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Studienkredite : Studieren auf Pump

  • -Aktualisiert am

Sich mit Hilfe eines Darlehens ganz aufs Studium konzentrieren? Das ist verlockend - aber birgt auch Gefahren. Bild: dpa

Wer kein Bafög bekommt, kann sich mit Krediten ein Studium finanzieren. Das spart den Studentenjob und hilft, sich voll aufs Lernen zu konzentrieren. Aber Vorsicht vor der Schuldenfalle!

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          Die ersten Wochen des Sommersemesters sind vorbei, und so mancher Student grübelt über einen rapide schwindenden Kontostand, denn ein Studium ist nicht günstig. Da sind Studienkredite ein Lichtblick - könnte man meinen.

          Sechs Prozent der deutschen Studenten finanzieren sich ihr Studium auf Pump. Die Kredite ermöglichen es ihnen, sich voll und ganz auf das Lernen zu konzentrieren oder ihr (Wunsch-)Studium überhaupt erst aufzunehmen. Durch einen erfolgreichen Abschluss und den anschließenden Einstieg in ein gut bezahltes Berufsleben ist die spätere Rückzahlung des Kredits scheinbar kein Problem. Doch das ist zu kurz gedacht: Nicht selten ist die Schuldenlast nach der Entlassungsfeier, und erst recht bei vorzeitigem Studienabbruch, kaum mehr zu stemmen. Was also ist die beste Studienfinanzierung?

          Bevor Studenten überhastet ein Darlehen vereinbaren, sollten sie prüfen, wo sie ihre Ausgaben reduzieren können, rät das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Und wenn das nicht mehr möglich scheint, kommen vor einem Kredit noch andere Finanzierungswege in Betracht. So erhalten 87 Prozent der Studenten Unterstützung durch ihre Eltern, 63 Prozent bessern ihren Kontostand mit einem Nebenjob auf. Knapp ein Drittel bezieht Bafög, also staatliche Unterstützung, die je zur Hälfte als rückzahlungsfreier Zuschuss und als zinsloses Darlehen gewährt wird. Bezugsberechtigte erhalten im Durchschnitt 433 Euro im Monat, der Höchstbetrag beläuft sich auf 670 Euro. Ob und in welcher Höhe Studenten Anspruch auf Bafög haben, ergibt sich aus dem eigenen Einkommen und Vermögen und dem der Eltern oder des Ehepartners, falls sie schon verheiratet sind. Wer die Fachrichtung wechselt oder sich mit dem Studium zu viel Zeit lässt, kann seinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung verlieren. Auch Bafög ist also nicht für jeden eine Lösung.

          Bei der KfW werden die Zinsen sofort einbehalten

          Erst jetzt sollten Studienkredite und Bildungsfonds ins Spiel kommen. Der Großteil der Studienkredite wird in Deutschland durch die nationale Förderbank KfW vergeben, die Abwicklung erfolgt über Banken und Sparkassen. Unabhängig von Einkommen und vorhandenen Sicherheiten zahlt die KfW monatlich zwischen 100 und 650 Euro, den Betrag dürfen die Studenten selbst festlegen. Die ausgezahlte Summe reduziert sich jedoch um die Zinsen, die sofort einbehalten werden. Der effektive Jahreszins beträgt gegenwärtig 4,16 Prozent, gezahlt wird je nach Alter des Schuldners maximal drei bis sieben Jahre lang.

          Die Rückzahlung beginnt 6 bis 23 Monate nach dem Ende der Förderung und muss nach 25 Jahren beziehungsweise mit Erreichen des 67. Lebensjahres abgeschlossen sein. Die monatliche Mindestrate beträgt dabei nur 20 Euro. Wurde der Kredit jedoch maximal ausgeschöpft, sind über 25 Jahre mehr als 290 Euro pro Monat zur Tilgung nötig. Das Risiko: Wer keinen oder einen nur schlecht bezahlten Job findet, läuft Gefahr, immer tiefer in die Schulden zu rutschen. Härteklauseln gibt es für diese Fälle nicht.

