https://www.faz.net/-gyl-6kzdq

Studienabbrecher-Quote : Himmel und Hölle für Ingenieure

Bild: F.A.Z./Tresckow

Die hohe Abbrecherquote von angehenden Ingenieuren ist ein volkswirtschaftliches Problem. Zwei Hochschulen zeigen, wie sie sich senken lässt.

          4 Min.

          Manfred Hampe ist unter den deutschen Professoren ein Exot. Landauf, landab klagen die Wissenschaftler über die Hochschulreform: Die neuen Studiengänge seien zu verschult, die neuen Abschlussbezeichnungen Bachelor und Master nicht aussagekräftig, der immense bürokratische Aufwand für die Bologna-Reform halte sie vom Forschen und Lehren ab. „Wir sind hier im Bologna-Himmel“, hält Manfred Hampe unverdrossen dagegen.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dabei geht es am Stadtrand von Darmstadt - auf dem Campus Lichtwiese der Technischen Universität, an der Hampe Maschinenbau unterrichtet - ganz handfest zu. Sogar während der Semesterferien wurden in der Halle schräg hinter dem Fakultätsgebäude Pneumatikzylinder zusammengesetzt. Vor drei Jahren nahm die Darmstädter Prozesslernfabrik hier den Betrieb auf, ausgestattet mit moderner Fräs- und Drehmaschine, mit einer Montagestation und einem Stand für die Qualitätskontrolle, 500 Quadratmeter Fläche insgesamt. So ähnlich, um bei Hampes Bild zu bleiben, müssen sich Maschinenbauer aus Südhessen den Himmel vorstellen.

          Früher entsprach die Abbrecherquote in Darmstadt dem Durchschnittswert

          Dabei ist es noch nicht lange her, da kamen auch hier nur sieben von zehn angehenden Ingenieuren bis zum Examen. Der Rest brach vorher ab, scheiterte an Prüfungen, gab frustriert auf und wechselte das Fach - oder fand schon vor dem Examen eine Stelle, so genau lässt sich das nicht feststellen. Die Abbrecherquote in Darmstadt jedenfalls entsprach ziemlich genau dem Durchschnittswert für die Fächer Maschinenbau und Elektrotechnik in Deutschland. Es sind die Fächer, deren Absolventen die Industrie seit Jahren händeringend sucht. Als Ingenieurlücke bezeichnet der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) das Phänomen, dass in den kommenden Jahren nach aller Voraussicht deutlich mehr Ingenieure in den Ruhestand gehen werden, als die Hochschulen ausbilden. 39.000 mangels Bewerbern nicht zu besetzende Stellen meldete der VDI schon in diesem Sommer. Die Ingenieurersatzrate, noch so eine Vokabel aus dem Wörterbuch von Verbandsfunktionären und Personalfachleuten, liegt bei kümmerlichen 0,9 - auf hundert altersbedingt ausscheidende Ingenieure kommen nur neunzig Absolventen, dabei steigt der Bedarf an Maschinenbauern und Elektrotechnikern. Dass ein Drittel der Studenten, die sich für derart gefragte Fächer eingeschrieben haben, auf der Strecke bleiben, ist deshalb ein Problem für die gesamte Volkswirtschaft.

          „Unser Präsident hat für alle Fachbereiche das Ziel ausgegeben, das mindestens 80 Prozent jedes Jahrgangs ihren Studiengang erfolgreich beenden sollen“, sagt Hampe. „Heute liegt unsere Erfolgsquote sogar bei 90 Prozent.“ Die Prozesslernfabrik, zu deren Finanzierung ein Dutzend Partnerunternehmen beitragen, ist einer der Bausteine für diese erstaunliche Entwicklung. Schon im ersten Semester des Bachelor-Studiengangs lernen alle Studenten sie kennen, eine Führung durch die Halle ist obligatorisch. „Viele haben bis dahin nur Handwerksbetriebe gesehen“, berichtet Felix Brungs über die Wirkung dieses Ausflugs in den Himmel der Ingenieure. Brungs ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Darmstädter Institut für Produktionsmanagement, zu dem die Fabrik gehört. „Hier bekommen die Studenten ein Gefühl dafür, worum es in ihrem Beruf vermutlich gehen wird“, sagt er. In den späteren Semestern bestehen Wahlmöglichkeiten, im sechsten stehen wieder verpflichtende Besuche in der Fabrik an: Die Vorlesung „Management industrieller Produktion“ findet je zur Hälfte im Hörsaal und zwischen den Maschinen statt.

          Praxis ist Bestandteil des Rezepts

          Weitere Themen

          Da ist guter Rat billig

          Karrieretipps für alle : Da ist guter Rat billig

          Wer beruflich durchstarten will, kann auf den Rat vieler Menschen zählen, die sich in Karrieredingen für ausgesprochene Fachleute halten. Manche Tipps sind wirklich bahnbrechend. Die Kolumne „Nine to five“.

          Wie funktioniert ein Splitboard? Video-Seite öffnen

          Snowboard-Hybrid im Test : Wie funktioniert ein Splitboard?

          Kein Lift, aber Lust auf eine Abfahrt mit dem Snowboard? Das Splitboard – ein Snowboard, das sich in zwei Tourenski teilen lässt – macht’s möglich. Wie der Umbau des Splitboards funktioniert, zeigt F.A.Z.-Redakteur Marco Dettweiler in unserem Video.

          Topmeldungen

          Die französische Axa hatte von 2015 bis 2017 eine moderate relative Stärke im europäischen Versicherungssektor inne.

          Konservative Strategie 2020 : „Aktien sind die besseren Anleihen“

          Die Aktienmärkte sind freundlich in das Jahr 2020 gestartet – guten Konjunkturdaten und einer Brexit-Lösung sei dank. In dieser Lage ist der Aktienkorb „Konservative Strategie 2020“ eine gute Wahl. Eine technische Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.