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Studieren im Ausland (11) : Maastricht – mit den Dozenten auf Du und Du

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„Viele Studenten sagen, dass sie hier härter arbeiten“

Weniger anwendungsbezogen geht es im Fach European Studies zu. Programmleiterin Versluis verweist auf das Konzept, das Geschichte, Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, aber auch kulturelle Studien umfasst. „Wir geben allgemeine Themen und Literatur vor. Die Arbeitsgruppen stehen unter Vorsitz eines Studenten“, sagt Versluis. Das Studienjahr ist in fünf Phasen von jeweils acht Wochen eingeteilt, an deren Ende Prüfungen stehen. Schmunzelnd sagt Versluis: „Viele Studenten sagen, dass sie hier härter arbeiten.“ Das liege auch daran, dass viele der Deutschen durch einen dem Nachbarland oft nachgesagten Arbeitseifer auffielen.

Der Hinweis darauf löst unter vier deutschen Studentinnen Heiterkeit aus. Die Hessin Nicola Bauer, die im zweiten Jahr European Public Health studiert, spricht prompt vom „German Run“. Gemeint sei die Angewohnheit, pünktlich um 8.30 Uhr in der Bibliothek zu erscheinen und die besten Plätze zu besetzen. Reizvoll an Maastricht sei der interdisziplinäre Ansatz, sagen Klara Strecker und Nicolle Becke, die im zweiten Jahr European Studies studieren. Auf die Frage, warum so viele Landsleute sich für Maastricht entscheiden, antwortet die Kölnerin Strecker: „Das Interdisziplinäre führt dazu, dass viele kommen, weil sie nicht wissen, was sie genau studieren wollen.“ Nicht wenige scheiterten nach einem Jahr – trotz Gruppenarbeit. „Das problembasierte Lernen ermöglicht es uns, offen die Meinung zu sagen, aber auch die der anderen zu achten“, fügt Strecker hinzu. Die flachen Hierarchien lobt die Düsseldorferin Becke: „Man duzt sich mit den Professoren und trinkt auch mal einen Kaffee mit ihnen.“

Jenseits des studentischen Alltags haben Strecker und Bauer Zeit und Muße gefunden, die Initiative „Foodsharing“ zu gründen. Ziel ist es, Lebensmittel zu sammeln und an Hilfsbedürftige zu verteilen. Aurelia Streit, die einen migrationspolitischen Master-Studiengang absolviert, ist Begründerin des „Refugee Project Maastricht“, das sich um 600 Flüchtlinge in der Stadt kümmert. Die Braunschweigerin sieht ebenfalls einen Trumpf der Universität darin, die Studenten zu kritischem Denken zu ermuntern.

Lästige Zimmersuche

Allerdings: Auch in Maastricht kann die Zimmersuche lästig sein. Oft werden mehr als 350 Euro als Monatsmiete verlangt. Studentenwohnheime sind Mangelware. Viele Studenten kommen in Wohngemeinschaften unter. „Manche Häuser sind in einem schlechten Zustand“, gibt Nicola Bauer zu bedenken. Mehr als 10.000 Mitglieder zählt die mit dem Ziel gegenseitiger Hilfe – nicht nur bei der Suche nach einer Bleibe – gegründete Maastrichter Facebook-Gruppe „Sharing is Caring“. „Jeder hilft dem anderen“, sagt auch Programmleiterin Versluis. Das gelte im Studium und bei der Suche nach Praktika. Mit Rat und Tat stünden zudem viele ehemalige Studenten bereit.

Universitätspräsident Paul schmiedet derweil Zukunftspläne. Denn die Räumlichkeiten in der Stadt seien begrenzt. 20.000 Studenten könnten es künftig sein. Paul sieht „Wachstumspotential“ – und meint eine noch stärkere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft in der Region. Er erwähnt Zukunftsbranchen wie die Medizintechnik. Es gelte zudem, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Dann fällt im Gespräch der Name des Kanadiers Dumontier, den in Maastricht manche wie einen Neuzugang im Profifußball feiern. Paul sagt augenzwinkernd: „Ja, man kann einen Vergleich mit einem Fußballer wie Lionel Messi ziehen.“ Aber: „Uns kommt es auch sehr darauf an, den eigenen Nachwuchs und Talente zu fördern.“

Pralles Leben

Platielstraat und Koestraat: Wer ins klassische Studentenleben eintauchen will, wird in der Altstadt rings um den Hauptplatz Vrijthof fündig. Mit traditioneller Maastrichter Kneipenkultur warten zum Beispiel die Platielstraat und die etwas weiter südlich gelegene Koestraat auf.

Kulturzentrum „Lumière“: In einem ehemaligen Kraftwerksgebäude des örtlichen Steingutherstellers Sphinx ist das nördlich des Stadtzentrums gelegene Kulturzentrum „Lumière“ entstanden, das mit Kino und Gaststättenbetrieb in stimmungsvoller Umgebung aufwartet.

TEFAF: Das Kürzel steht für „The European Fine Art Fair“ und eine international führende Kunstmesse. Jedes Jahr im März können Händler und andere Kunstliebhaber sich einen Überblick über fast alles verschaffen, was der Markt hergibt, nicht zuletzt an alten Malereien. Bei der jüngsten Ausgabe drängten sich 275 Aussteller und 71.000 Besucher im Maastrichter Messezentrum MECC (www.tefaf.com).

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