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Studieren mit Kind : Vorlesung mit Frida

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Melanie, Maria und Yngve gehören zu den rund fünf Prozent der deutschen Studenten, die Kinder haben. Das geht aus der Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2012 hervor. Die Studie wird schon seit 60 Jahren alle drei Jahre erhoben und untersucht die Lebensumstände deutscher Studenten. Laut der Studie denken immer weniger Studenten so wie die jungen Eltern aus Frankfurt und München. Hatten 2006 noch sieben Prozent der Studenten Kinder, waren es 2009 nur noch fünf. Die Studie ermittelt jedoch nicht, ob die Studenten sich bewusst für ihr Kind entschieden haben.

Wohin bloß mit dem Kind?

Melanie aus München kennt nicht viele Studenten mit Kind. Die meisten Kommilitonen haben also kaum eine Ahnung davon, mit welchen Schwierigkeiten die jungen Eltern im Alltag zu tun haben. Vor allem das Kind gut unterzubringen, wenn man eine Vorlesung oder ein Seminar besuchen will, gehört dazu. Die junge Familie - Melanie, Thomas und Luise - wohnt nicht direkt in München, sondern im Umland. In ihrem Dorf können Kinder erst ab einem Jahr in die Krippe. Deshalb brachte Melanie Luise nach ihrem Urlaubssemester in das „Kinderzimmer“ der TU, wo eine externe Babysitter-Agentur mit Zuschüssen der Uni stundenweise Kinder von Studenten betreut. Seit sie eineinhalb Jahre alt ist, besucht Luise nun drei Tage pro Woche die Krippe ihres Wohnortes und auch die Omas, die ebenfalls vor Ort sind, springen je einen Nachmittag ein.

Melanie Heller mit Luise 2012 auf dem Garchinger Campus der TU München.
Melanie Heller mit Luise 2012 auf dem Garchinger Campus der TU München. : Bild: Astrid Eckert/TU München

Die Betreuung im „Kinderzimmer“ war für Melanie aber nicht optimal: „Einen Bezug zu den Betreuern entwickelt das Kind dort nicht.“ Sie gibt sich trotzdem dankbar, dass die TU sich seit einigen Jahren bemüht, familienfreundlicher zu werden. Studenten können sich schon während der Schwangerschaft im Familienservice Rat holen, wie sie Studium und Kindererziehung unter einen Hut bringen. Und auch die Akzeptanz studentischer Eltern sei vor allem an ihrer Fakultät für Informatik und Mathematik groß, sagt Melanie. „Eine meiner Professorinnen hat mir sogar erzählt, sie bereue es, dass sie ihr Kind erst spät bekommen habe.“ Für ein zweites sei es dann zu spät gewesen.

Auch an Yngves und Marias Fakultät in Frankfurt freuten sich viele Kinderlose mit den jungen Eltern am Kind. Etliche Professoren hatten nichts dagegen, dass sie Frida manchmal in Vorlesungen und Seminare mitbrachten. Beide waren froh darüber, denn sie können, wenn es um die Betreuung von Frida geht, nie auf die Großeltern setzen. Denn Yngves Eltern wohnen in Hamburg, Marias Familie bei Weimar. Mal kurz einen Nachmittag auf das Enkelkind aufpassen, das geht also nicht. Dafür haben Yngves Eltern sie mental unterstützt: Sie haben ihnen vorgemacht, dass Studium und Kind vereinbar sind. Sie selbst hatten Yngve und seine ältere Schwester bekommen, als der Vater noch Medizin studierte. Yngves Mutter, eine Krankenschwester, hatte in dieser Zeit die Familie allein ernährt. Wenn Yngve und Maria davon erzählen, merkt man, dass sie das ermutigt hat, sich ihren Kinderwunsch auch schon während des Studiums zu erfüllen und dass sie auch deshalb wussten, was auf sie zukommt.

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