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Studentenumfrage : Auslandsaufenthalt gilt als zweitbeste Lösung

  • -Aktualisiert am

„Gelder massenhaft, die nicht abgerufen werden“

Als größtes Hindernis für ein Auslandsstudium oder -praktikum wird die Finanzierung (31,9 Prozent) gesehen, gefolgt von bürokratischen Hindernissen (21,9 Prozent.) Lediglich 37,3 Prozent der Befragten geben an zu wissen, wie man sich für ein internationales Praktikum erfolgreich bewirbt. Gleichzeitig bezeichnen lediglich 28 Prozent der Studentinnen und Studenten den Erwerb internationaler Kompetenz als festen Bestandteil ihrer Ausbildung. Kamenz glaubt, die besten Studenten gingen freiwillig ins Ausland, „die anderen muss man zwingen, um die Qualität zu heben“.

Bisher hält Kamenz Forderungen nach dem Auslandsaufenthalt für Lippenbekenntnisse. „Erst raffen sich die Studenten nicht auf, und wenn doch, dann gibt es die nötigen Angebote nicht.“ Nicht einmal Conti bezahle das ja ohne weiteres. Conti-Personalvorstand Heinz-Gerhard Wente sagte, auch sein Unternehmen habe keine Programme, „mit denen wir Studenten ins Ausland schicken, damit sie hinterher bei uns arbeiten“. Die Leiterin des Recruitings im Conti-Konzern, Sehnaz Özden, glaubt aber, es sei nicht schwer, ins Ausland zu gehen, wenn auch ein Praktikum nicht als Urlaubssemester angesehen werden dürfe. Nicht nur öffentliche Träger wie die Europäische Union böten „Gelder massenhaft, die nicht abgerufen werden“. Die leitende Personalmanagerin rät zum Exotischen, um auf sich aufmerksam zu machen: „Gehen Sie nach Sierra Leone, das ist ein Highlight in Ihrem Lebenslauf.“

Immer weniger streben nach China

Kamenz bezeichnete die Haltung der Studierenden gegenüber der Globalisierung als Gefährdung des Standortes Deutschland: „Die Produktivität der Akademiker muss sich verdoppeln, aber dafür bilden wir nicht aus, das ist eine Katastrophe.“ Schließlich seien es die jetzigen Studierenden, die in zehn bis zwanzig Jahren bei deutlich zurück gehenden Akademikerzahlen verantwortliche Positionen in den global aufgestellten deutschen Unternehmen übernehmen sollten. „Wir haben kein Problem mit den Besten“, ist Kamenz überzeugt, „aber eins mit der Masse der Studenten: Die schleppen wir so mit, aber mit denen können Conti und andere ihre Ingenieursabteilungen nicht auffüllen.“ Der Ökonom sieht vor allem die Unternehmen in der Pflicht, ihre Investitionen in Hochschulen deutlich zu erhöhen: „Direktes Geld wäre schön.“

Zurückhaltende Erwartungen der Hochschulabsolventen an eine Zukunftsperspektiven im Ausland spiegelt sich in der Wahl eines künftigen Arbeitsplatzes: Immer weniger sind der Umfrage zufolge bereit, einen Job bei einem Unternehmen anzunehmen, wenn dieser in einem für wenig attraktiv gehaltenen Land angeboten wird: Nach dem Studium können sich nur rund je 30 Prozent vorstellen, vorübergehend in Südamerika oder Osteuropa zu arbeiten, nach China würde nur noch etwa jeder fünfte gehen, vor drei Jahren war es noch jeder dritte. Selbst die Vereinigten Staaten wären nur für gut die Hälfte denkbar.

TNS Infratest erwartet, dass die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen, weiter zurückgehen wird, vor allem bedingt durch die robuste Konjunktur in Deutschland. Der Auslandsaufenthalt gelte als zweitbeste Lösung.

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