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Studienorientierung : Suche Zukunft – biete mich

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In den vergangenen Jahren ist der Markt für Berufscoaching stark gewachsen. Neben Einzelkämpfern gibt es ganze Institute, die sich darauf spezialisiert haben, Schülern bei der Berufswahl zu helfen. Mit unterschiedlichen Methoden wollen sie jungen Menschen zum richtigem Beruf verhelfen. Gemeinsam haben sie vor allem eins: Ihre Leistungen lassen sie sich gut bezahlen. Wenn sich jemand für ein Coaching entscheide, sei es wichtig, die Qualifikationen des Coaches genau anzuschauen. Das sagen sowohl Annette Gröger als auch Daniela Wilke. Sie rät Unentschlossenen, einfach mal anzufangen, sich damit zu beschäftigen, was man eigentlich machen möchte. Oft sei das eine große Hürde. Außerdem will sie Vorurteile gegenüber Beratungen in der Arbeitsagentur ausräumen: „Wir schlagen nicht bloß Mangelberufe vor. Die Beratung ist neutral“, sagt sie. Außerdem sei sie kostenlos. Sie nehme sich für eine Erstberatung mindestens eine Stunde Zeit, betreue bei Bedarf auch über einen längeren Zeitraum und versuche, bei Motivationsproblemen zu helfen.

„Würde mir wünschen, dass nicht so ein Zeitdruck aufgebaut wird“

„Am Ende konnte ich selbst beantworten, was ich will“, sagt Viktoria Mank über die Beratung bei Annette Gröger. Sie studiert jetzt Grundschullehramt und ist sich sicher, dieses Mal die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Johannes Leistners Studienwahltests schlugen Materialwissenschaft oder Milchtechnolgie vor. In der Beratung wurde aber klar, dass er etwas mit Praxisbezug braucht. Sein Ziel ist jetzt Medizin: „Wenn man sich vor dem Abitur entscheidet, kann man besser bewerten, wie sehr man sich noch anstrengen muss“, sagt er. Er macht sich jetzt noch ein bisschen mehr Druck, Medizinstudienplätze zu bekommen ist bekanntlich eine Herausforderung.

Obwohl Viktoria Mank zufrieden mit ihrer Entscheidung zum Coaching ist, findet sie, es sollte nicht die Regel werden, dass andere eine solche Hilfe benötigen: „Ich würde mir wünschen, dass junge Menschen irgendwo anders Orientierung finden und dass nicht so ein Zeitdruck aufgebaut wird.“

Heinz-Peter Meidinger sagt, dass die Orientierung für Beruf oder Studium eben ihre Zeit brauche und auf mehreren Ebenen stattfinde, meistens zu Hause und in der Schule. „Ich glaube nicht, dass ein Coaching einen langfristigen Findungsprozess ersetzen kann“, sagt er – und hat Ideen, wie dieser Findungsprozess zu verbessern wäre: Man sollte sich mit eigens dafür eingestellten Fachkräften an Schulen „frühzeitig um einzelne Schüler kümmern“. In einer langfristigen Beratung sollten Schüler dann auch mit Partnern aus der Wirtschaft zusammengebracht werden.

Viktoria Mank ist auch nach mehreren Semestern noch überzeugt, das richtige Studium ausgesucht zu haben. Und Johannes Leistner hat einen klaren Plan vor sich und ist „ziemlich sicher“, die richtige Entscheidung zu treffen: Er will nach dem Abitur auch keine Zeit vertrödeln. „Ich möchte mich im Ausland so fokussieren, dass es mir hilft, mich zu entscheiden“, sagt er. Dafür will er ein halbes Jahr auf ein Medizinschiff nach Asien gehen und Vorpraktika fürs Medizinstudium machen.

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