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E-Learning : Im Internet zum Bachelor

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Digital studieren hat viele Facetten: Es gibt komplette Online-Studiengänge, teilweise digitale Angebote oder Studiengänge mit elektronischen Klausuren. Bild: dpa

Keine Vorlesungen, keine Kommilitonen, dafür Büffeln am PC in Eigenregie: Reine Online-Studiengänge sind etwas für Einzelkämpfer. Wann sich das digitale Lernen trotzdem lohnt.

          5 Min.

          Wenn Oliver Lübker am Ende des Semesters auf die Klausuren zusteuert, bleibt er für sich. Statt mit anderen Studenten eine Lerngruppe zu gründen und sich nach der Vorlesung zum gemeinsamen Büffeln in Mensa oder Bibliothek zu treffen, sitzt er allein am heimischen Rechner. Lübker ist allerdings kein verschrobener Einzelgänger. Er hat schlicht und einfach keine Kommilitonen. Denn seinen Bachelor absolviert der 26 Jahre alte Hannoveraner über ein Online-Lernportal. Nach Abitur und Zivildienst beginnt Lübker eine Ausbildung zum Piloten, mit 23 Jahren schließt er sie ab. Fliegen ist seine Leidenschaft, Pilot sein Traumberuf.

          Doch mit der Zeit reift der Wunsch, sich darüber hinaus ein zweites Standbein zu schaffen. Lübker kann sich etwa vorstellen, später einmal im Management seines Arbeitgebers tätig zu sein. 2013 beginnt er deshalb, an der Universität Frankfurt Wirtschaftsrecht zu studieren. Die Mischung aus BWL und Jura reizt ihn. „Wie viele ambitionierte junge Menschen habe auch ich eine Möglichkeit gesucht, mich weiterzubilden.“ Neben dem Vollstudium mit festen Präsenzzeiten arbeitet Lübker weiter als Pilot.

          Doch die Doppelbelastung wird ihm nach zwei Semestern zu viel, zumal er aus beruflichen Gründen von Frankfurt nach Hannover ziehen muss. Sein Studium abzubrechen kommt für ihn aber nicht in Frage. Dass er es auch digital in Eigenregie absolvieren kann, erfährt er von einem Bekannten. Welcher Anbieter für ihn der Beste ist, recherchiert er schnell. Da er durch seinen Beruf als Pilot viel unterwegs ist, möchte er örtlich flexibel lernen, eine Variante mit Präsenzteilen kommt also nicht in Frage. Gleichzeitig möchte er die Möglichkeit haben, Fragen zu stellen, wenn er etwas nicht versteht. Und nicht zuletzt sollte das Studium zu einem staatlich anerkannten Abschluss führen.

          Nicht alle setzen auf ein rein digitales Studium

          Lübker entscheidet sich für den Bachelor of Law, der von der Internationalen Hochschule Bad Honnef Bonn (IUBH) angeboten wird. In Kooperation mit dem Online-Lernportal Lecturio stellt die IUBH den Studiengang seit November 2014 als reines Online-Studium zur Verfügung. Für Lübker ebenfalls wichtig: Innerhalb des Studiums kann er sich auf den Bereich Luftfahrtmanagement spezialisieren. Der Online-Studienanbieter Lecturio hat seinen Schwerpunkt auf die Wirtschaftswissenschaften, die Bereiche Rechnungswesen und Steuern, Software und Programmieren und auf Repetitorien in den Fächern Jura und Medizin gelegt.

          Das elektronische Studium funktioniert dort denkbar einfach: Die Vorlesungen kommen als Video auf den Bildschirm, im Anschluss erhält der Student Lernfragen, um die Inhalte besser zu verstehen und zu behalten. Bei Problemen mit dem Lernstoff stehen Tutoren für Nachfragen per E-Mail zur Verfügung. Lediglich die bis zu sechs Klausuren je Semester können nicht online absolviert werden. Sie müssen an einem von rund 30 Standorten in Deutschland oder an einem der mehr als 130 Goethe-Institute auf der ganzen Welt in Präsenz geschrieben werden. Auch seine Abschlussprüfung wird Lübker auf diesem Weg ablegen; um seine Bachelor-Arbeit zu verteidigen, wird er ebenfalls persönlich erscheinen müssen. 2008 gegründet, ist Lecturio ein noch recht neuer Anbieter im Markt.

          Nicht alle Konkurrenten des E-Learning-Portals setzen auf ein rein digitales Studium. Einige haben auch Präsenzwochen im Programm oder organisieren regelmäßige Treffen mit anderen Studierenden, die beim selben Anbieter studieren, beispielsweise die AKAD University. Auch die traditionellen Anbieter von Fernstudiengängen haben ihre Angebote um virtuelle Inhalte und digitale Wege der Vermittlung erweitert. Das betrifft beispielsweise das Institut für Lernsysteme aus Hamburg, die Studiengemeinschaft Darmstadt oder auch die Fernuniversität in Hagen. Und auch viele alteingesessene Hochschulen wie die FU Berlin oder die Universität Duisburg-Essen bieten mittlerweile Fernstudiengänge mit digitalen Elementen an. Mancherorts gibt es mittlerweile auch klassische Präsenzstudiengänge, in denen nur die Klausuren digitalisiert sind. Da geht es dann aber nicht um Flexibilität, sondern vor allem um einen geringeren Korrekturaufwand für die Dozenten.

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