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Studium und Spitzensport : Hochschulmeister im Spagat

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Geht doch: Der Thüringer Thomas Röhler hat olympisches Gold im Speerwerfen gewonnen - und seinen Bachelor mit einer Eins vor dem Komma geschafft. Bild: dpa

Spitzensport und Studium – das verträgt sich immer schlechter. 70-Stunden-Wochen und andere Hürden schrecken ab. Trotzdem gibt es erstaunliche duale Karrieren.

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          Es ist mit dem Spitzensport seit jeher dasselbe: Schluss ist nicht selten nach der zehnten Klasse, spätestens nach dem Abitur, auch für die vielversprechendsten Talente. Eltern mahnen: Mach doch was Richtiges! Die eigenen Zweifel melden sich: Schaffe ich die Doppelbelastung? Lieber etwas Sicheres machen. Denn der Sport ist ungewiss, ungewisser jedenfalls als ein Studium: Keiner kann garantieren, dass man von Verletzungen verschont bleibt - oder mit Sportlern aus Nationen, in denen Sport Vollzeitbeschäftigung ist, mithalten kann. Von unlauteren Mitteln im Kampf um Bestleistungen nicht zu reden. Und überhaupt: Kann man davon leben, auch wenn es nicht zum Olympiasieg reicht? Oder selbst wenn es dazu reicht?

          Unterhalb dieses Niveaus stellen sich solche Fragen ohnehin nicht. Zwar gibt es regelmäßig nationale und internationale Hochschulmeisterschaften in allerlei Sportarten. Allzu viel Beachtung finden sie nicht. Auch die Winter-Universiade im kasachischen Almaty - so etwas wie Olympische Spiele für Studenten - ging gerade zu Ende, ohne dass sie hierzulande groß aufgefallen wäre. Die deutschen Medaillengewinner Tobias Simon (Hochschule Furtwangen), Shari Koch (Uni Bochum), Christian Nüchtern (FU Berlin) und Monica Hübner (University of Denver) machten da keine Ausnahme. Demgegenüber steht etwa das amerikanische Sportfördersystem. Ein Merkmal: Die meisten Stars und Medaillengewinner kommen nicht aus einem Klub, sondern von einer Uni.

          Bleibt hier und da auch an deutschen Hochschulen der Traum von Olympia - dem richtigen. Skeptiker befürchten allerdings, dass mit der Spitzensportreform des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die duale Karriere auf der Strecke bleibt. Potentiale für die Zukunft statt Erfolge der Vergangenheit sollen künftig gefördert werden. Heißt: Die höchste Förderung bekommt nur, wer Aussichten auf Medaillen hat. Spitzensport und Studium: Gibt es bald nur noch ein Entweder-Oder?

          Bundeswehr, Zoll und Polizei sind nicht jedermanns Sache

          Die „duale Karriere“ findet sich durchaus im Konzeptpapier. Zur Förderung schlägt der DOSB die Ausweitung der sogenannten Profilquote vor. Diese Quote gibt es schon jetzt in acht Bundesländern. Sie soll es benachteiligten Gruppen ermöglichen, für zulassungsbeschränkte Studiengänge einen Platz zu bekommen. Ansonsten ist der Punkt nur vage formuliert. „Auch sollte die Vereinbarkeit von Leistungssport und Studium grundsätzlich möglich sein“, heißt es. Dafür gelte es, alle „Flexibilisierungsmöglichkeiten“ auszuschöpfen. Bleibt die Frage, wie die aussehen sollen.

          Konkret nennt das Konzept neben der Quote vor allem den Ausbau der 1200 Stellen in den Sportfördergruppen von Bundeswehr, Zoll und Polizei. Doch das ist zu kurz gegriffen, findet Hannes Aigner. Die Bundeswehr etwa ist nicht jedermanns Sache. Aigner ist 27 Jahre alt und Olympia-Bronzemedaillengewinner im Kanuslalom. Er hat sich - wie fast alle in seiner Trainingsgruppe - bei der Bundeswehr verpflichtet und neben dem Spitzensport ein Studium aufgenommen. Seinen Bachelor und Master in BWL mit Schwerpunkt Steuern hat er in Teilzeit geschafft.

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