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Studieren mit Kind : Zwischen Fläschchen und Vorlesung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z./Tresckow

Während des Studiums Eltern zu werden, ist schwierig. Oft folgen lange Studienzeiten und eine hohe finanzielle Belastung. Manche Unis erleichtern das Studieren mit Kind jedoch erheblich. Und manche Studenten planen die Familiengründung ganz bewusst während der Unizeit.

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          Manchmal habe ich gezweifelt, ob ich meinen Abschluss und meine Kinder Cseyyid und Suheyl unter einen Hut bringen kann“, gesteht Suzan Stutz. Die Geschichts-Promotionsstudentin ist mit ihren sieben- und zweijährigen Söhnen eine von etwa 94 500 Studierenden in Deutschland, die mindestens ein Kind haben. Das sind 5 Prozent aller angehenden Akademiker, wie die aktuellste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) zeigt. Nachwuchs während der Hochschulausbildung können sich die wenigsten vorstellen: In einer Umfrage der HIS Hochschul-Informations-System GmbH zu studentischen Lebensentwürfen gaben 6 Prozent der Studierenden an, keine Kinder haben zu wollen, und 19 Prozent sagten, sie wüssten noch nicht, ob sie Eltern werden möchten. Drei Viertel der Befragten wollen zwar mindestens ein Kind haben; allerdings können sich nur 2 Prozent vorstellen, noch während des Studiums ein Kind zu bekommen.

          Auch die 30 Jahre alte Suzan wollte nicht früh Mutter werden. „Das war wirklich ein Schock“, sagt sie. Ihr Mann Daniel, 31 Jahre, studierte damals ebenfalls noch. Mit der Schwangerschaft, sagt die Studentin, sei der Uni-Abschluss am Karlsruher Institut für Technologie in weite Ferne gerückt. Sie musste zwei Urlaubssemester wegen der Geburten einlegen. Erst jetzt, im 18. Semester, ist das Ende in Sicht.

          Studieren, Geld verdienen, Kind betreuen - eine Dreifachbelastung

          40 Prozent der Studierenden mit Kind haben laut DSW-Sozialerhebung ihr Studium schon unterbrochen, unter den Kommilitonen ohne Kind sind es rund ein Viertel weniger. „Ohne meine Eltern hätte ich das alles nicht geschafft“, sagt Suzan. Weil die Familie sie unterstützte und ihr Mann einen Vollzeitjob neben dem Studium annahm, klappte es. Wie die DSW-Sozialerhebung zeigt, arbeiten rund 77 Prozent der Studierenden mit Kind; dies sind deutlich mehr als in der Gruppe der kinderlosen Studenten. „Das ist natürlich eine dreifache Belastung: studieren, Geld verdienen und das Kind betreuen“, sagt Nadja Brachmann, die bis vor wenigen Tagen Frauenreferentin des Unabhängigen Studierendenausschusses (UStA) an der Uni Karlsruhe war.

          Suzan hat Glück: Ihr älterer Sohn geht zur Schule, für ihren Jüngsten ist nach einjähriger Wartezeit ein Kita-Platz frei geworden. Bestellt hatte sie die Anmeldeformulare, als Suheyl, ihr jüngster Sohn, noch nicht auf der Welt war. Denn die 84 Plätze der Studentenwerks-Tagesstätten in Karlsruhe sind heiß begehrt. Derzeit stehen zwischen 60 und 80 studentische Eltern auf der Warteliste. Kleinkinder unter einem Jahr werden zunächst in dem Container einer Elterninitiative betreut. „Der war als Übergangslösung geplant und steht jetzt schon seit sieben Jahren ohne Zaun und nicht richtig isoliert da“, sagt Brachmann. Sie ärgert sich über die Zustände am Karlsruher Institut für Technologie. Auf dem Campus gebe es nur zwei Wickeltische und die auch nur in den Damentoiletten. Die Hochschulgebäude seien nicht alle kinderwagengerecht. Und Stillräume gebe es gar keine. „Vernünftige Kinderbetreuung würde hier aber am meisten bringen“, meint Brachmann. Das gelte umso mehr, weil Eltern, die ihr Kind mit in die Vorlesung nähmen, nicht immer Verständnis entgegengebracht werde. Brachmann erzählt von einer Mutter, zu der ein Dozent gesagt habe, „lieber ein Hund als ein Kind in der Vorlesung“.

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