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Stifter für die Wissenschaft : Eine private Exzellenzinitiative

In einem Reinraum an der TU Bergakademie im sächsischen Freiberg Bild: ZB

Die TU Bergakademie Freiberg ist seit Januar Eigentümerin des größten Stiftungsvermögens einer staatlichen Universität in Deutschland. Jetzt sollen unter anderem die Gehälter der Doktoranden wesentlich erhöht werden.

          3 Min.

          In der Erzgebirgsregion sagen die Leute nicht "Guten Tag", sondern "Glückauf". Wenn Georg Unland, Professor und Rektor der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, den traditionellen Willkommensgruß verwendet, gilt das in diesen Tagen ganz besonders im Wortsinn. Denn die TU Bergakademie Freiberg ist seit dem 1. Januar Eigentümerin des größten Stiftungsvermögens einer staatlichen Universität in Deutschland. Der Münchner Unternehmer Peter Krüger hatte der Freiberger Universität Mitte Dezember Teile seines Immobilienvermögens vermacht. Wieviel es wert ist, lässt sich nicht genau beziffern. "Bei Immobilien ist das nicht so einfach festzustellen", sagt Rektor Unland. Aber klar ist, dass aus der gemeinsam von der TU und dem großzügigen Mäzen gegründeten "Dr. Erich Krüger Stiftung" (sie trägt den Namen von Krügers Vater) jährlich bis zu 20 Millionen Euro auf unbegrenzte Zeit an die Hochschule fließen werden. 2007 soll mit den Erträgen das Stiftungskapital noch einmal erhöht werden.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          "Auf Wunsch des Stifters schütten wir aber dennoch schon eine Million Euro aus", berichtet Unland. "Ich verstehe das gut. Herr Krüger, der weit über 80 Jahre alt ist, will sehen, was mit seinem Geld gemacht wird." Nach dem Willen Krügers sollen die Erträge aus seinem gestifteten Immobilienvermögen in praxis- und anwendungsbezogene Wissenschaft investiert werden. Der Unternehmer will damit Forschungsergebnisse fördern, die auch im Freistaat Sachsen und dort bevorzugt in Freiberg in der Produktion angewandt werden können. Deshalb wird die Bergakademie einen Teil des Geldes in Geräte und Einrichtungen zur Forschung in ihren vier profilbestimmenden Fachrichtungen Geowissenschaften, Material- und Werkstoffforschung sowie Energie- und Umwelttechnik investieren.

          Graduierten-Akademie geplant

          Mit dem anderen Teil will die Hochschule eine Graduierten-Akademie gründen, um zusätzliche hervorragende Promovenden gewinnen und ausbilden zu können. "In Deutschland gibt es einen eklatanten Mangel an Doktoranden in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern und einen entsprechend harten Konkurrenzkampf zwischen den Universitäten", sagt Unland. In starker Konkurrenz um die klügsten Köpfe stehe man aber auch mit der Wirtschaft, die junge Ingenieure mit Gehältern in der Höhe der Einstiegsbesoldung von Professoren locke. Aus den neu gewonnenen Mitteln und durch die Kofinanzierung sollen deshalb künftig auch wesentlich bessere Gehälter für Doktoranden an der TU Freiberg finanziert werden. Unland hofft, dass so zehn Prozent mehr Doktoranden gewonnen werden können. Derzeit arbeiten rund 700 Ingenieure in Freiberg an ihrer Promotion.

          Durch die Stiftung des Unternehmers Krüger steht der TU Freiberg nun mehr Geld zur Verfügung, als manch andere Hochschule aus der Exzellenzinitiative des Bundes erwarten kann. Für Neid sieht Rektor Unland dennoch keinen Anlass. Zwar beteilige sich die Bergakademie an der Exzellenzinitiative, habe aber aus mehreren Gründen kaum eine Chance. "Als sehr kleine Hochschule mit 4500 Studenten müssten wir uns eigentlich komplett als Exzellenzcluster anmelden." Auch solle die Biomedizin besonders gefördert werden, die Bergakademie wolle aber ihren zentralen Forschungsthemen Rohstoffe und Energie treu bleiben - schließlich sei die im November 1765 gegründete Bergakademie die erste montanwissenschaftliche Hochschule der Welt.

          Deutlich mehr Studenten in den Ingenieurwissenschaften

          Peter Krüger hat sich die Bergakademie für seine großzügige Zuwendung ausgesucht, weil die TU Freiberg anders als die meisten anderen Hochschulen in Deutschland wieder deutlich mehr Studenten in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern hat als noch vor wenigen Jahren. Zudem hat Krüger eine starke biographische Motivation für seine Stiftung. Er ist in Freiberg geboren, machte dort sein Abitur und schrieb sich 1946 an der dortigen Hochschule für das Fach Bergbau ein, wurde aber nach nur einem Semester mit der Begründung exmatrikuliert, er sei kein "Arbeiter- und Bauernkind". Krüger kehrte seiner Heimat den Rücken, um in Karlsruhe Elektrotechnik zu studieren. Mit dem Diplom in der Tasche wanderte er nach Kanada aus. Nach nur drei Jahren kehrte er nach Deutschland zurück und baute innerhalb von eineinhalb Jahrzehnten ein Bauunternehmen mit zuletzt 2000 Beschäftigten auf. 1970 verkaufte Krüger seine Firma und gründete die Delikatessen-Kette "Schlemmermeyer". Zuletzt konzentrierte sich der Unternehmer auf das Immobiliengeschäft.

          Die TU Freiberg hat bisher mehr als 150 Stifter gewinnen können. Nach der großzügigen Zuwendung Krügers verfügt die Universität über ein Stiftungsvermögen pro Student in Höhe von mehreren 10 000 Euro. Unter den Stiftern sind mittlerweile auch Unternehmen aus der Region, die mit der Hochschule in der Forschung und Entwicklung zusammenarbeiten. Zuletzt hatte eine andere Exilsächsin mit ihrer Stiftung weit über die Grenzen des Freistaats hinaus Aufsehen hervorgerufen: Eine in der Schweiz lebende Biologin vermachte der Bergakademie ihre private, seit 1945 zusammengetragene Mineraliensammlung mit mehr als 80 000 Mineralen, Edelsteinen und Meteoriten.

          An der Freiberger Bergakademie hatte sich einst auch die Mineralogie entwickelt, weshalb die Hochschule vor der Stiftung schon die zweitgrößte Sammlung der Welt besaß, die jedoch 1945 endete. Die Stiftung der betagten Exilsächsin stellt daher eine perfekte Ergänzung des Freiberger Bestandes dar, der nun sogar jenem des Washingtoner National Museum of Natural History den Rang abläuft.

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