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Studiengänge für Kreative : Tanzen und tanzen lassen

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Ania Aristarkhova aus Russland erklärt ihre Choreografie.

Wenn eine deutsche Bühne vor 25 Jahren ein Musical wie Cats aufführte, waren vor allem Darsteller aus englischsprachigen Ländern zu sehen. Mittlerweile sind deutschsprachige Kollegen auch gut vertreten. Eine Ausbildung wird in fünf Städten angeboten: Wien, München, Essen, Osnabrück und Berlin. Das Studium Musical/Show an der dortigen Universität der Künste gibt es seit 1990, es dauert vier Jahre. Die Ausbildung in Berlin stehe in dem Ruf, die künstlerische Individualität stark zu fördern, erzählen die Studenten Dennis Hupka und Katharina Hierl. Gleichzeitig lernen sie, sich in ein Ensemble einzufügen.

„Als Kind wollte ich Schauspielerin werden“

Von klein auf investierten Hierl und Hupka viel Kraft und Zeit in ihre künstlerischen Aktivitäten. Beide erlernten mehrere Instrumente. Dennis Hupka fuhr eigens in die nächste Stadt, um Ballettunterricht zu nehmen. Sie spielten Hauptrollen bei Theaterprojekten an ihren Schulen. „Als Kind wollte ich Schauspielerin werden“, sagt die 23-Jährige. „Irgendwann merkte ich, dass mir das allein nicht ausreicht.“ Ähnlich erging es dem 24 Jahre alten Dennis Hupka. Tatsächlich müssen Musical-Darsteller auf drei Ebenen brillieren: Tanz, Gesang und Schauspiel. Damit habe er auf der Bühne auch mehr Gestaltungsmöglichkeiten, meint Hupka.

Für etwa zwölf Plätze pro Jahr melden sich 200 Interessenten. „Die Bewerber sind professioneller und leistungsorientierter als früher, aber auch braver“, sagt Peter Lund, der seit 2002 eine Professur am Studiengang innehat. Von den Studentinnen würde im Alltag kaum noch eine das Girlie geben, und auch echte Chauvis entdeckt er selten. „Dabei finden sich solche klassischen Geschlechterrollen in vielen Musicals“, sagt Lund. Während des Studiums haben die Darsteller aber Gelegenheit, bislang unbekannte Seiten an sich zu entdecken. Dennis Hupka und Katharina Hierl erzählen vom „Labor“. So heißt ein Kurs, der Studenten dazu bringen soll, ihre Grenzen auszutesten. So erhielt ein Student mal den Auftrag, ein Lied über die Essstörung Bulimie vorzutragen und dabei Apfelstücke und Käsestangen in sich hineinzustopfen. Vieles davon quoll beim Singen wieder aus dem Mund.

Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch nutzt auch die Ufer-Studios im Wedding.

Einige Studenten proben gerade für das sogenannte Intendantenvorsprechen: Jedes Jahr kommen etwa 20 Chefs von Musical- und anderen Bühnen in eine der fünf Städte, in denen die Ausbildung angeboten wird. Bei dieser Talentshow präsentieren sich Studenten aus dem deutschsprachigen Raum potentiellen Arbeitgebern. Katharina Hierl hat, wie alle anderen, seit Wochen dafür geübt. Jetzt tritt sie ans Piano, singt zur Klavierbegleitung ein Chanson. Jedes Detail ist wichtig: Wie lange soll sie sich auf dem Instrument abstützen, wann noch ein Stück Richtung Zuschauer gehen? Peter Lund gibt ihr ein paar schnelle Anweisungen. Hierl kennt sein rasantes Tempo seit langem: „Es ist okay, wenn wir während der Proben einen Fehler zweimal machen“, sagt sie später. „Wir sind auch daran gewöhnt, dass sich die Regieanweisungen während der Proben noch verändern können.“ Genauso wird es später im Arbeitsalltag sein.

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