          Bildungsfonds: Das Überschuldungsrisiko vermeiden

          Dieses Überschuldungsrisiko wird bei Bildungsfonds ausgeschlossen. Anstatt wie bei einem Kredit die geliehene Geldsumme zuzüglich Zinsen zurückzuzahlen, verpflichten sich geförderte Studenten, beim Eintritt ins Berufsleben über einen festgelegten Zeitraum einen bestimmten Prozentsatz ihres Bruttogehalts an den Fonds zu zahlen. Gängig sind hierbei vier bis zehn Prozent über vier bis acht Jahre. Dabei kann ein Interessent zwischen zwei Vertragsvarianten wählen: Entweder zahlt er für kurze Zeit einen hohen Prozentsatz an den Fonds, oder er streckt die Zahlungen, indem er für einen geringeren Prozentsatz eine längere Zahlungsdauer akzeptiert. Kommen Arbeitslosigkeit oder Schwangerschaft dazwischen, werden die Zahlungen ausgesetzt und bei erneuter Erwerbstätigkeit zu einem erhöhten Prozentsatz fortgeführt.

          Diese Regelung mindert auf der einen Seite das Risiko, Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen zu können. Auf der anderen Seite besteht das Risiko, dass der Exstudent aufgrund seines hohen Einkommens mehr an den Fonds zurückzahlen muss, als er es bei einem regulären Studienkredit getan hätte.

          Dieses auch als „umgekehrter Generationenvertrag“ bekannte Modell geht auf den Nobelpreisträger Milton Friedman zurück. In Deutschland wurde es zunächst in Kooperation mit ausgewählten - hauptsächlich privaten - Universitäten angeboten. Inzwischen existieren aber auch Fonds, die nicht an eine bestimmte Hochschule gebunden sind. Dennoch ist diese Art der Finanzierung nicht für alle zugänglich. Während die KfW betont, Studenten aller Fachrichtungen gleiche Chancen auf einen Kredit einzuräumen, bedienen sich Fondsanbieter eines aufwendigen Auswahlprozesses - einschließlich Assessment Center und Telefoninterview.

          Sie fördern mit Vorliebe Studenten der Mint-Fächer, also der naturwissenschaftlichen und technischen Studiengänge. Kein Wunder: Je besser der akademische Nachwuchs später verdient, desto mehr muss er in den Fonds einzahlen. Die Career Concept AG, Pionier auf dem deutschen Markt, führte in der Vergangenheit auch einen Fonds, der Theater- und Kunststudenten unterstützte. Dieser wird inzwischen aber nicht mehr bedient.

          Bloß nicht das Studium abbrechen!

          Unabhängig davon, ob das Geld aus einem Kredit oder einem Fonds stammt, erwartet Begünstigte bei Studienabbruch das böse Erwachen. Denn dann wird die Rückzahlung sofort fällig - ungeachtet der ursprünglich vorgesehenen Zahlungsstruktur.

          Weniger risikoreich ist die Aufnahme von Geldmitteln, wenn die finanzielle Notsituation erst kurz vor Studienabschluss oder aufgrund eines unbezahlten Praktikums nach abgeschlossener Hochschulausbildung entsteht. Dann besteht die Chance auf Überbrückungs- oder Abschlussfinanzierungen, die günstigere Konditionen als reguläre Studienkredite aufweisen. Wenn die finanzielle Lage den Abschluss gefährdet, können Studenten beim Bundesverwaltungsamt für bis zu 7200 Euro einen sogenannten Bildungskredit zu einem Zins von 0,87 Prozent beantragen. Nach Genehmigung durch das BVA (Bundesverwaltungsamt) folgt die Vertragsabwicklung auf dem Postweg mit der KfW Bankengruppe. Fehlt nur noch die Abschlussarbeit, vergibt die E.-W.-Kuhlmann-Stiftung sogar zinslose Darlehen bis zu einer Höhe von 2000 Euro.

          Unabhängig davon, für welche Art der Finanzierung sich Betroffene entscheiden: Die Angebote werden individuell erstellt, und selbst Bildungsfonds machen bei den von ihnen geförderten Studiengängen Ausnahmen. Dabei ist zu prüfen, inwiefern die Anbieter die eigenen Studienpläne unterstützen. Denn nicht alle Verträge gelten auch für ein Auslandssemester oder ein eingeschobenes Praktikum. Außerdem müssen Studenten im Blick behalten, wie viel sie später verdienen können, um nicht in eine Schuldenfalle zu tappen. Denn grundsätzlich gilt: Studienkredite sind nicht nur ein Lichtblick, sie haben auch Schattenseiten.

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