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Studium generale : Alleskönner statt Fachidioten

Bild: F.A.Z./ Tresckow

Das Studium generale ist an einigen Universitäten vom Freizeit zum Pflichtprogramm geworden. Lässt sich Allgemeinbildung auf diese Weise erzwingen?

          5 Min.

          Unter rund 9000 verschiedenen Studiengängen können Studierwillige in Deutschland wählen, und jedes Semester werden es mehr. Von „Abfallwirtschaft und Altlasten“ in Dresden bis „Zukunftsenergien“ an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe reicht das von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) laufend aktualisierte Verzeichnis zurzeit. Aber wo genau liegt der Unterschied zwischen Wassermanagement und Wasserwirtschaft eigentlich? Und wie unausweichlich ist es, zum Beispiel das Wirtschaftsingenieurwesen noch einmal in vier Dutzend Richtungen aufzuspalten, von „Automobil“ über „Bau“ und „Logistik“ bis „Verkehrsmanagement“? Die HRK-Liste trägt den schönen Titel „Hochschulkompass“, aber viele Studienanfänger verlieren im Gewirr der Spezialisierungen die Orientierung. Den Unternehmen gibt das Thema ohnehin schon lange Anlass zur Klage: Nicht mangelnde fachliche Qualifikation, sondern Praxisferne ist nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages der häufigste Grund dafür, dass sie sich noch in der Probezeit von Berufsanfängern mit Diplom trennen.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aus Lüneburg aber, das hat sich die dortige Hochschulleitung um den vor drei Jahren angetretenen Präsidenten Sascha Spoun vorgenommen, sollen keine lebensfernen Fachidioten kommen. Deshalb hat Christoph Brand, der für sein BWL-Studium eigens aus Hamburg in die idyllische Kleinstadt mit ihren alten Giebelhäusern aus Backstein und ihrer jungen Universität mit dem aus der Antike entlehnten Namen Leuphana auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne gezogen ist, von seinem Hauptfach bislang noch nicht allzu viel mitbekommen. Nur mittwochs standen Einführungen ins Rechnungswesen und in die BWL auf seinem Stundenplan. Montags dagegen war das obligatorische Seminar luftig mit „Wissenschaft trägt Verantwortung“ überschrieben, freitags mit „Wissenschaft macht Geschichte“.

          Bunt gemischt

          Christoph Brand selbst hat dafür ein Referat über Rassismus gehalten. Seine Zuhörer waren nicht nur künftige Manager, sondern auch Informatiker, Ingenieure und Kulturwissenschaftler. Genauso bunt gemischt war das Publikum in den Mathematik- und Statistikkursen am Dienstag und Donnerstag, in denen es um fachübergreifend relevante Methoden ging. So sollen alle Lüneburger Studienanfänger - ganz gleich, für welches der 10 Haupt- und 23 Nebenfächer, in denen sie später ihren Bachelor-Abschluss machen wollen - gemeinsam in ihr neues akademisches Leben starten. „Damit schaffen sie die beste Grundlage dafür, problemlösend zu denken, initiativ zu handeln und Widersprüche zu erkennen und aufzulösen“, formuliert Sascha Spoun das Ziel.

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