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Studentenumfrage : Auslandsaufenthalt gilt als zweitbeste Lösung

  • -Aktualisiert am

Bild: Continental-Studentenumfrage 2004, 2005, 2006, 2007

Sie meiden die internationalen Abschlüsse Bachelor und Master und streben seltener als früher ins Ausland: Deutsche Studenten kümmern sich wenig um die Globalisierung. Gleichzeitig wächst ihre Zuversicht.

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          Deutsche Studenten nutzen die Chancen der Globalisierung bislang zu wenig. Die Zahl derer, die ein Praktikum im Ausland macht, geht einer repräsentativen Umfrage zufolge zurück. Immer weniger sind bereit, nach dem Abschluss ins Ausland zu gehen. „Die große Mehrheit der deutschen Studenten bereitet sich auf die zunehmend von Globalisierung geprägte Arbeitswelt nur unzureichend vor“, lautet die Bilanz der 4. Continental Studentenumfrage, die gerade in Frankfurt vorgestellt wurde. Dafür waren mehr als 1000 Hochschulabsolventen - Ingenieure, Natur- und Wirtschaftswissenschaftler - befragt worden.

          73 Prozent der Absolventen schätzen aktuell ihre Karrierechancen „sehr zuversichtlich“ oder „zuversichtlich“ ein, vor vier Jahren waren es nur 63 Prozent. Die Zukunftserwartung korreliert mit der weiter verbessert eingeschätzten Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen: Genau zwei Drittel der Befragten bewerteten sie als „sehr gut“ oder „gut“, vor zwei Jahren war es nur jeder Zweite.

          „Diplom“ am attraktivsten

          Die weitaus meisten (66,5 Prozent) streben ein deutsches Diplom statt eines internationalen Abschlusses an. Rund 14 Prozent der Studenten entschieden sich für eine Bachelor-Studiengang, kombiniert mit Berufserfahrung oder dem Masterabschluss. Der BA-Abschluss erhält nur die mäßige Note 3,5 in Deutschland, wenn es um die Karriereerwartungen der Befragten geht. Der Master wird mit einer 2,2 bewertet, das Diplom mit einer 1,7 und der „PhD“ mit einer 1,6.

          Bild: Continental-Studentenumfrage 2004, 2005, 2006, 2007

          Das Bielefelder Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest und die TU Darmstadt hatten im Auftrag des Automobilzulieferers Continental 1003 Hochschulabsolventen befragt. Globalisierung bedeutet für sie vor allem Arbeiten im Ausland (38,3 Prozent), mehr Mobilität (32,6 Prozent), die Pflicht, Sprachen zu lernen (22,5 Prozent) und mehr Zusammenarbeit (15,5 Prozent). Die Studenten erwarten andererseits aber auch mehr Konkurrenz (19,5 Prozent) und soziale Nachteile (4,9 Prozent).

          „Studenten sind faul, das hat sich nicht geändert“

          Nur etwa 16 Prozent der Studenten entscheiden sich für ein Auslandssemester. Ebenfalls rund 16 Prozent machen ein Auslandspraktikum - bei der ersten Continental-Befragung 2004 waren es noch weit mehr als 20 Prozent. Fast 33 Prozent machen gar kein Praktikum - rund drei Mal so viele wie 2004. Selbst der Anteil derer, die nicht einmal im Inland ein Praktikum absolvieren, ist zurückgegangen auf 54,5 Prozent. 2004 strebten noch 70 Prozent der Jungakademiker nach praktischen Erfahrungen in einem Unternehmen. Die Gründe sind komplex: Zum einen ist der Druck gewachsen, das Studium so rasch wie möglich abzuschließen. Auf der anderen Seite sind Praktika weder vorgeschrieben noch erscheinen sie vielen Fachkräften auf dem boomenden Arbeitsmarkt als notwendig, um nach dem Examen einen Arbeitsplatz zu bekommen. „Studenten sind faul, das hat sich nicht geändert“, sagt Professor Uwe Kamenz, Wirtschaftswissenschaftler von der FH Dortmund, provozierend, „außerdem finden alle immer leichter einen Job, das macht es noch schlimmer.“

          Das gilt auch als Grund dafür, warum die Studenten die Ausbildungsangebote der Hochschulen in Sachen Internationalisierung nur wenig nutzen. Berufsnahe Kompetenzen wie Projektmanagement oder Teamführung erwirbt nur eine deutliche Minderheit. „Wir sollten uns mit dem Marketing der Angebote befassen“, fordert deshalb Professor Reiner Anderl. Der Vizepräsident der TU Darmstadt hat festgestellt, dass an seiner Hochschule allein die Umbenennung von „soft skills“ in „professional skills“ die Nachfrage erhöht habe.

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