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Studium für Sportler : Vom Torjäger zum Manager

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Auch die Bundesliga-Manager Eberl (links) aus Gladbach und Eichin aus Bremen wurden einst vom Spieler zum Studenten. Bild: Picture-Alliance

Bildungsangebote für die Sportbranche boomen. Auch Bundesligaklubs mischen mit. Viele Profis büffeln schon für eine zweite Karriere. Doch Skeptiker warnen vor falschen Erwartungen.

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          Allein aufs Toreschießen wollte sich Fredi Bobic irgendwann dann doch nicht mehr verlassen. Schließlich ist auch die Zeit als gutverdienender Profifußballer endlich. „Für mich war es daher wichtig, Grundkenntnisse im Managementbereich zu erwerben“, sagt der Fußball-Europameister von 1996. Sein damaliges Ziel hat er erreicht: Er blieb im Fußballgeschäft und arbeitete fortan als Manager, unter anderem beim VfB Stuttgart. Neben sportlicher Erfahrung ist für einen solchen Spitzenposten allerdings vor allem ökonomische Expertise wichtig. Um entsprechend gerüstet zu sein, büffelte Bobic einst neben Training, Spielen und Länderspielreisen für seine Weiterbildung in „Fußballmanagement“.

          Er ist nicht der Einzige mit einer solchen Vita und Karriereplanung. Zahlreiche frühere Profis wie etwa Max Eberl, heute Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach, Michael Preetz, Manager bei Hertha BSC Berlin, Thomas Eichin, Geschäftsführer bei Werder Bremen, oder Stefan Kuntz, Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, kümmerten sich frühzeitig um die Karriere nach der Karriere - und studierten.

          Heutzutage rutsche man als verdienter Spieler nicht mehr aus alter Verbundenheit auf eine Managementposition, sagt Eberl. Lange war es ja so, dass im Profifußball eine große Karriere als Spieler oft Zugang zu anspruchsvollen Führungsaufgaben verschaffte, die anderswo nur Hochqualifizierten offenstanden. Inzwischen, sagt Eberl, sei es auch hier wichtig, entsprechende Qualifikationen mitzubringen. Profivereine seien Unternehmen mit hohem Umsatz und zahlreichen Mitarbeitern, da könne sich keiner mehr erlauben, Unqualifizierte zu protegieren. Was liegt da näher, als Leute für Management, Geschäftsführung oder Vorstand gleich selbst auszubilden? Viele Vereine sind auf dem Feld der Bildung jedenfalls überraschend aktiv geworden.

          Studieren auf Schalke oder in Wolfsburg

          „Neben etablierten Präsenz-Universitäten und Hochschulen wie der Deutschen Sporthochschule in Köln sprießen zurzeit überall Bildungsanbieter für die Sportbranche aus dem Boden - ob es die Sportakademie auf Schalke ist oder der VfL-Campus in Wolfsburg“, sagt Professor Gerhard Nowak. Der Sportwissenschaftler ist Dekan an der staatlich anerkannten IST-Hochschule für Management in Düsseldorf und Dozent am IST-Studieninstitut, wo sich auch Bobic & Co. per Fernstudium fortgebildet haben. Wie Eberl sagt auch Nowak, dass die fortschreitende Professionalisierung des Sports eine wissenschaftliche Ausbildung erfordert. Die Studiengänge und Weiterbildungsangebote seines Instituts sind zwar nicht nur Profisportlern zugänglich, sie stehen jedermann offen. Am IST kommt derzeit aber schon ein Viertel der Studierenden aus dem Spitzensport, Tendenz steigend. So haben allein vom Bundesligaaufsteiger Darmstadt 98 neun Profis eine Weiterbildung im Bereich Sportmanagement dort schon abgeschlossen oder aktuell belegt. Darunter Aytac Sulu, der Kapitän des Teams, sowie Jerome Gondorf, Sandro Sirigu und Michael Stegmayer.

          Vom kommenden Wintersemester an wird nun auch der VfL Wolfsburg in Zusammenarbeit mit der Steinbeis Business Academy staatlich anerkannte Studiengänge und Weiterbildungen anbieten. Die Inhalte werden von den Dozenten in mehreren Präsenzphasen unter anderem in der Volkswagen-Arena vermittelt. Zudem gibt es Online-Lehrangebote. Wer auf dem VfL-Campus des letztjährigen DFB-Pokalsiegers studieren will, sollte allerdings ein wenig Taschengeld mitbringen: Während die Weiterbildungen Fußball-Business-Management und Sport-Business-Management rund 5000 Euro kosten, schlägt ein Bachelor in Business Administration mit mehr als 28 000 Euro zu Buche. Allerdings seien im Preis für die Weiterbildung Eintrittskarten für Heimspiele des VfL inbegriffen, beim Bachelor gebe es sogar Dauerkarten, heißt es beim VfL.

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