit und unlauteren Methoden“ (Az.: 2 KN 906/06).

          Das Verbot verstoße zudem weder gegen die Wissenschafts- oder Berufsfreiheit noch gegen das Verhältnismäßigkeitsgebot. „Eine derartige Vertragsgestaltung zwischen Doktorand und Promotionsberater ist dem Verdacht der Unredlichkeit ausgesetzt“, schreiben die Richter weiter, „denn es besteht ersichtlich ein krasses Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung.“ Die bloße Vermittlung von Doktorvater und Promotionsthema sowie etwaige weitere „logistische und beratende Hilfeleistungen“ - so lautete stets die offizielle Beschreibung der teuer bezahlten Dienste - rechtfertigten einen derart hohen Betrag nicht.

          Geschäfte der zwielichtigen Berater schädigen Ruf der Unis

          Der Deutsche Hochschulverband bläst nach diesem Richterspruch zum Angriff. Alle anderen Universitäten sollten nun dem Beispiel aus Hannover folgen, fordert dessen Präsident Bernhard Kempen. „Die Ausschlussregelung ist ein wirksames Instrument, um gewerblichen Promotionsberatern ihre kriminellen Machenschaften zu erschweren.“

          Nur so könne dieser Sumpf trockengelegt werden. Kempen denkt dabei nicht zuletzt an das eigene Interesse der rund 25.000 Wissenschaftler, die seinem Verband angehören. Der Ruf der Universitäten, die die begehrten Titel verleihen, werde schließlich ebenfalls durch Geschäfte mit zwielichtigen Beratern und Vermittlern beschädigt.

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