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Studenten-Küche : Mit Nudeln durch alle Semester

  • -Aktualisiert am

Frühakademischer Traum: die Spaghetti-Maschine Bild: picture-alliance / dpa

Kochbuchverlage wissen, was Studenten wirklich wollen: Spaghetti, Griechischen Salat und Tiramisu. Vegetarisch? Von wegen. Jung-Akademiker leben weniger gesundheitsbewusst als häufig angenommen.

          3 Min.

          Was Studenten am liebsten essen, ist klar: Nudeln. Sie sind preiswert und verderben nicht so schnell wie Kartoffeln. Man kann sie leicht zubereiten. „Pasta ist für jede Gästezahl geeignet und schmeckt fast jedem“, sagt Christine Mahrle. Unter ihrem vormaligen Nachnamen Lehner hat sie im Verlag Edition XXL ein „Studentenkochbuch“ veröffentlicht. Derer sind inzwischen mehrere erschienen. Und alle räumen der Nudel einen prominenten Platz ein. Das Angebot reicht von „Spiralnudeln mit Tunfisch“ in Friedrich Bohlmanns „StudentInnenküche“ bis zu „Gustls gutem Nudelsalat“, einem Gemisch aus Mini-Farfalle, Schinken, Ananas und diversem Gemüse. Das Rezept steht in einem bunten Bändchen namens „Satt durch alle Semester“ aus dem Hölker Verlag.

          Die Kochbuchverlage umwerben ihre Zielgruppe, indem sie sprachlich und optisch das imitieren, was sie für die Alltagskultur der gegenwärtigen Studentengeneration halten. Gräfe und Unzer setzt das großgeschriebene I auf den Titel, obwohl politisch korrekte Menschen heute längst nicht mehr von „StudentInnen“, sondern von „Studierenden“ reden. Die Lektoren der Edition XXL haben Fotos ausgesucht, auf denen nicht nur Folienkartoffeln und Schinkenfleckerln zu sehen sind, sondern auch Bleistiftspäne, Briefmarken, Tintenkleckse und Bücher mit so Appetit anregenden Titeln wie „Buchhaltung und Bilanzierung“ und „Garantiert schreiben lernen“. Und der Hölker Verlag veröffentlicht zu den Rezepten gleich Quittungen von Lidl und Aldi sowie Fotos von Tischkarten („Mama sitzt hier“). Auf einem Gummiband, der das Buch umschließt, sind drei neckische Sticker befestigt, einer mit einem Teller, der zweite mit einer Tomate, der dritte mit der Aufschrift „Cook mal!“

          „Einfach, schnell und preiswert“

          Grell und lustig mögen's die Studenten - das glaubt man wenigstens in den Verlagen. Der Isensee Verlag bildet mit seinen beiden „Mensa-Kochbüchern“ eine angenehme Ausnahme. Sie enthalten Schwarz-Weiß-Fotos, die Studenten und Mensaköche bei der Arbeit zeigen. Die Bände entstanden in Kooperation mit dem Studentenwerk Oldenburg. Sie enthalten die Rezepte, die bei den Hochschülern besonders beliebtet sind. „Das sind Schnitzel, Pizza, Aufläufe, Nudelgerichte und seit einigen Jahren zunehmend Fisch“, berichtet Tanja Küddelsmann, eine Angestellte des Studentenwerks. Darüber hinaus gibt's „Kartoffel-Weizenpuffer“, „Frittierte Kochbananen“ und einiges mehr.

          „Einfach, schnell und preiswert“ - so lautet der Untertitel von Christine Mahrles „Studentenkochbuch“. Auf diesen Nenner lassen sich alle Rezeptsammlungen bringen. Da viele Erstsemester zum ersten Mal einen Haushalt führen, gibt es außerdem sinnvolle Tipps für Anfänger. „Satt durch alle Semester“ beschränkt sich darauf, das optimale Garen von Spaghetti, das Putzen von Salat und ähnliches zu erklären. Die Autoren von „StudentInnenküche“ und „Studentenkochbuch“ erläutern, welche Lebensmittel in den Vorrat gehören und welches Werkzeug notwendig ist. In den „Mensa-Kochbüchern“ stehen Lexika mit Begriffen wie „ablöschen“ und „Wasserbad“.

