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Studentenbuden : Und wie wohnt Ihr?

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Normale WG mit Diskussionen über den Spülplan? Oder kreatives Zusammenwohnen mit anderen Nationen oder Generationen? Schickt uns Eure WG-Fotos! Bild: dpa

Wohnen in Uni-Städten wird teurer, die Suche immer schwieriger. In der Not bilden sich auch außergewöhnliche Wohngemeinschaften. Wir stellen einige von ihnen vor und fragen in unserer FAZ.NET-Fotoaktion: Wie wohnt Ihr?

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          Es dürfte eine der buntesten Studenten-WGs Deutschlands sein. Und das nicht nur, weil für das Haus im Süden Münchens von einem Aktionskünstler eigens ein eigenes Farbdesignkonzept entworfen wurde. In der Kistlerhofstraße im Stadtteil Obersendling werden schon bald 61 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wohnen - gemeinsam mit 42 deutschen Studenten. Zwei Jahre lang wurde das Integrationsprojekt Kistlerhofstraße von dem sozialen Träger Condrobs geplant, jetzt sind die ersten jungen Leute eingezogen. Vor allem soll das Wohnheim natürlich dabei helfen, Flüchtlingen ein neues Zuhause zu geben und sie möglichst zügig in ihre neue Heimat zu integrieren. In dem ehemaligen Bürogebäude solle „Integration durch den Austausch von Kulturen gelebt werden“, sagt Frederik Kronthaler, der bei Condrobs für die Arbeit mit Jugendlichen zuständig ist. Und die Studenten? Profitieren gleich doppelt, heißt es.

          Das ungewöhnliche Miteinander soll den interkulturellen Fähigkeiten dienen und gleichzeitig ein handfestes Alltagsproblem lösen: Wohnraum in der bayerischen Landeshauptstadt ist - wie in einem großen Teil der deutschen Universitätsstädte - sehr knapp und ebenso teuer. Der Immobilienentwickler GBI zum Beispiel hatte die Kosten für ein Zimmer in einer Dreier-Wohngemeinschaft in München vor kurzem erst auf 521 Euro je Monat beziffert. Dementsprechend schwer haben es Studenten dort auch jetzt wieder, zum Beginn des neuen Semesters also, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Und das trotz der knapp 11.000 Zimmer und Appartements, die allein vom Münchener Studentenwerk für eine Monatsmiete zwischen 178 und 394 Euro angeboten werden.

          In München, Frankfurt und Hamburg ist es am schwierigsten

          Nicht wirklich besser ist die Situation in anderen Metropolen, aber zunehmend auch in kleineren Städten wie Freiburg, Tübingen oder Marburg. Die Zahl der Städte in Deutschland mit einer angespannten Situation auf dem studentischen Wohnungsmarkt sei von 32 auf 39 gestiegen, ermittelte GBI. Am schwierigsten sei die Suche nach einer passenden Wohnung bei den üblichen Verdächtigen: München, Frankfurt, Hamburg, in dieser Reihenfolge. Begutachtet wurden insgesamt 87 deutsche Hochschulstandorte mit mehr als 5000 Studenten. Miet- und WG-Preise, Leerstandsquoten, Studenten- und Erstsemester-Zahlen und so weiter summierten sich am Ende auf mehr als 20 Bewertungsfaktoren. Einhelliges Ergebnis: Wohnen wird auch für Studenten immer teurer. Projekte wie jenes in der Münchner Kistlerhofstraße können für wohnungssuchende Studenten also eine attraktive Alternative sein.

          Der Träger Condrobs bietet seine 42 Studenten-Appartements im Münchner Süden für jeweils ab 500 Euro an, Betriebs- und Nebenkosten wie Heizung, Wasser und Internet inklusive. Zur Ludwig-Maximilians-Universität zum Beispiel sind es mit der U-Bahn gerade einmal 20 Minuten. Trotzdem ein stolzer Preis für eine Wohnung mit etwas mehr als 20 Quadratmeter Fläche. Die Studenten allerdings können ihre Miete individuell senken. Durch Nachhilfe, Begleitung zu Behörden oder Ärzten, Pfortendienste oder gemeinsame Unternehmungen mit ihren ausländischen Mitbewohnern etwa. Um in die Kistlerhofstraße ziehen zu dürfen, müssen Interessenten überzeugen können, dass sie tatsächlich Interesse an dem Projekt haben und bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

          „Wohnen für Hilfe“ gibt es schon lange

          Die Idee, dass Studenten durch soziales Engagement an erschwinglichen Wohnraum kommen, ist indes nicht neu. Das Projekt „Wohnen für Hilfe“ zum Beispiel gibt es schon seit vielen Jahren und wird inzwischen in zahlreichen deutschen Städten angeboten. Die Idee ist simpel: Eine Privatperson lässt Studenten bei sich wohnen und sich die Miete anstatt in Euro mit Hilfsleistungen bezahlen. Je Quadratmeter Wohnraum müssen Mieter eine Stunde im Monat bei den Dingen des Alltags helfen, Rasenmähen, Kochen, Putzen, Einkaufen, so etwas. Manchmal geht es aber auch einfach darum, Mitbewohnern Gesellschaft zu leisten. Nur die Nebenkosten wie Gas, Wasser und Strom müssen bezahlt werden. Die Träger des Projekts unterscheiden sich von Stadt zu Stadt, ebenso die Zielgruppen, die als Vermieter in Frage kommen.

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