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Studiengang Film : Ein Filmbudget von 2500 Euro

Bild: F.A.Z.-Tresckow

Chipstütensound, ausgeliehene Kameraleute und Catering von der Tante. Beim Studium an der Internationalen Filmschule Köln ist Einfallsreichtum gefragt. Und die Plätze sind begehrt.

          4 Min.

          Das klingt, als würde jemand über eine Chipstüte laufen." Kritisch schaut sich Hanno Olderdissen die Rohfassung seines Kurzfilms "Querfeldein" an. Auf dem Flachbildschirm irren drei Männer durch den Wald, und dabei knistert das Laub tatsächlich sehr laut. "Da ist eine Straße zu hören", wirft Tilman Hahn ein, "und jetzt ein Bachplätschern." Nicht alle Geräusche, die der 29 Jahre alte Regiestudent Olderdissen bei den fünftägigen Dreharbeiten im Bergischen Land aufgenommen hat, sind brauchbar. Die Schritte sollen feiner klingen, der Bachlauf soll sich bedrohlicher anhören, und der Straßenverkehr muß ganz weg. Schließlich sollen die Männer im Wald - ein Freier und zwei Stricher - verloren wirken.

          Christine Scharrenbroch
          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Nur knapp drei Wochen hat Sound-Design-Student Tilman Hahn, 27 Jahre alt, für die Tongestaltung Zeit. Das recht dunkle Studio der Internationalen Filmschule Köln (Ifs) nahe dem Friesenplatz ist momentan sein zweites Zuhause. Von neun Uhr morgens bis eins, halb zwei in der Nacht sitzt er an dem mit Digitaltechnik gespickten Arbeitsplatz. "Und danach muß ich erstmal wieder runterkommen." Dozent Eberhard Weckerle pflichtet ihm bei: "Das ist ein knalliges Pensum." Bei einer normalen Filmproduktion werde diese Arbeit von vier Leuten erledigt. "Ihr müßt sehen, daß ihr in der Kürze der Zeit den Film fertig macht, verzettelt euch nicht", rät er den Studenten. Welche Stimmung mit welcher Szene transportiert werden soll, müssen sie als nächstes überlegen. Dann gilt es, die Geräusche und die Musik auszusuchen. "Und am Ende soll keiner merken, daß irgend etwas am Ton gemacht worden ist", sagt Hahn. Die Stimmung zu beeinflussen, ohne bemerkt zu werden, ist Ziel der Sound-Designer. Wenn der 21 Minuten lange Film Ende November in der Filmschule der Branche vorgeführt wird, steht im Abspann: "Regie: Hanno Olderdissen, Sound Design: Tilman Hahn", dann folgen weitere Studentennamen, darunter auch Katrin Hohendahl, Produzentin von "Querfeldein". Das Aus- und Fortbildungsangebot der Ifs macht es möglich, die Filmteams fast komplett aus dem Haus zu besetzen. Nur die Kameraleute werden von der Fachhochschule Dortmund "ausgeliehen".

          Alle zwei Jahre 30 Plätze

          Vor sechs Jahren aus der Filmschule NRW und der Schreibschule Köln entstanden, bot die Ifs zunächst nur Weiterbildung an, die inzwischen zehn Fächer wie Kostümbild, Filmschnitt und Sound Design umfaßt. 2002 startete der dreijährige Studiengang Film mit den Schwerpunkten Filmregie, Drehbuch oder Kreativ Produzieren. Dank eines Abkommens mit der Fachhochschule Köln schließen die Absolventen mit dem "Bachelor of Arts" ab, obwohl die Ifs keinen Hochschulstatus besitzt. In Planung ist ein zweijähriger Masterstudiengang, der auf dem Bachelor aufbauen soll. Alle zwei Jahre stehen 30 Plätze im Studiengang Film zur Verfügung. 200 bis 250 Bewerbungen landen im Haus, am begehrtesten ist die Regieausbildung. "Das ist im Vergleich zu anderen Schulen eher wenig", sagt Geschäftsführerin Simone Stewens. Für viele stellten die Studiengebühren eine Hürde dar. Das versuche man durch unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten, unter anderen einen Darlehensfonds, aufzufangen. 3500 Euro müssen die Studenten im Jahr zahlen, das macht insgesamt 10 500 Euro. Die Gebühren decken mit 16 Prozent nur einen kleinen Teil des Etats der Schule ab. 64 Prozent kommen vom Land Nordrhein-Westfalen, 20 Prozent von der Filmstiftung NRW, der Rest sind Fördermittel und Sponsorengelder.

          Von den Bewerbern werden 40 zur Aufnahmeprüfung eingeladen. "Es ist gar nicht so einfach, herauszufinden, wie groß das künstlerische Talent ist", räumt Stewens ein. Objektive Parameter gebe es nur wenige: So läßt man die Regisseure nach kurzer Vorbereitung mit Schauspielern eine Filmszene inszenieren, die Autoren eine Geschichte entwickeln und die Produzenten den Robert-Altman-Film "The Player" hinsichtlich des Produktionsaufwands analysieren. Beobachtet wird in erster Linie, wie die Bewerber mit der Situation umgehen; ob die Regisseure sich - wie oft verschrien - als Diktatoren aufführen oder Vorschläge der Schauspieler annehmen.

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