          Rat und Hilfe - kostenlos

          Auf www.studentenkochbuch.net findet der Anfänger ebenfalls Rat und Hilfe, und zwar kostenlos. Wie plane ich eine Party und was bedeutet die Abkürzung „Pr“? Prise, klar. Claudia Otto, die Autorin der Seite, hat seit ihrer Studentenzeit in Jena 379 Rezepte gesammelt. Sie sagt, sie habe sie alle getestet. Als Studentin des Sozialwesens lebte Otto Mitte der neunziger Jahre in beengten Verhältnissen. Drei Frauen teilten sich ein Zimmer im Wohnheim und acht Personen eine Küche. Dort hatte jeder nur ein paar Quadratzentimeter Platz für seine Utensilien. Studenten wohnen inzwischen komfortabler, doch die Rezepte dürfen trotzdem nicht kompliziert sein, meint die 31 Jahre alte Frau, die längst berufstätig ist. Gemüse, Reis, Kartoffeln, Salz und Pfeffer - mit dieser Grundlage kommen viele Gerichte auf ihrer Seite aus. Claudia Otto widerspricht der These, dass Studenten immer gesund essen wollen: „Es soll vor allem schnell gehen - da nimmt man lieber Brühwürfel als selbst eine Brühe zuzubereiten.“

          Das wird auch von anderer Seite bestätigt. „Mehr Fast Food, viel Frittiertes, mehr Convenience-Produkte, diese Studentengeneration lebt ungesünder als frühere“, sagt Tanja Küddelsmann vom Studentenwerk Oldenburg. „Essen ist nicht mehr der Höhepunkt des Tages, sondern eine Tätigkeit unter anderen.“ Kaffee und Baguette werden mit ins Seminar genommen. Die Pause in der Cafeteria dauert nur kurz, wenn es sie überhaupt noch gibt. Wer außerdem denkt, dass Studenten gern Bio-Produkte kaufen und auf Fleisch verzichten, der irrt gewaltig. „Bio ist meist zu teuer“, glaubt Claudia Otto. Der selben Ansicht ist auch Christiane Leesker, die das Buch „Satt durch alle Semester“ als Lektorin betreute.

          Aber bitte mit Sahne

          Das Bändchen war eine Idee des Kulturbüros der Universität Münster. Die Mitarbeiter wandten sich an den Hölker Verlag. Bald darauf wurden die Studenten per Mail und über die Presse aufgefordert, eigene Rezepte einzusenden. „Wir waren überrascht über den reichlichen Gebrauch von Sahne“, sagt Christiane Leesker. Es hätte sich auch nicht gelohnt, ein Extra-Kapitel mit vegetarischen Gerichten einzufügen. Statt dessen gibt es Geflügel und Speck in Maßen. Das ist auch in den anderen Kochbüchern so: Baguettes und Wraps sind mit Hähnchen bestückt. Zum Mittag isst man Frikadellen und Pute.

          Der Student ist ein Liebhaber von Salat. Den verzehrt er in unzähligen Variationen und zu jeder Tageszeit. Am liebsten mag der Jung-Akademiker Gemüse, Oliven und Fetakäse, mit anderen Worten: Griechischen Salat. Dieses Rezept taucht in fast jedem Kochbuch auf. Außerdem: Tiramisu. Mit dem fetten Dessert im Bauch sind die StudentInnen sicher auch in der Lage, Buchhaltung und Bilanzierung zu erlernen.

          Friedrich Bohlmann: StudentInnenküche. Noch mehr Rezepte. Gräfe und Unzer, München, 7,50 Euro

          Christine Lehner: Studentenkochbuch. Einfach, schnell und preiswert. Edition XXL, Fränkisch-Crumbach, 5 Euro

          Thomas Hoeren / Christiane Leesker (Hg.) Satt durch alle Semester. Das Studentenkochbuch. Hölker, Münster, 9,95 Euro

          Studentenwerk Oldenburg (Hg.): Das Mensa-Kochbuch. Isensee, Oldenburg, 8 Euro

          Studentenwerk Oldenburg (Hg.) Das Mensa-Kochbuch International. Isensee, Oldenburg, 8 Euro

          www.studentenkochbuch.net

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