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Studentenumfrage : Lieber Kinder als Karriere

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Schon im Studium Kinder kriegen? Lieber nicht, sagt die Mehrheit der deutschen Studenten. Bild: Picture-Alliance

Den Traumjob ergattern um jeden Preis? Nein, sagen mittlerweile viele Studenten und würden fürs Kinderkriegen auf die perfekte Stelle verzichten. Was ihnen bei der Familienplanung trotzdem Kopfzerbrechen macht.

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          Betreuungsprobleme, weniger Geld, Teilzeitfalle: Eine Familie zu gründen verbinden die meisten Studenten auch im Jahr 2015 noch immer mit einem Karriereknick. Das Erstaunliche dabei: Trotz allem ist die Einstellung des akademischen Nachwuchses zu Kindern positiv: 70 Prozent der Studenten finden es wichtiger, eine eigene Familie zu gründen, als den Traumjob zu ergattern. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Personalvermittlungs-Unternehmens Univativ, das FAZ.NET vorab vorliegt. Die Studienautoren befragten 1742 Studenten quer durch alle Fachrichtungen zum Thema Kinder und Karriere.

          Bild: unicensus.de, Bearbeitung F.A.Z.

          Das Studienergebnis ist eine der seltenen positiven Nachrichten zum Thema. Denn im Welt-Vergleich werden hierzulande mittlerweile die wenigsten Kinder je Einwohner geboren, wie kürzlich eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zeigte. Danach kamen in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt 8,2 Kinder je 1000 Einwohner zur Welt. Das liegt unter dem Niveau des bisherigen Schlusslichts Japan von 8,4 Kindern je 1000 Einwohner.

          Unter den EU-Ländern schnitten nur Portugal (9,0) und Italien (9,3) ähnlich schlecht ab. Die anderen großen EU-Länder haben dagegen deutlich höhere Geburtenraten; Frankreich und Großbritannien kommen im gleichen Zeitraum auf durchschnittlich 12,7 Geburten je 1000 Einwohner.

          Der Zeitpunkt wird genau geplant

          Sieht die neue Studentengeneration dem Thema Kinderkriegen wieder offener entgegen? In der aktuellen Studentenumfrage geben mehr als 70 Prozent der Befragten an, dass sie schon genaue Vorstellungen dazu haben, wann sie Kinder planen. Mehr als ein Drittel möchte zunächst einige Jahre arbeiten und dann eine Familie gründen. Acht Prozent der Studenten wollen sofort Kinder bekommen, wenn sie ihre Probezeit hinter sich haben; sieben Prozent planen eine Mutter- oder Vaterschaft sogar schon unmittelbar nach dem Studienabschluss.

          Bild: unicensus.de, Bearbeitung F.A.Z.

          Während des Studiums Kinder zu bekommen, wie es etwa in skandinavischen Ländern durchaus üblich ist, scheint in Deutschland hingegen noch immer eher abwegig: Nur zwei Prozent der befragten Studenten antworteten, dass sie parallel studieren und eine Familie gründen wollen.

          Frauen sorgen sich um Karriere, Männer um Geld

          Und was ist die größte Angst der heutigen Studenten mit Blick auf das Kinderkriegen? Der Karriereknick, antworten die Frauen. Das Geld, antworten die Männer: Ein Viertel der weiblichen Studierenden macht sich Sorgen über ihr berufliches Vorankommen als Mütter, aber nur 15 Prozent der befragten Männer äußerte diese Befürchtung. Deutlich mehr Männer machen sich Sorgen darüber, dass sie als Väter weniger Geld verdienen könnten (21 Prozent), während nur 17 Prozent der Frauen sich davor fürchten.

          Der Krippenausbau hat übrigens noch nicht dafür gesorgt, dass die Studenten hinsichtlich des Themas Betreuung durchweg beruhigt sind: Männer wie Frauen äußern die Sorge, dass sie keine adäquate Kinderbetreuung finden könnten - 20 Prozent der Frauen und 17 Prozent der Männer sagen das. Ganz generell herrscht aber unter vielen angehenden Akademikern auch Optimismus: 30 Prozent der befragten Frauen machen sich gar keine Sorgen rund um das Thema Kinderkriegen und 37 Prozent der Männer sehen der Familienplanung gelassen entgegen.

          Bild: unicensus.de, Bearbeitung F.A.Z.

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