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Studiengänge für Kreative : Tanzen und tanzen lassen

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Game Design an der Hochschule für Gestaltung

Ortswechsel: Hochschule für Gestaltung Berlin (BTK), auf einem Bildschirm erscheint ein Gnom. Csongor Baranyai steuert ihn mit der Tastatur seines Laptops durch einen virtuellen Wald. Autsch! Das Männlein fällt tot um, weil es einen bunten Giftpilz berührt hat. Baranyai lächelt fies. Er unterrichtet im Bachelor-Studiengang Game Design. Der Gnom ist ein Prototyp für ein künftiges Computerspiel. „Die Studenten haben ihn innerhalb weniger Tage entwickelt“, sagt der Professor.

Jetzt zeigt Paul Adlung sein Projekt, das er unlängst auf einer Fachmesse präsentiert hat: Ein Würfel gleitet durch einen Raum. Der 20 Jahre alte Student bewegt ihn dabei - um die eigene Achse, nach vorne, zurück, nach unten und oben. Dort öffnet sich ein neuer Raum, die spiegelverkehrte Version des ersten. In dieser Phantasiewelt kommt keine Figur zu Tode. „Es ist auch nicht das Ziel, dass jeder Charakter, den wir hier entwickeln, schießen kann“, sagt Adlung. „Im Gegenteil: Pazifistische Spiele sind beliebt.“ Immer mehr Frauen interessieren sich schließlich für Computerspiele. Viele Kundinnen wollen lieber virtuelle Welten aufbauen und sie pflegen, statt wild herumzuballern. Auch als Arbeitskräfte seien Frauen in der Branche häufiger zu finden als noch vor einigen Jahren, sagt Professor Stephan Günzel: „Sie sind oft in Design- und Entwicklungsabteilungen tätig.“

An der privaten Fachhochschule sind für das Fach Game Design 19 Männer und sieben Frauen eingeschrieben. Die 21 Jahre alte Kleo Kreitz hat schon eine Ausbildung als Maskenbildnerin hinter sich. Sie musste aber feststellen, dass sich viele Bühnenschauspieler nach einer kurzen Einweisung durch Maskenbildner selbst schminken - und die Chancen auf eine Stelle schlechter sind, als sie geglaubt hatte. Kreitz zog aus Köln nach Berlin, um ihr Wissen über Masken, Rollen und Verwandlungen auf einer anderen Ebene zu erweitern. Über ihr Game-Design-Studium sagt sie: „Stark technische Fächer, von denen ich früher dachte, dass ich das gar nicht kann, sind jetzt meine Lieblingsfächer.“

Viele Stellen sind später möglich

Kleo Kreitz und Paul Adlung erzählen begeistert von den vielen Großen aus der Branche, die gern an die BTK kommen und sich reichlich Zeit nehmen für den Austausch mit dem Nachwuchs. Der Philosoph und Spieleerfinder Stefano Gualeni etwa verbrachte vier Stunden in einem gemeinsamen Workshop. Neben den praktischen Fähigkeiten und dem Austausch in kleinen Studententeams stehen Fächer wie Kultur- und Medientheorie sowie Philosophie auf dem Lehrplan. „Wir legen Wert darauf, dass Studenten die aktuellen Diskussionen über Spiele und den Medienkonsum kennen“, sagt Stephan Günzel.

Und werden sie später einmal Art Director in einem Unternehmen, oder tüfteln sie als Freiberufler an neuen Spielen? Vieles ist möglich. Game Designer finden nicht nur bei Spieleherstellern eine Stelle. Ihre Kenntnisse sind auch gefragt, wenn neue Autos auf den Markt kommen. Der Kunde betritt dann ein virtuelles Autohaus, besteigt den Wagen und fährt durch die Stadt seiner Wahl. Es dauert allerdings eine Weile, bis sie so weit sind, eine solche Welt zu erschaffen. Kleo Kreitz sagt: „Für jeden Kurs müssen wir zu Hause das Doppelte an Zeit in die Vor- und Nachbereitung investieren.“

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