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Studium in China : Bloß nicht am Tisch die Nase putzen

“Eine gute Vorbereitung auf das Land und seine Kultur ist wichtig“, sagt Niels Albers vom DAAD. Er empfiehlt vor allem die Lektüre vorbereitender Bücher und einen Chinesischkurs. „Die Sprache ist natürlich kompliziert und ein hoher Aufwand für einen Kurzaufenthalt. Aber es ist schön, wenigstens ein paar Grundlagen zu haben, um ein paar Worte mit dem Taxifahrer zu wechseln oder um einkaufen gehen zu können.“ Ohnehin sei aber das Absolvieren eines Chinesisch-Sprachkurses noch immer Hauptmotiv für die meisten Studenten, die nach China gehen, und somit oft eine Selbstverständlichkeit.

Zur Vorbereitung auf einen Aufenthalt im Land gibt es vereinzelt sogar interkulturelle Trainings, die extra für China-Interessenten zugeschnitten sind. Susanne Preuschoff, die an der Universität Köln die Asienbeziehungen betreut und an der Fachhochschule Köln im Studiengang „International Business“ lehrt, bietet solche Kurse an. Mit dem Wort „Chinability“ hat sie einen Begriff für das erfunden, was sie ihren Teilnehmern beibringen will: eine Mischung aus interkultureller Kompetenz und Handlungsanleitung für das Überleben im Land. Da werden Kurzvorträge über China in Bildern und Zahlen gehalten. Da gibt es kleine Spiele und Gruppendiskussionen. Und da wird gelehrt, dass man sich in China bei Tisch nicht die Nase putzen sollte oder dass eine Teekanne niemals mit dem Schnabel auf eine Person zeigen sollte, weil das Unglück verheißt. Preuschoffs Fazit: „In einem Land wie China ist auf einmal nichts mehr gesetzt. Man muss darauf vorbereitet sein, dass einem überall Unterschiede zum Gewohnten begegnen werden.“

Danke sagen gehört sich oft nicht

Diese Erfahrung hat auch Denise Nguyen gemacht. Die 26 Jahre alte Münchnerin ging während ihres Biochemie-Studiums nach China, um dort ihre Chinesischkenntnisse zu vertiefen. Schon in ihrer Schulzeit hatte sie begonnen, die Sprache zu lernen, „einfach weil es mich interessiert hat, etwas Komplizierteres zu machen als nur Französisch“, sagt sie. Weil ihr Vater aus Vietnam stammt, sei sie außerdem schon immer interessiert an Asien gewesen. China als Land hielt dann aber doch einige Überraschungen für sie bereit. „Der größte Kulturschock für mich war die Tatsache, dass man sich unter Chinesen nicht bedankt“, erinnert sich Nguyen. „Ich wohnte in einer Gastfamilie, die sich rührend um mich kümmerte und viel mit mir unternahm. Für alles, was sie für mich taten, bedankte ich mich überschwänglich. Bis mir meine Gastschwester sagte, dass das in der Familie und unter Freunden nicht üblich sei und an Beleidigung grenze.“ Bis heute tut Nguyen sich schwer mit dieser Gepflogenheit. Wieder zurück an der TU München, kümmert sie sich hin und wieder um chinesische Studierende und begleitet sie, etwa bei Behördengängen. „Dann muss ich immer schlucken, wenn sie hinterher gar nicht danke sagen“, sagt sie. „Bis mir wieder einfällt, dass das ein Kompliment ist.“

Trotz aller Bücher, Sprachkurse und Interkulturtrainings: „Völlig vermeiden lässt sich der Kulturschock in den meisten Fällen nicht“, ist Niels Albers vom DAAD überzeugt. „Dann ist es gut, wenn man andere Studenten aus dem eigenen Kulturkreis kennt. Die haben ähnliche Sorgen, mit ihnen kann man sich austauschen.“ Sich von Anfang an nur mit Chinesen umgeben zu wollen sei zwar ehrgeizig, führe aber oft zu Überforderung. Auch sei es sinnvoll, im Vorfeld mit China-Alumni in Kontakt zu treten. Das kann auch Tobias Roß bestätigen. „Ein Semester vor Ort Chinesisch zu studieren war Teil meines Studiengangs“, erzählt er. So wurde auch an seiner Hochschule eine Art interkulturelles Training durch die Professoren angeboten. Noch hilfreicher fand Roß aber die Gespräche mit Kommilitonen, die schon ihr Auslandssemester hinter sich hatten. „Solche Begegnungen nehmen die Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser.“

Praktische Tipps

Vor einem China-Aufenthalt sollten Studenten einige organisatorische Details bedenken:

Mit dem Professor zu Hause sprechen

Werden meine Studienleistungen anerkannt? Welche Kurse sollte ich machen? Was sollte ich mir bescheinigen lassen? Sehr nützlich könne es zudem sein, sich nach Partnerhochschulen in China zu erkundigen, die feste Austauschprogramme anbieten, rät Niels Albers vom DAAD.

Visum besorgen

Ein Studentenvisum für China zu erhalten ist in der Regel kein Problem. Schwieriger wird es, wenn im Anschluss an den Studienaufenthalt noch ein Praktikum geplant ist. „Das gilt dann als Arbeitsaufenthalt, und dabei sind die Verhandlungen mit den Behörden oft etwas langwieriger“, warnt Albers. Informationen zu Visa und Anträgen gibt es auch auf den Internetseiten der Chinesischen Botschaft unter http://www.china-botschaft.de

Unterkunft organisieren

Chinesische Hochschulen sind häufig Campus-Universitäten, auf denen die Studenten wohnen und lernen. Ausländische Studierende müssen deshalb grundsätzlich entscheiden, ob sie auf dem Campus oder außerhalb wohnen möchten. Für die ersten Tage tut es meistens ein Zimmer im Studentenwohnheim. „Viele sind damit aber nicht auf Dauer glücklich“, warnt Albers. „Die Zimmer sind zwar günstig, doch wohnt man meist abgeschieden von den chinesischen Studenten in gesonderten Ausländerwohnheimen.“ Außerdem müssen sich oft mehrere Studenten ein Zimmer teilen und Gemeinschaftsbadezimmer nutzen.

Finanzierung klären

„So superbillig, wie viele Studenten denken, ist China nicht“, warnt Albers. Die Internetseite „Study in China“ des China Scholarship Council (http://www.csc.edu.cn/laihua/indexen.aspx) informiert über mögliche Stipendien, die aus China zu erhalten sind. In Deutschland können sich Interessierte um ein DAAD-Stipendium bewerben (http://www.daad.de/miniwebs/china/de/15091). Dort gibt es auch sogenannte „Selbstzahlerstipendien“, das sind Teilstipendien, die nur für die Studiengebühren in China aufkommen, nicht aber für die Lebenshaltungs- und Reisekosten.

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