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Studienplatzvergabe : Das lange Warten auf die neue ZVS

  • -Aktualisiert am

Diese Studenten haben zwar einen Studienplatz, aber nur einen Sitzplatz auf dem Gang Bild: ddp

Die Internetseite Hochschulstart.de sollte das Chaos in der Studienplatzvergabe beenden. Doch die Einführung wird abermals verschoben.

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          Vor knapp sieben Jahren haben die Landesregierungen die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) abgeschafft. An ihre Stelle trat die Stiftung für Hochschulzulassung. Ihre Aufgabe ist, ein zentrales System für die Vergabe von Studienplätzen anzubieten, an das sich zumindest die in der Hochschulrektorenkonferenz organisierten 266 Universitäten mit ihren Campussystemen anschließen. Der Bund stellte 15 Millionen Euro für die Entwicklung dieses Zentralsystems mit dem Namen Hochschulstart.de bereit. Es sollte im vergangenen Jahr zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Wegen technischer Probleme wurde der Beginn auf das kommende Wintersemester verschoben. Nun sieht es danach aus, dass es wieder nicht kommen wird.

          Zu jedem Wintersemester bricht an den knapp 400 deutschen Hochschulen ein Bewerbungs-Tohuwabohu aus. Denn nicht wenige der jeweils rund 350.000 Studienplatzbewerber reichen ihre Unterlagen bei mehreren Hochschulen ein. Das verbessert ihre Chancen auf einen Studienplatz ganz erheblich, birgt aber allgemeine Probleme: Die Bewerber mit den guten Erfolgschancen erhalten in der Regel gleich von mehreren Universitäten eine Zusage. Bis sich der Anwärter auf den Studienplatz dann für seine künftige Alma Mater entschieden und den übrigen Hochschulen abgesagt hat, vergehen einige Woche. Solange sind die zugesagten Studienplätze blockiert. Es wird geschätzt, dass deshalb zum laufenden Wintersemester rund 17.000 Studienplätze nicht besetzt werden konnten - in Zeiten, in denen doppelte Abiturjahrgänge an die Hochschulen drängen, ist dies besonders unerfreulich.

          Staatsräson verhindert Wechsel

          Nun sieht es danach aus, dass es auch in diesem Jahr nicht klappen wird, das System zum Laufen zu bringen. Es funktioniert trotz mehrfacher Nachbesserungsarbeiten der mit der Entwicklung beauftragten Telekom-Tochter T-Systems immer noch nicht. Probleme bereitet der Datenabgleich zwischen dem Zentralsystem und den Campussystemen des Marktführers Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover. Campussysteme anderer Anbieter wie der Hamburger Datenlotsen arbeiten hingegen problemlos mit dem zentralen Portal zusammen. Da läge es für die rund 200 HIS-Kunden nahe, auf ein anderes Campussystem umzusteigen. Das ist aber nicht ohne weiteres möglich. Die HIS GmbH ist nämlich nicht nur Marktführer für Campussysteme. Sie gehört auch zu einem Drittel dem Bund und zu zwei Dritteln den Ländern. Ein Wechsel auf ein anderes Campussystem kommt anscheinend schon aus Gründen der Staatsräson nicht in Frage.

          Klaus Landfried, der langjährige frühere Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, hat deshalb vorgeschlagen, das alte papierbasierte ZVS-Verfahren übergangsweise wieder einzuführen, bis ein elektronisches System funktioniert. Das wollen aber weder die Bundesländer noch die Bundesregierung. Stattdessen wollen sie zum Wintersemester einen Pilotbetrieb mit etwa 40 Hochschulen hinbekommen. Ob das klappt, ist freilich ungewiss.

          Thüringen protestiert

          Protestiert hat der thüringische Wissenschaftsminister Christoph Matschie. Doch dessen Vorschlag, einen Neuanfang in Sachen Webportal für die Studienplatzvergabe ohne HIS zu machen, ist in den anderen Bundesländern und im Berliner Wissenschaftsministerium zurückgewiesen worden.

          Dass das elektronische System nicht funktioniert, ist auch deshalb bedauerlich, weil die dahinterstehende Idee bestechend ist: Jeder Bewerber kann online bis zu zwölf Wünsche eingeben. Die Hochschulen wählen dann nach ihren Kriterien die Bewerber aus. Bei einem Studienplatzangebot wird der Bewerber über das Portal benachrichtigt und kann sich online für oder gegen dieses Angebot entscheiden. Entscheidet er sich für eine Hochschule, wird sein Name sofort automatisch aus allen anderen Listen gestrichen. Er blockiert also keine weiteren Studienplätze mehr.

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