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Studieren in Holland : Praxisnähe und kurze Wege

  • -Aktualisiert am

Modern und mitten im Grünen: Der Campus Wageningen lädt zum Lunch im Freien ein. Bild: Universität Wageningen

Für ein internationales Studium an einer Spitzenuni muss man nicht weit reisen. Denn das gibt es nebenan in den Niederlanden. Und die Atmosphäre ist nicht nur wegen der vielen Fahrräder gemütlich.

          5 Min.

          Direkt hinter der Grenze, nur 30 Kilometer von Aachen entfernt, liegt Maastricht. Eine gemütliche Stadt mit 120.000 Einwohnern im südlichsten Zipfel der Niederlande, mit historischem Stadtzentrum und bekannt für gedeckten Obstkuchen. Nur knapp verpasste sie den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2018“. Eine Welt(klasse)stadt ist sie trotzdem: Die nur 40 Jahre alte Universität Maastricht hat 16.000 Studenten aus aller Welt und wurde zuletzt unter den hundert weltbesten Universitäten geführt. Besonders glänzt sie im Fach European Studies. „Dort belegen wir jedes Jahr Spitzenplätze“, sagt Christopher Dürr über seinen Bachelor-Studiengang.

          Die Rankings waren nicht sein einziger Beweggrund, nach Maastricht zu ziehen. Die Lehre ist stark international ausgerichtet und orientiert sich am Konzept des problembasierten Lernens. Das heißt, dass der Student im Zentrum stehen soll, vom ersten Tag an in Kleingruppen von maximal zehn bis zwölf Studenten lernt und das neue Wissen etwa in Fallstudien anwendet. „Die Vorlesungen sind hier nur eine Ergänzung“, sagt Christopher Dürr. Das sei verschulter, als man es von deutschen Universitäten gewohnt sei. Dafür lerne man mehr.

          Dürr erzählt gern von seiner Zeit in Maastricht. „Die Maastrichter sind sehr offen und freundlich. Hier wird eine wahre Willkommenskultur gelebt.“ Viele sind über Geschäftstätigkeiten mit Deutschland oder Belgien verbunden, viele arbeiten für die Universität. „Das sorgt für eine sehr internationale Atmosphäre. Die Maastrichter beherrschen oft vier Sprachen: Niederländisch, Englisch, Französisch und Deutsch.“ Außer Medizin und Psychologie wird jedes Fach an der Universität komplett auf Englisch unterrichtet. Etwa die Hälfte der Studenten kommt aus dem Ausland. Damit ist die Universität die internationalste in den Niederlanden. Deswegen sei sie auch so erfolgreich, meint Dürr.

          Konstant auf dem ersten oder zweiten Platz

          Die Deutschen machen nach wie vor die größte Gruppe aus. Obwohl sie relativ weniger werden, kommt noch immer ein knappes Drittel der Studenten aus Deutschland, „im Studiengang International Business sogar mehr als 80 Prozent.“ Nicht nur Maastricht ist ein beliebtes Studienziel für internationale Studenten. Jedes Jahr zieht es mehr als 90.000 von ihnen in die Niederlande, darunter 26.000 Deutsche. Das ist ein stattliches Siebtel aller Studenten. Zudem bietet kaum ein anderes Land ein so breites Spektrum an englischsprachigen Programmen, insgesamt sind es mehr als 2100.

          Zum Vergleich: In Deutschland - an mehr als 110 Universitäten - sind derzeit laut dem Akademischen Austauschdienst DAAD derzeit nur 1018 zu finden. In den Städten nahe der Grenze gibt es sogar Studienangebote auf Deutsch. Knapp eine Fahrstunde von Münster entfernt, an der Fachhochschule in Enschede, kann zumindest das erste Jahr des Physiotherapiestudiums auf Deutsch absolviert werden. Einen weltweit guten Ruf genießen die niederländischen Universitäten noch dazu. Im World University Ranking belegen sechs der 14 Universitäten Plätze unter den ersten einhundert, elf sind unter den besten zweihundert.

          In Deutschland sind es zwölf, von allerdings weitaus mehr Universitäten. Besonders hoch im Kurs steht die Universität Wageningen. Spezialisiert auf Agrar-, Lebens- und Umweltwissenschaften, ist sie eine der besten in ihrem Feld. Die Professoren forschen hier etwa an Algen, aus denen elektrischer Strom wird, oder an Tierfutter aus Insekten. „In Europa sind wir unangefochten die Nummer eins“, erklärt Justus Wesseler, Professor für Agricultural Economics and Rural Policy. In weltweiten Rankings belegt die Universität konstant den ersten oder zweiten Platz.

          „Mit vielen ist man hier per du“

          Etwa 10.000 Studenten sind in Wageningen eingeschrieben, davon kommen 430 aus Deutschland. Ayla Schwarz ist eine von ihnen. Die Antwort auf die Frage, warum sie ein Studium in den Niederlanden vorzog, fällt ihr leicht. „Das Studium hier ist viel praxisorientierter.“ Seit vier Jahren studiert sie Kommunikationswissenschaften in Wageningen mit Schwerpunkt auf Gesundheit und Ernährung. „So eine Ausrichtung gibt es in Deutschland gar nicht“, ist sie sich sicher.

          Justus Wesseler wechselte vor einem Jahr von der TU München nach Wageningen. „Hier kann ich einen deutlich größeren Forschungsimpact erzielen“, begründete der in Göttingen promovierte Professor. Agrarwissenschaften haben in den Niederlanden eine viel größere Bedeutung. „Allein im sozialwissenschaftlichen Teilbereich sind in Wageningen rund 100 Akademiker beschäftigt. In Göttingen waren es neun, in München sogar nur fünf.“ Der niederländische Staat würde deutlich mehr Forschungsmittel zur Verfügung stellen.

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