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Studienanfänger : Die Flut nach Österreich ist ausgeblieben

Die deutschen Studenten müssen in Wien zwar nicht mit dem Fernglas gesucht werden - aber die Flut blieb aus Bild: AP

Unter deutschen Studienanfängern sind die Hochschulen im Nachbarland beliebt. Trotz doppelter Abiturjahrgänge blieb der Zuwachs aber hinter den Erwartungen zurück.

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          Deutsche Studenten zieht es auch in diesem Jahr wieder nach Österreich. Zum Wintersemester haben sich noch mal mehr Deutsche an den Hochschulen des Alpenstaates eingeschrieben. Doch ist der von vielen erwartete Ansturm aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge und des Endes der Wehrpflicht ausgeblieben. Die Zahl der Studienanfänger aus Deutschland liegt mit 6121 um 5 Prozent über dem Vorjahr. Damit kommen 12,4 Prozent der Neuzugelassenen aus Deutschland; im Wintersemester 2010/2011 waren es 11,3 Prozent. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh hatte freilich 10.000 deutsche Studienanfänger im kleinen Nachbarland prognostiziert. Den größten Zuwachs gibt es an der Universität Innsbruck; die Zahl der deutschen Studienanfänger ist von 901 auf 1108 gestiegen. An der Universität Salzburg ist die Zahl hingegen etwas geringer als vor einem Jahr. Besonders beliebt ist an beiden Hochschulen das Fach Psychologie: Fast drei Viertel der neuen Studenten kommen aus Deutschland. Ähnlich hoch ist der Anteil in den Ingenieurwissenschaften in Salzburg; er beträgt zwei Drittel.

          Michaela Seiser
          (ela.), Wirtschaft

          Der Anteil Deutscher an der Gesamtzahl der Studenten ist seit dem Wintersemester 2010/11 um 7 Prozent auf 25.773 gestiegen. Nach Österreich zieht es deutsche Studenten auch deshalb, weil dort seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2005 die Zulassungshürden für sie weggefallen sind. Seit 2000 hat sich die Zahl deutscher Studenten vervierfacht. Damit haben die Deutschen einen Anteil von gut 9 Prozent an der Studentenschaft in Österreich.

          Für den Vorsitzenden der Rektorenkonferenz, Heinrich Schmidinger, gibt es zwei Gründe, warum es nicht zu dem erwarteten Ansturm gekommen ist. Zum einen habe die Berichterstattung über die Studienbedingungen auf viele abschreckend gewirkt. Zum anderen hätten die inzwischen bestehenden Zugangsbeschränkungen in einigen Massenfächern gegriffen. So gibt es an der Universität Salzburg eine Obergrenze in den Fächern Publizistik und Psychologie.
          Hoffen auf die Deutschen

          Für Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) sind vor allem die in Deutschland ergriffenen Maßnahmen, unter anderem der deutliche Ausbau der Studienplätze, der Grund für die ausgebliebenen Studienanfänger. Er weist jedoch darauf hin, dass in einigen Fächern an österreichischen Hochschulen der Anteil deutscher Studierender sehr hoch ist. Töchterle pocht daher auf die bestehende Quotenregelung in den medizinischen Fächern. Zwar widerspricht ein solches Vorgehen der Gleichbehandlung aller EU-Bürger. Die EU-Kommission hatte allerdings im Jahr 2007 wegen der großen Zahl deutscher „Numerus-clausus-Flüchtlinge“ an Österreichs Medizinfakultäten ein Moratorium gewährt und kein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

          Damals wurde auch für Belgien ein ähnliches Verfahren ebenfalls bis 2012 ausgesetzt. Inzwischen haben in Belgien abgewiesene französische Studenten eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs erzwungen. Da die Richter die belgische Quote nun nicht aufgehoben, sondern zur weiteren Prüfung an das Verfassungsgericht in Brüssel zurückgegeben haben, ist es der EU-Kommission unbenommen, das Moratorium für Österreich zu verlängern. Töchterle ist zuversichtlich: „Wir haben seitens der Kommission Signale, dass das Verfahren derzeit ruhen bleibt.“

          Trotz der Kapazitätsengpässe im kleinen Nachbarland gibt es sogar eine Universität, die auf Deutsche hofft: Die Linzer Johannes-Kepler-Universität wirbt für ihre technisch-naturwissenschaftlichen Fächer um Studenten im angrenzenden Bayern. Grund dafür sei, dass man keine Studiengänge anbiete, auf die ein „Run“ deutscher Studenten stattfinde, sagt Vizerektor Herbert Kalb. Er strebt an, die Anzahl der Studenten von 18.400 bis 2015 auf 20.000 zu steigern.

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